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Nachbetrachtung Dow-Dupont-Merger Aus eins mach drei: Wie geht es Dow, Dupont & Corteva Agriscience?

Mit der geplanten Fusion der zwei Chemieriesen Dow Chemical und Dupont versetzen die beiden Unternehmen Ende 2015 die Branche in Aufruhr. Vorübergehend entstand 2017 mit Dow Dupont das größte Chemieunternehmen der Welt. Nach dessen Aufspaltung in Branchen und Anwendungsbereiche, ist die BASF mittlerweile wieder die Nummer eins. Was in den letzten vier Jahren alles passiert ist und wie es um die Unternehmen heute steht, hat PROCESS recherchiert.

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PROCESS hat recherchiert: Wie steht es nach der Mega-Fusion zwischen Dow Chemical und Dupont und der darauffolgenden Abspaltungen um dessen Nachfolgeunternehmen Dow, Dupont und Corteva Agriscience?
PROCESS hat recherchiert: Wie steht es nach der Mega-Fusion zwischen Dow Chemical und Dupont und der darauffolgenden Abspaltungen um dessen Nachfolgeunternehmen Dow, Dupont und Corteva Agriscience?
(Bild: magele-picture - stock.adobe.com)

Die Nachricht schlug Ende Dezember 2015 ein wie eine Bombe. Die beiden US-Chemieunternehmen Dow Chemical und Dupont wollen unter dem Namen Dow Dupont zum neuen Big Player der Branche fusionieren. Mit einer geschätzten Marktkapitalisierung von 150 Milliarden Dollar verwies Dow Dupont den bisherigen Spitzenreiter BASF vorübergehend auf Platz zwei.

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Der Wechsel an der Spitze war allerdings nur von kurzer Dauer, da von Anfang an geplant war, das neue Unternehmen innerhalb von 18 Monaten in die folgenden drei, nach Branchen und Anwendungsbereichen getrennten, Unternehmen aufzuspalten:

  • Pflanzenschutz- und Saatgut (Landwirtschaft)
  • Material Sciences/Werkstoffe
  • Spezialchemie

Warum kommt es überhaupt zu so einer Mega-Fusion mit anschließender Trennung in verschiedene Branchen und Aufgabenbereiche?

Wirtschaftliche Überlegungen stehen sicherlich an erster Stelle. Die beiden Konzernchefs Edward Breen (Dupont) und Andrew Liveris (Dow Chemical) rechneten mit Kostensynergien von ca. drei Milliarden Dollar. Des Weiteren ist z.B. der Markt für Saatgut- und Pflanzenschutzhersteller stark umkämpft und so macht eine Konzentration in diversen Branchen durchaus Sinn. Mit der Monsanto-Übernahme durch Bayer hat das Leverkusener Life-Science-Unternehmen zuletzt immensen Druck aufgebaut.

Zum anderen gibt es natürlich zahlreiche kartellrechtliche Bestimmungen zum Schutz des Wettbewerbs, welche eine Fusion, ohne anschließende Unternehmens-Aufteilung in verschiedene Branchen und Aufgabenbereiche, mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hätten scheitern lassen. So wurde beispielsweise erst Anfang 2019 der Zusammenschluss von Siemens und Alstom verhindert. Die EU-Kommission befürchtete weitreichende negative Auswirkungen für den EU-Markt und die Verbraucher.

Im Falle von Dow Chemical und Dupont wurde die Fusion unter Gleichen zwar genehmigt, jedoch nur unter strengen Auflagen. Unter anderem fürchtete die EU-Kommission eine Verringerung der Innovationsanreize, da beide Unternehmen künftig nicht mehr im Wettbewerb zueinander stehen. Dupont war somit gezwungen im Zuge der Fusion seine Forschung und Entwicklung im Bereich Pestizide zu veräußern.

Welche Risiken birgt eine derartige Mega-Fusion?

  • Eine Fusion dieser Größenordnung mit der anschließenden Umstrukturierung und Veräußerung dutzender Geschäftsbereiche ist deutlich komplexer als eine reine Fusion dieser Größenordnung, da das fusionierte Unternehmen anschließend noch, unter Berücksichtigung aller kartellrechtlichen Vorschriften, in drei eigenständige Unternehmen aufgeteilt werden muss.
  • Unterschiedliche Unternehmensstrukturen und -philosophien müssen unter einen Hut gebracht werden
  • Eine Fusion unter Gleichen wird generell als schwierig bezeichnet und ist genau genommen ein Oxymoron, da bei einer Fusion immer ein Unternehmen in das andere übergeht.
  • Bei beiden Unternehmen haben aktivistische Investoren in der Vergangenheit Druck hinsichtlich einer Fusion/Abspaltung ausgeübt.

In welchem Zeitraum und in welchen Etappen ging die Mega-Fusion über die Bühne?

  • 11. Dezember 2015: In einer gemeinsamen Mitteilung verkünden die beiden US-Chemiegiganten Dow Chemical und Dupont einen Zusammenschluss unter Gleichen und damit die größte Firmenhochzeit in der Geschichte der Branche.
  • 03. Juni 2019: Corteva Agriscience hat seine Abspaltung von Dow Dupont vollzogen und ist ab sofort als eigenständiges Unternehmen an der New Yorker Börse gelistet. Da Dow Dupont somit nur noch das Spezialchemie-Geschäft hält, erfolgt zeitgleich die Umfirmierung und aus Dow Dupont wird Dupont.

Wie ist die Situation nach der Aufspaltung von Dow Dupont bei Dow, Dupont und Corteva Agriscience und was hat sich seitdem geändert?

Dow

  • CEO: Jim Fitterling, Andrew Liveris hat sich zur Ruhe gesetzt
  • Firmensitz: Midland, Michigan, U.S.
  • Branche: Material Sciences/Werkstoffe
  • Gründung: 01. April 2019

Dupont

  • CEO: Edward Breen
  • Firmensitz: Wilmington, Delaware, U.S.
  • Branche: Spezialchemie
  • Gründung: 01. September 2017
  • Ausblick: Bei Dupont ist durchaus Bewegung drin. Breen-Vorgänger Marc Doyle wurde nach weniger als einem Jahr und einem fünfprozentigem Umsatzrückgang in 2019 bereits von seinem Posten enthoben. Anfang 2020 wurde zudem bekannt, dass sich Dupont von seinem Ernährungsgeschäft trennt (Fusion mit International Flavors & Fragrances). Weitere Abspaltungen sind nach Expertenmeinungen möglich.

Corteva Agriscience

  • CEO: James Collins
  • Firmensitz: Wilmington, Delaware, U.S.
  • Branche: Landwirtschaft (Pflanzenschutz- und Saatgut)
  • Gründung: 03. Juni 2019
  • Ausblick: Hier bleibt abzuwarten wie sich der stark umkämpfte Markt in der nächsten Zeit entwickelt. China drängt mit Chemchina/Syngenta massiv in den Markt ein, muss sich aber zumindest aktuell noch hinter Bayer/Monsanto anstellen. Spannend bleibt es auch noch zu beobachten, wie sich die Branche auf die Herausforderungen des Klimawandels einstellt.

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Über den Autor

Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

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Projektmanager Digital PROCESS/LABORPRAXIS