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Interview Meilenstein Thermische Verfahrenstechnik

„Aus 360°-Service wird Unendlichkeit": Per Wärmeübertrager in die Zukunft

| Autor/ Redakteur: Ulla Reutner / Dominik Stephan

Nachhaltige Wärmeübertrager-Lösungen auch für Brownfield-Anlagen – Christian Stoffers, Division Manager Energy bei Alfa Laval Mid Europe, und Fabian Schega, als Sales Manager in der Division Service verantwortlich für den Bereich Heat Exchange, arbeiten eng verzahnt. Den Herausforderungen der Digitalisierung begegnen sie mit „Connectivity“ im Service.

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Christian Stoffers: „Im Brownfield existieren viele Schätzchen an Gebäuden und Ausrüstung.
Christian Stoffers: „Im Brownfield existieren viele Schätzchen an Gebäuden und Ausrüstung."
(Bild: Alfa Laval)

? In den Gründerjahren prägte Alfa Laval eine Flut technischer Innovationen. Welche Innovationsstrategie verfolgen Sie heute?

Christian Stoffers: Innovation ist Teil unserer DNA: Jährlich bringen wir 35 bis 40 neue Produkte auf den Markt – und seit Eintritt unseres neuen CEO Tom Erixon 2016 hat das Innovationstempo sogar noch angezogen. Die Neuheiten sind vor allem durch das Streben nach Effizienzsteigerung und Nachhaltigkeit geprägt. Für effizientere, kompaktere Apparate benötigt man weniger Material. In den letzten Jahren sind uns bei Wärmetauschern dank neuster Technologien wie Strömungssimulation große Fortschritte gelungen – etwa durch asymmetrische Plattenkonstellationen, um Nachteile durch ungleiche Massenströme auszugleichen.

? Der Klimawandel erfordert von Industrieunternehmen einen Beitrag zur Kohlendioxid-Reduktion. Wie unterstützen Sie Ihre Kunden?

Stoffers: Energierückgewinnung und -einsparung gehören zu den großen Herausforderungen unserer Zeit. Alfa Laval leistet hier mit seinen Plattenwärmetauschern an vielen Stellen einen Beitrag. Auf zahlreiche Projekte sind wir wirklich stolz, etwa auf das Wärmerecycling im Hamburger Werk von Aurubis: Bei der Umwandlung von Schwefel­dioxid in Schwefelsäure fällt dort Abwärme an, die mithilfe von acht Wärmetauschern ins Fernwärmenetz eingespeist wird. So werden 20 000 Tonnen CO2-Äquivalent jährlich gespart. Ein Schlüssel zum Erfolg war die richtige Materialauswahl. Angesichts der korrosiven Medien haben wir die Wärmetauscher-Platten größtenteils im Sonderwerkstoff Hastelloy ausgeführt.

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"In bestehenden Anlagen gewaltige Kapazitätssteigerungen realisieren"

? In Europa fließen Investitionen zum Großteil in Brownfield-Anlagen. Welche Anforderungen bringt dies mit sich?

Stoffers: Wie das Beispiel Aurubis zeigt, geht es in vielen Fällen um Wärmerückgewinnung statt da- rum, einen Prozess lediglich zu kühlen. So investieren unsere Kunden wertschöpfend und wirken zugleich dem Klimawandel entgegen – beides wichtige Treiber für Investitionen im Brownfield. Dort entsteht häufig eine weitere Herausforderung: In bestehenden Industriegebäuden sollen teilweise gewaltige Kapazitätssteigerungen realisiert werden. Wir haben Kunden, die mit einer auf ursprünglich 100 000 Jahrestonnen ausgelegten Anlage heute 180 000 Tonnen produzieren. Dem gilt es, mit all unseren Technologien, vorrangig den Wärmetauschern, aber auch der Trenntechnik, zu begegnen und den Ausbau auf begrenztem Raum zu ermöglichen.

? Welche weiteren nachhaltigen Lösungen können Ihre Kunden von Ihnen erwarten?

Stoffers: Sustainability zieht sich bei uns wie ein roter Faden durch Kundenprojekte und interne Aktivitäten. Unsere Wärmetauscher sind als OEM-Komponente wichtige Elemente von Wärmepumpen. Der Nachhaltigkeitsgedanke initiiert zudem Gespräche unserer Ingenieure mit den Kunden, um den gesamten Prozess zu betrachten und energieeffizienter zu gestalten. Sustainability betrifft aber auch die Ressource Wasser: Alfa Laval unterstützt seine Kunden, Produkte aus Abwasserströmen zurückzugewinnen. Dabei treibt uns auch das Thema Zero Liquid Discharge an. Wir selbst sparen mit jeder Tonne Stahl durch kompaktere, effizientere Produkte wertvolle Ressourcen. Und auch unser Service trägt das Seine dazu bei.

Der Wärmetauscher in besten Händen: Darum entscheidet der Service

? Inwiefern spielt denn Sustainability im Service eine Rolle, Herr Schega?

Fabian Schega: Ein naheliegendes Beispiel: wenn wir den Kunden beraten, wie er Bestehendes upgraden kann. Oft ist etwa das Gestell eines Wärmeübertragers noch in Ordnung, nur das Plattenpaket muss verändert werden. Mit der neuesten Plattenserie ist das problemlos möglich. So kann man einen Plattenwärmetauscher mit höherer Performance an derselben Stelle installieren oder alternativ Material einsparen. Das schafft Nachhaltigkeit und hilft dem Kunden im Portemonnaie.

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? Bei Alfa Laval ist der Service in einer separaten Division organisiert. Warum?

Schega: Nicht zuletzt wegen des positiven Feedbacks, das wir von Kunden bekommen, seitdem wir einen besonderen Fokus auf Service legen. Seit einigen Jahren bauen wir den Bereich immer weiter aus. Daraus entstand Anfang 2017 eine eigene Division für den Service als Teil der neuen Organisation von Alfa Laval. Sie umfasst ein Team aus Technikern, dem Außen- und Innendienst sowie Werkstattmitarbeitern. Eine solche Division schafft Synergien, nicht zuletzt durch den engen Handshake zwischen dem Service und den Produktbereichen. Letztere definieren das Dienstleistungsangebot für ihre Produktkategorien. Wir in der Service Division setzen es praktisch um.

Stoffers: Gerade in unserer Region, in der nicht mehr viele neue Anlagen gebaut werden, haben wir realisiert: Im Brownfield existieren viele alte Schätzchen an Gebäuden und Ausrüstung. Es trifft daher den Bedarf unserer Kunden, sie ganzheitlich zu betreuen: nicht nur mit neuem Equipment, sondern auch durch Services für die Anlagenoptimierung und -instandhaltung.

? Wofür steht der Begriff „Alfa Laval 360°-Serviceportfolio“? Service vom Start-up bis zur Stilllegung?

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Schega: Es fängt mit der Inbetriebnahme an, das ist richtig. Aber mit der Stilllegung sollte es idealerweise gerade nicht aufhören: Wenn Redesign und Upgrades ausgereizt sind, streben wir den Übergang zu einer neuen Maschine von Alfa Laval an. Aus 360° wird dann im Idealfall eine Unendlichkeitsschleife, dank der engen Verzahnung von Service und Neuverkauf.

Connectivity Included: So werden Temperier-Prozesse digital

? Welche Services – neben den Klassikern wie Ersatzteilversorgung und Reparaturen – sind im Kommen?

Schega: Die Digitalisierung von Dienstleistungen gewinnt an Bedeutung. Unter dem Stichwort Connectivity treiben wir die Vernetzung mit den Kunden und ihren Anlagen voran. Daraus ergeben sich auch ganz neue Möglichkeiten für die Wartung: weg von der intervallgebundenen, über die vorbeugende zur vorausschauenden Instandhaltung. Unser Angebot dafür ist reif für den Markt und bei ersten Kunden bereits installiert. Mithilfe von Condition Monitoring und Cloud-Lösungen analysieren wir den Zustand von Wärmetauschern, etwa ihre Fouling-Neigung, und leisten den Service genau an dem Punkt, an dem es notwendig ist.

? Viele Anwendern sehen das Thema Instandhaltung betriebs- oder werksübergreifend. Ihnen widerstrebt es, zahllose Serviceverträge mit diversen Herstellern abzuschließen. Wie tragen Sie zu einer Instandhaltungsstrategie aus einem Guss bei?

Schega: Auch das ist ein klarer Markttrend. Wir stellen uns daher in jüngster Zeit vermehrt als Wartungsberater für komplette Anlagen auf. Dabei steht Produktivität im Fokus, nicht die Apparate von Hersteller A oder B. Wir können dem Kunden ein ganzheitliches Servicekonzept für alle Fabrikate anbieten, angefangen bei der Ersatzteilversorgung über die Optimierung bis hin zu Connectivity-Lösungen. Hohen Stellenwert haben dabei Audits, bei denen wir den Zustand sämtlicher Wärmetauscher vor Ort, beispielsweise mithilfe einer Wärmebildkamera, beurteilen. Sind sie noch gut durchströmt? Gibt es irgendwo Verblockungen? Dazu kommt eine Einschätzung der Kritikalität des Equipments. Auf dieser Basis entwickeln wir das Wartungskonzept, sorgen durch exklusive Lagerung kritischer Ersatzteile für schnelle Verfügbarkeit und minimieren so ungeplante Stillstandzeiten. Der Kunde profitiert von einem einzigen, verlässlichen Wartungspartner immens.

Herr Schega, Herr Stoffers, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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