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Bosch Packaging ist Vergangenheit Zeitenwende in Waiblingen: Wie aus Bosch Packaging Syntegon wird

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Mit dem gestrigen Tag ist Bosch Packaging endgültig Vergangenheit. Unter dem neuen Namen Syntegon ist ein Unternehmen an den Start gegangen, das einst als Bosch Verpackungstechnologie die Wiege des schwäbischen Packaging Valley war und sich nun neu erfinden will.

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Neuer Name, bekannte Gesichter( v.l.nr.) Patrick Löffel (Presse), Uwe Harbauer (Geschäftsführer Pharma), Stefan König (Vorstandsvorsitzender), Clemens Berger (Geschäftsführer Food), Dietrich Birk ( Geschäftsführer, VDMA Baden-Württemberg).
Neuer Name, bekannte Gesichter( v.l.nr.) Patrick Löffel (Presse), Uwe Harbauer (Geschäftsführer Pharma), Stefan König (Vorstandsvorsitzender), Clemens Berger (Geschäftsführer Food), Dietrich Birk ( Geschäftsführer, VDMA Baden-Württemberg).
(Bild: Pharmatec)

Waiblingen - Seit Anfang des Jahres ist die Katze aus dem Sack. Aus Bosch Packaging Technology wird Syntegon und damit verschwindet ein weiterer Traditionsname des deutschen Pharma- und Verpackungsmaschinenbaus. Als 1969 die Robert Bosch Apparatebau GmbH gegründet wird, die später in Bosch Packaging Technology umbenannt wird, ist das die Keimzelle des Packaging Valleys, wie die schwäbische Verpackungshochburg um Crailsheim, Schwäbisch Hall und Waiblingen in Anlehnung an den Hightech-Standort in Kalifornien genannt wird.

Neue Zeitrechnung für Bosch Packaging

Jetzt ist 2020 und für Mitarbeiter und Vorstand beginnt eine Zeitenwende. Die Flaggen vor dem Firmengebäude in Waiblingen tragen bereits den neuen Schriftzug Syntegon und auch sonst steht für die neue Corporate Identity alles bereit. Mit einem Big Bang hat nämlich am 16.01.2020 ein Markenprozess begonnen, der sicher für lang gediente Mitarbeiter schmerzhaft sein wird, aber Konsequenz des Verkaufs an die Private Equity Gesellschaft CVC Capitals ist. Schließlich geht es nicht nur um einen neuen Namen, sondern um eine Wachstumsstory, welche die Renditeerwartungen des neuen Besitzers erfüllt.

Endgültig abgenabelt von der Mutter

Das Vorstandsteam um Stefan König hat sich bislang nicht geändert. Flankiert von Pharmageschäftsführer Uwe Harbauer und Food-Geschäftsführer Clemens Berger, spult König routiniert die Powerpoint-Präsentation herunter. Der 2018 begonnene Verkaufsprozess sei komplett im Zeitplan gewesen und mit dem Closing am 2. Januar 2020 abgeschlossen. Kunden und Mitarbeiter hätten dem Konzern die Treue gehalten und man sei sogar leicht gewachsen, betont König.

Jetzt habe man eine eigene IT und ein eigene HR-Abteilung. Der Vorstandschef hebt vor allem die neue Eigenständigkeit hervor, die flexiblere und schnellere Entscheidungen ermögliche.

Rund 6.100 Mitarbeiter an 30 Standorten in über 15 Ländern erwirtschafteten im Jahr 2019 einen Umsatz von 1,3 Mrd. Euro, verweist er auf die Fakten.

Das Geschäfts sei hochgradig international: Die Umsätze verteilten sich zu je einem Drittel auf Europa, Asien und Nordamerika. Wachstumsmarkt sowohl für Pharma als auch für Food-Maschinen seien die Schwellenländer, allen voran der Millionenmarkt China.

Grün steht für Nachhaltigkeit

Und wofür steht das Kunstwort Syntegon? Für Synergie, Technologie und Zukunftsorientierung, erklärt König. Die neue Unternehmensfarbe Grün betone die Bedeutung von Nachhaltigkeit und Gesundheit. Das Quadrat im neu gestalteten Logo symbolisiere den Produktschutz durch Verpackungstechnik.

Das neue Mission-Statement lautet "Prozess- und Verpackungstechnik für ein besseres Leben" und erinnert damit an das von Bosch oder Bayer, die mit "Technik fürs Leben" bzw. "Science for a better Life" im Markt unterwegs sind. Die Unternehmensvision: Intelligente und nachhaltige Lösungen für jeden, bedeute, erklärt König, dass man auch kleine und mittelständische Unternehmen noch stärker ins Visier nehmen wolle. Das Trendthema Nachhaltigkeit in der Verpackung soll ein weiterer Schwerpunkt werden - auch auf der Interpack - werden und im Pharmabereich will Harbauer den Systemgedanken durch neue Lösungen weiterentwickeln. Man werde doch noch sehr stark als Sondermaschinenbauer wahrgenommen.

König will das Servicegeschäft ausbauen

Stärken will der Vorstand auch den Service-Bereich, der momentan ein Drittel des Umsatz ausmache, wie König auf Nachfrage erklärt. Größere Umbrüche, wie Standortverlagerungen sind Königs Aussage nach momentan nicht zu erwarten. In die Firmenzentrale Waiblingen wird sogar investiert: in ein Kunden- und Technologiezentrum. Weitere Standorte wie Crailsheim, Schopfheim, wo die Prozesstechnologie um Hüttlin sitzt oder Dresden, hier ist das Planungsunternehmen Pharmatec beheimatet, sollen bleiben wie sie sind. Hier säße der Know-how der Mitarbeiter.

Wo es 2020 hingehen soll, ist wohl noch unklar. Über Umsatzziele will der Vorstandschef König nichts sagen. Im Pharmageschäft, soviel macht er deutlich, will er zumindest mit dem Markt wachsen, der momentan jährlich zwischen drei und vier Prozent zulegt. Auch die Aussichten im Nahrungsmittelbereich beurteilt er positiv und hofft, dass von dem Investitionsstau, der sich bei größeren Konzernen angesammelt hat, Aufträge bei Syntegon landen.

Und wie ist die Zusammenarbeit mit dem neuen Inhaber? Man schätze die kurzen Entscheidungswege einer Private Equity Gesellschaft, sagt König. Größere Differenzen habe man bisher nicht festgestellt.

Also alles wie bei Bosch, nur ein bisschen besser.

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