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Automatisierungsspezialist Turck verkündet Bestmarken und drängt nach Veränderungen

| Autor/ Redakteur: Gerd Kielburger / Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Die Automatisierung brummt – auch beim Automatisierungsspezialisten Turck. Das Unternehmen aus Mülheim a.d.R. prognostiziert für das Geschäftsjahr 2017 eine Umsatzsteigerung von satten 15 Prozent und wird damit das beste Jahr der Unternehmensgeschichte schreiben. Der konsolidierte Gruppenumsatz dürfte den Erwartungen zufolge zum Jahresende die Marke von 600 Millionen Euro übertreffen. Und doch stehen auch die „Global Automation Partner“ durch die Herausforderungen von Industrie 4.0 vor großen Veränderungen.

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Turck-Geschäftsführer Christian Wolf freut sich über viele Bestmarken im diesjährigen Geschäftsjahr.Zukünftig soll das Thema IT- und Software Know-how auch bei Turck zu einer Schlüsselressource werden.
Turck-Geschäftsführer Christian Wolf freut sich über viele Bestmarken im diesjährigen Geschäftsjahr.Zukünftig soll das Thema IT- und Software Know-how auch bei Turck zu einer Schlüsselressource werden.
(Bild: Turck)

Mülheim a.d.R. – Goldgräberstimmung in der Automation. Das Geschäft der Automatisierer scheint derzeit keine Grenzen zu kennen. Während der deutsche Markt als solide bezeichnet werden kann, explodiert geradezu das internationale Business – nicht zuletzt dank innovativer Industrie 4.0-Entwicklungen und einer Vielzahl von Projekten in fast allen Regionen der Welt. Das Industriegeschäft scheint sich von den zahlreichen weltpolitischen Krisen und Herausforderungen wie Brexit, Nordkorea-Konflikt, Syrienkrieg, Abschottungsdrohungen in USA, uvam. abgekoppelt zu haben. Erfreut präsentiert Turck-Geschäftsführer Christian Wolf daher die aktuellen Geschäftszahlen. Das Geschäftsklima sei seit zehn Jahren nicht mehr so gut wie jetzt, konstatiert der Unternehmenslenker. Das gibt Spielraum für kräftige Investitionen in Turck-Produktions- und Vertriebsstandorte in Osteuropa, Mexiko und China.

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Mit dem Portfolio von Sensor-, Feldbus- und RFID-Technik sieht der Manager des mittelständischen Automatisierungsspezialisten sein Unternehmen auch als Indikator einer deutlich wachsenden Automatisierungsbranche – und das trotz aktueller Herausforderungen wie SAP-Einführung, Lieferengpässen und zahlreicher anderer interner Unternehmensprojekte. 2017 wird für die Turck-Gruppe laut Wolf das mit Abstand erfolgreichste Jahr bei fast allen Kennzahlen – allem Fachkräftemangel zum Trotz. Die Wachstumszentren dieser Entwicklung hat Wolf vor allem in Nordamerika mit mehr als 22% Zuwachs, Südostasien (+ 21%) und China (+ 33%) ausgemacht. Vor allem die Automobilbranche und ihre Zulieferketten bescheren durch kräftige Investitionen in diesen Regionen das Turck-Wachstum.

Weniger erfolgreiche Zahlen kann Wolf allerdings im Bereich Prozessautomation vermelden. Auch wenn die Interface-Sparte bei Turck noch um 6% zulegt, kann die Feldbustechnik im PA-Bereich bei Turck aufgrund abgekündigter Produkte, verzögerter Markteinführung neuer Gerätelinien und schwächelnder Projekte im Öl/Gas-Bereich vor allem in Russland nicht zulegen, sondern sinkt im Vergleich zum Vorjahr um 13%. Hintergrund: Russland ist für die Mülheimer Automatisierungsspezialisten der aktuell größte Interface-Markt und dort mit 80 % des Firmenumsatzes deutlich auf Prozessautomatisierung ausgerichtet. Durch das signifikante Wachstum im Fabrikautomatisierungs-Segment verschiebt sich laut Wolf das interne Umsatzverhältnis von Prozess- und Fabrikautomatisierung bei Turck von 20-80 auf aktuell ca. 15-85%.

Software Know-how wird bei Turck zur Schlüsselressource

Bei allem Stolz über die hervorragende Geschäftslage mahnt der Turck-Geschäftsführer auch die notwendigen unternehmerischen Anpassungen an, um auch die Herausforderungen der Industrie 4.0-Welt zu meistern. „Wir werden bei unseren Kunden, aber auch auf dem Arbeitsmarkt noch weitgehend als Hardware-Anbieter gesehen“, formuliert der diplomierte Wirtschaftsingenieur selbstkritisch. Dabei sind die Mülheimer schon seit einigen Jahren auf Veränderungskurs vom Produkt- zum Systemanbieter. Doch das alleine reicht nicht. Um sich weiterhin als kompetenten Wegbereiter für Industrie 4.0 zu etablieren, werden strategische Technologieakquisitionen oder -beteiligungen, selbst Minderheitsbeteiligungen nötig sein, ist sich Wolf sicher.

Die Wertschöpfung durch smarte Daten wird das Unternehmen weiter verändern und neue Geschäftsmodelle einfordern. Höhere Flexibilitätsanforderungen an die Mitarbeiter, Intensivierung der Kundenbeziehung und eine stärkere Vernetzung mit Partnern sind Schlüsselanforderungen dafür. IT- bzw. /Software-Know-how wird auch bei Turck zur Schlüsselressource. Da sieht Geschäftsführer Wolf freilich noch das größte Gap im Unternehmen. „Wie bringen wir bezahlbare Engineering-Services in den Markt? Wer sind die Partner, mit denen man das Thema Predictive Maintenance und voraussetzend dafür Predictive Analytics anbieten kann?“ Wichtige Fragen, die man sich nicht nur bei den Mülheimern stellt. Dabei kann das Unternehmen bereits auf zahlreiche spannende Applikationen beim Einsatz smarter Sensoren durch dezentrale Intelligenz verweisen und das nicht nur bei Neuanlagen, sondern auch beim Retrofit von Altanlagen.

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