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VDMA-Studie: Plagiate – Made in Germany Achtung! Produktpiraterie

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Die Zahl der Fälschungen nimmt weltweit zu–Produktpiraterie kostet die betroffenen Unternehmen viel Geld. Dazu kommen monetär schwer zu bewertende Folgen, wie Imageverlust, Verlust des Marktvorsprungs oder ungerechtfertigte Regressanforderungen. PROCESS hat sich mit Steffen Zimmermann, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz im VDMA über die neue Studie und Möglichkeiten zum Schutz gegen Plagiate unterhalten.

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Steffen Zimmermann ist Geschäftsführer der VDMA Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz protect-ing.de und stellte die VDMA-Studie “Security 2014" vor.
Steffen Zimmermann ist Geschäftsführer der VDMA Arbeitsgemeinschaft Produkt- und Know-how-Schutz protect-ing.de und stellte die VDMA-Studie “Security 2014" vor.
(Bild: Ernhofer / PROCESS)

Das Phänomen Produktpiraterie ist für die Industrie mehr als nur eine Herausforderung. So sind der aktuellen VDMA-Studie zufolge mehr als 70 % der befragten Maschinen- und Anlagenbauer von Produktpiraterie betroffen, der Schaden: Knapp 8 Milliarden Euro, allein für das Jahr 2013. Ein Umsatz in dieser Schadenshöhe würde in der Maschinenbauindustrie knapp 38 000 Arbeitsplätze schaffen.

? Herr Zimmermann, was genau ist Produktpiraterie?

Zimmermann: Nicht immer ist der Nachbau von Originalteilen mit Produktpiraterie gleichzusetzen. In vielen Ländern ist der Nachbau an sich noch keine strafbare Handlung. Gefährlich wird es erst, wenn es sich um einen unzulässigen Nachbau handelt. Unter dem unzulässigen Nachbau (hier gleichbedeutend als Produktpiraterie bzw. Plagiat bezeichnet) wird der Nachbau unter Verletzung von Sonderschutzrechten (z. B. Marken, Patente, Design) oder ohne Verletzung von Sonderschutzrechten, aber in wettbewerbswidriger Weise erfolgte Nachbau verstanden. Der Nachbau erfolgt dann in wettbewerbswidriger Weise, wenn neben der Nachahmung zusätzlich noch eine unlautere Handlung eintritt. Diese unlautere Handlung ist in der Regel eine Täuschung über den Hersteller der Originalware (Verwechslungsgefahr) und die damit verbundene Ausnutzung des guten Rufs.

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? In welchen Nationen wird am meisten gefälscht?

Zimmermann: Schaut man, wer denn der typische Fälscher und Plagiateur ist, so zeigen die Maschinen- und Anlagenbauer zuerst nach China. Mehr als 70 Prozent der vom VDMA befragten Unternehmen sind von chinesischen Plagiaten betroffen. Soweit nichts Neues. Wirklich bedenklich ist, dass aber direkt an zweiter Stelle Deutschland mit 23 Prozent folgt. Und diese Entwicklung in Deutschland ist leider nicht neu, sondern ein stetiger Trend seit den ersten Erhebungen des VDMA in 2003.

? Gibt es Qualitätsunterschiede bei Plagiaten?

Zimmermann: Auf jeden Fall. Während bei Plagiaten aus China häufig von minderer Qualität und Funktion gesprochen wird, können die Plagiate deutschen Ursprungs entsprechend dem Studienergebnis durchaus als „Hightech-Plagiate“ bezeichnet werden.

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