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Wettbewerbsfähigkeit der Chemie geschwächt Arbeitskosten steigen das vierte Mal in Folge

| Redakteur: M.A. Manja Wühr

Die Gehälter in der Chemieindustrie steigen. Die Produktion hingegen stagniert. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sieht dadurch die Konkurrenzfähigkeit der Branche geschwächt und legt Zahlen vor.

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Bundesarbeitgeberverband Chemie warnt: Steigende Arbeitskosten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Chemieindustrie
Bundesarbeitgeberverband Chemie warnt: Steigende Arbeitskosten schwächen die Wettbewerbsfähigkeit der Chemieindustrie
(Bild: Gerd Altmann / CC0 / http://pixabay.com/en/personal-group-silhouettes-man-360199/ / BY 1.0)

Wiesbaden – Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) sieht die Wettbewerbsfähigkeit der Branche unter Druck und rät zu mehr Kostendisziplin. Grund sind die steigenden Lohnstückkosten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie. So kostete 2014 ein vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer in der Chemieindustrie im Schnitt 84 000 Euro. Das sind 1,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In der ostdeutschen Chemie betrug der Anstieg sogar 2,5 Prozent auf gut 56 000 Euro.

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Laut BAVC sind die Entgelte von 2010 bis 2014 um 12,9 Prozent angestiegen. Gleichzeitig hat sich die Produktivität in diesem Zeitraum im Trend rückläufig entwickelt (minus 4,8 Prozent), denn ein Zuwachs bei der Beschäftigung (plus 7,2 Prozent) ging mit stagnierender Chemie-Produktion einher. Das Produktionsniveau lag im Jahr 2014 nur 2,1 Prozent höher als noch im Jahr 2010. In der Folge sind die Lohnstückkosten massiv in die Höhe geschossen: Sie lagen 2014 um gut 18 Prozent höher als noch im Jahr 2010.

BAVC rät dringend zur Kostendisziplin

2014 kostete in Westdeutschland eine Arbeitsstunde 52,96 Euro – ein Plus von 1,9 Prozent. Bereits im Jahr zuvor hatten sich die Arbeitskosten je Stunde von 50,30 Euro (2012) um deutliche 3,3 Prozent auf 51,98 Euro (2013) erhöht. Die ostdeutschen Chemie-Unternehmen mussten im Jahr 2014 insgesamt 34,33 Euro je Beschäftigtenstunde aufwenden. Dies sind 2,4 Prozent mehr als noch im Jahr davor. Auch hier hatte sich bereits zuvor die Arbeitsstunde von 32,46 Euro (2012) auf 33,52 Euro (2013) um 3,3 Prozent verteuert.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Die westdeutschen Chemie-Arbeitskosten in Höhe von 84 193 Euro für einen Vollzeitbeschäftigten setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Der Bruttojahresverdienst eines Mitarbeiters (63 551 Euro) besteht aus dem Direktentgelt (48 237 Euro), der Vergütung arbeitsfreier Tage für Urlaub, Feiertage und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall (10 527 Euro) sowie den fest vereinbarten Sonderzahlungen (4787 Euro) für Weihnachts- und Urlaubsgeld. Aus Sicht des Arbeitnehmers entspricht der Bruttojahresverdienst dem Wert, den er am Jahresende auf dem Lohnzettel vorfindet.

Für die Unternehmen ist jedoch nicht allein der zu zahlende Bruttojahresverdienst entscheidend, sondern die gesamten durch die Beschäftigung verursachten Kosten. Hier kommen zunächst die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers (10.080 Euro) hinzu. Weiterhin gilt es, die Aufwendungen für die tarifliche und betriebliche Altersversorgung (6.397 Euro) zu berücksichtigen sowie die sonstigen Personalzusatzkosten (4.165 Euro), z.B. Aufwendungen für Aus- und Weiterbildung, Abfindungen oder Kantinenzuschüsse.

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