Suchen

Eine Marke der PROCESS Gruppe

Tablettencoating

Wie Weiterentwicklungen von Lacken, Düsen und Coatern die Qualität von Tabletten verbessert

| Redakteur: Manja Wühr

Sie bilden die wesentlichen Elemente des Tablettencoatings: Lack, Düse und Coater. Auf dem diesjährigen Presse-Roundtable Coating in Paderborn zeigte sich, dass die stetige Optimierung nicht nur den Prozess beschleunigt und flexibler macht. Sie zahlt vor allem auf die Qualität der beschichteten Tabletten ein.

Firmen zum Thema

Demonstration des Coating-Prozesses im Lödige-Technikum
Demonstration des Coating-Prozesses im Lödige-Technikum
(Bild: PROCESS/Wühr)

Die bittere Pille muss man heutzutage nur noch im übertragenen Sinne schlucken – Coating sei Dank. Neben der Geschmacks- oder Geruchsmaskierung, der Verbesserung der Schluckbarkeit, der Kontrolle der Wirkstofffreigabe und dem Schutz der Tabletten kann die Beschichtung dank Farbe, Glanz und Haptik auch ein Teil der Marke sein. Somit hat die Qualität des Coatings entscheidenden Einfluss auf die Qualität des Endproduktes. Ein Grund mehr für Lödige und deren Partner auf dem diesjährigen Fachpresse-Roundtable Coating Fachjournalisten umfassende Informationen zum Trendthema Tabletten-Coating zu präsentieren.

Bildergalerie

Bildergalerie mit 12 Bildern

Kontinuierlich Coaten mit dem richtigen Lack

Kontinuierliche Herstellungsprozesse versprechen nicht nur höhere Durchsatzraten in der Arzneimittelproduktion. Sie erhöhen vor allem die Qualität der Produkte. Schließlich kann der Prozess direkt gesteuert werden, sollten kritische Betriebsparameter nicht mehr den Vorgaben entsprechen. Was für die Pharmaproduktion im Allgemeinen gilt, lässt sich auch auf den Coatingprozess übertragen. „Eine Eigenschaft, die der kontinuierliche Coatingprozess anstelle von Batchprozessen bietet, ist eine schnellere und häufigere Vorlage der Tabletten in der Sprühzone. Das führt zu kürzeren Durchlaufzeiten, um eine einheitlich deckende Beschichtung zu erzielen“, erklärt Dr. Ali Rajabi-Siahboomi, Vice President & Chief Scientific Officer, Colorcon. Aber damit ein effizienter kontinuierlicher Coatingparozess etabliert werden kann, kommt es nicht allein auf die verwendeten Prozessanlagen an, sondern auch auf die Formulierung des Lackes.

Speziell für kontinuierliche Coatingprozesse hat Colorcon mit Opadry QX einen einen schnell und flexibel zu verarbeitenden Lack entwickelt. Clou: Der Lack kann mehr Feststoffe aufnehmen. Wo das Standardprodukt Dispersionen zwölf Prozent Feststoffgehalt erzielt, kommt Opadry QX auf 30 Prozent. Aufgrund des höheren Feststoffgehalts gelangt weniger Wasser in den Prozess, das nach dem Coaten wieder verdampft und abgeführt werden muss. So verkürzt sich laut Dr. Peter Roerig, Regional Sales Manager bei Colorcon, die Befilmungszeit um mehr als 50 Prozent. Ein weiterer Vorteil des neuen Lackes ist das breite Spektrum der Verarbeitungstemperatur von 30 bis 50 °C. Nun können auch temperaturempfindliche Produkte gecoatet werden.

Die Düse macht den Unterschied

Bei Coatingprozessen ist ein gewisser Anteil an Sprühtrockung kaum zu verhindern. Die entstandenen Staubteilchen legen sich u.a. auf herkömmlichen Flachdüsen ab. Die als Bearding bezeichneten Produktablagerungen können die Qualität des Sprays beeinflussen, da der Produktaufbau die Luftkanäle verstopft. So werden immer wieder Unterbrechungen des Prozesses aufgrund von Reinigungsarbeiten an der Düse notwendig. Um diesem Bearding entgegenzuwirken, hat Düsen Schlick die „Anti-Bearding-­Cap“ (ABC) entwickelt. Sie minimiert Turbulenzen im Bereich der Luftkappe sowie der Düsenmündung. Umströmende Staubpartikel können wesentlich besser ferngehalten werden als von einer herkömmlichen Flachstrahlkappe.

Zudem wurde die ABC mit Tablettenlacken getestet und ist für Labor- und Produktionscoater sowie auch für Bench-Coater erhältlich. Dabei eigenen sich die ABC-­Kappen auch für das Upscaling der Produktionsparameter – vom Tischgerät über Laboranlagen bis hin zur Produktion. Außerdem hat Schlick je eine Produktionsdüse für Anlagen mit gemeinsamer bzw. getrennter Formier- (PA) und Zerstäubungsluftregelung (AA) entwickelt, um alle Produktionsanlagen mit der neuen Kappe ausstatten zu können.

Wissen ist Wettbewerbsvorteil Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter „rund um das Thema Pharma“.

Optimierte Luftführung im Coater

Neben der Formulierung des Lackes und der Qualität des Sprays hat die Luftführung entscheidenden Einfluss auf Coatingprozess. Schließlich soll die warme Luft die beschichteten Tabletten schnell trocknen. Herkömmliche Luftführungs-Systeme bergen das Risko von Verwirbelungen. Diese können zum einen zu Sprühtrocknung und damit verunreinigten Düsen und Fehlern auf den Filmtabletten führen. Zum anderen führt eine ungleichmäßige Luftführung zu einer ungleichmäßigen Temperaturverteilung in der Trommel. In den „kalten Zonen“ trocknen die befilmten Tabletten schlecht. Damit besteht beispielsweise die Gefahr von Lackabrissen oder Zwillingsbildungen.

Diesem Problem haben sich die Ingenieure von Lödige angenommen und die Luft einfach mal um die Coatingtrommel herumgeschickt. Genauer gesagt tritt die Luft mit hoher Geschwindigkeit aus dem Verteilerrohr aus und umkreist die Coatertrommel. Damit die Zuluft nicht mit hohen Geschwindigkeiten in die Trommel eintritt, steht oberhalb des Düs­armbereiches eine große Oberfläche für den Eintritt in den Innenbereich der Trommel zur Verfügung. Dadurch wird eine laminare Strömung im Trommelinneren erzielt. Um dabei mögliche Turbulenzentwicklungen im Bereich des Sprühkegels zu vermeiden, ist für einen Teil der Trommel zusätzlich eine Abdeckung oberhalb des Abluftschuhs vorgesehen.

Die Temperatur der Bettoberfläche über die Länge der Trommel muss möglichst gleichmäßig sein. Eine gute Verteilung des Luftstromes beim Eintritt in die Trommel über die gesamte Länge hat auch eine gleichmäßige Temperaturverteilung über das gesamte Tablettenbett zur Folge. „Das Ergebnis unserer Entwicklungsarbeit ist ein deutlich kürzerer Filmcoatingprozess in einem vollperforierten Trommelcoater. Gleichzeitig erzielen wir nun gleichbleibend optimale Coatingergebnisse in Bezug auf Prozess- und Tablettenqualität sowie Verschmutzung“, ist Lödige-­Produktmanager Torsten Meinel-­Dirumdam überzeugt.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45952195)