PLT-Engineering Wie PLT-Engineering-Spezialist Rösberg Engineering die Zukunft gestalten will

Von Anke Geipel-Kern

Seit 60 Jahren gilt Rösberg als Hidden Champion im PLT-Engineering. Paul Rösberg will nun in der dritten Generation dafür sorgen, dass das so bleibt. Der junge Firmenchef führt Traditionen fort, hat aber auch viele neue Pläne. Wie er das Familien-Unternehmen für die Zukunft aufstellen will, hat er im Exklusiv-Interview der PROCESS erzählt.

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Paul Rösberg, Geschäftsführender Gesellschafter Rösberg Engineering
Paul Rösberg, Geschäftsführender Gesellschafter Rösberg Engineering
(Bild: Rösberg Engineeering)

Es soll sie ja geben, diese Firmenpatriarchen. Sie kleben auf ihrem Stuhl und denken nicht an Rückzug aus ihrem kleinen Imperium. Bei Rösberg Engineering läuft das völlig anders und das hat durchaus Tradition. Schon der Übergang vom Gründer Manfred Rösberg auf Sohn Ralph hat sich reibungslos vollzogen und bei Paul Rösberg setzt sich das fort: Ein Jahr Interimszeit und dann ein geräuschloser Rückzug des bisherigen Firmeninhabers, der die Geschäfte 2021 an den Sohn übergibt.

Seit einem Jahr hat der junge Firmenchef nun – gemeinsam mit seiner Tante Ute Heimann – die Verantwortung für die Strategie des Automatisierungs-Spezialisten. Eine Familienentscheidung sei die Übergabe gewesen, betont er und spricht von umfangreichen Vorbereitungen, sodass er gut in seine neue Aufgabe gestartet sei.

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Tatsächlich ist seither allerhand passiert in dem Familienunternehmen: Karlsruhe ist immer noch die Zentrale, doch das Gewicht der Standorte hat sich über die Jahre verändert, mittlerweile ist Ludwigshafen der größte Engineering-Standort. „Von dort betreuen wir Projekte deutschlandweit,“ sagt Rösberg. Weitere Engineeringcluster sind Schwarzheide und Rheinfelden, die an den regionalen Chemiestandorten siedeln und dort nah an den großen Kunden sind.

Flache Hierarchien für schnelle Entscheidungen

Mit einer dezentralen, an Wertschöpfungsbereichen orientierten Struktur und der Organisation in Businesszellen hat Rösberg die traditionelle, standortgebundene Arbeitsweise aufgebrochen und die Engineeringspezialisten flexibler gemacht. Hierarchien wurden abgebaut. Jetzt gibt es nur noch die Geschäftsführung und die Leiter der Businesszellen, die autonom agieren und nicht mehr jede Einzelentscheidung von der Geschäftsführung absegnen lassen müssen.

Statt zwei gibt es nun sieben Geschäftsfelder, was das Risiko streut und in schwierigeren Zeiten Stabilität verschafft. Und die Aufgabenteilung hat sich geändert: Nach wie vor betreuen Teams an den Standorten betriebsnahe Planungsthemen wie Site Engineering oder Funktionale Sicherheit. Doch die Zahl der Investionsprojekte, in die Rösberg eingebunden ist, steigt. „Wir sprechen mit dem globalen Engineering der Chemiekonzerne und haben bei PLT-Projekten einen guten Ruf bei den Generalplanern“, berichtet der Firmenchef.

Das liegt zum einen am fundierten Know-how, das man sich über die Jahrzehnte erarbeitet hat, aber auch daran, dass Rösberg mit Prodok über ein eigenes Planungstool verfügt – ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Marktbegleitern. Den neuen Anforderungen entsprechend gibt es hier Teams, die ausschließlich Neubauprojekte betreuen und Remote über Standorte hinweg gemeinsam zusammen arbeiten. Corona hat diesen Umstand weiterbefördert und gezeigt, was alles geht.

„Die Umstrukturierung hat uns schneller gemacht. Zusätzlich konnten wir in den letzten Jahren zweistelliges Umsatzwachstum verzeichnen“, betont Rösberg. Auch die Zahl der Mitarbeiter hat sich erhöht: 150 Menschen, der Großteil Ingenieure, gehören mittlerweile zum Team. Und weiteres, organisches Wachstum ist geplant. Zehn bis zwanzig Prozent sind das Ziel. Rösberg geht es nicht darum, unbedingt größer zu werden sondern um Balance: „Wir wollen ein Wachstum, das uns nicht überfordert, aber Prozesse robuster macht.“ Stichwort „Demographischer Wandel“: Erfahrene Kollegen werden in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Deren Know-how gilt es zu transferieren, damit keine Lücken entstehen.

Nachhaltigkeit bedeutet Verantwortung

Natürlich hat der Firmenchef die großen Themen der Zeit im Blick: Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Wie viele seiner Generation beschäftigen ihn die Fragen nach einer nachhaltigen Gestaltung des Unternehmen und der gesellschaftlichen Verantwortung. Einen ersten Schritt in Richtung Klimaneutralität ist er bereits gegangen und hat sich mit dem Unternehmen Planetly zusammengetan, um den CO2-Fußabdruck zu messen und reduzieren. Mittlerweile sei der CO2-Fußabdruck ausgeglichen und das Ziel Klimaneutralität erreicht, betont Rösberg.

Die Tatsache, dass das Projekt zeitgleich mit der Lieferantenqualifizierung eines Kunden aus der Spezialchemie stattfand, hat ihn in seiner Meinung bestärkt: „Für uns ist das eine Investition in die Zukunft. Wir können das Thema CO2-Fußabdruck jetzt, da es noch kein Muss ist, aktiv vorantreiben. Meiner Überzeugung nach, wird der Druck auf die Zulieferer mit dem neuen Lieferkettengesetz zunehmen.“

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Die andere Frage die ihn umtreibt: „In welche Projekte stecken wir unsere Kapazitäten, wo setzen wir unsere Prioritäten.“ Ziel sei, sich vermehrt in Projekten zu engagieren, die Schadstoffe verringern und auf die Decarbonisierung einzahlen. „Im Sinne der Nachhaltigkeit priorisieren wir einen Teil unserer Ressourcen für klimapositive Projekte in der Prozessindustrie“, betont er.

Die Zahl entsprechender Vorhaben werde größer: Wasserstoffprojekte und solche zur Automatisierung von Elektrolysekesseln sind bereits in Arbeit, auch beim Thema CO2-Abscheidung sieht der Firmenchef großes Potenzial. Das alles werde noch deutlich an Dynamik gewinnen und die Rösberg-Ingenieure wollen mit dabei sein.

Auch Digitalisierung ist natürlich ein Riesenthema, sowohl intern wie extern. „Wir wollen Kunden eine pragmatische und umsetzbare Digitalisierungslösung bieten – im Gegensatz zu großen Digitalisierungsprojekten die Millionensummen verschlingen“, erklärt Rösberg. Es gehe darum, mit bestehenden Lösungen den Implementierungsaufwand beim Kunden gering zu halten.

Die Chancen dafür stehen gut. Immerhin ist das PLT-CAE-Planungstool Prodok mehr als 1000 mal installiert und bietet mit der nächsten Generation von Prodok Möglichkeiten, die weit über die Planung hinausgehen, z. B. in Hinblick auf Modularisierung, Integration in verschiedene Systemlandschaften, Datenbanken, Cloud-Anwendungen und ERP-Systeme. Standardschnittstellen sind natürlich inbegriffen, anders wäre die Systemunabhängigkeit der Software auch gar nicht möglich.

Große Chancen schlummern in der Datenbasis, die sowohl das Engineeringsystem als auch das Dokumentationssystem Livedok während Planung und Betrieb sammelt. „Wir diskutieren ganz intensiv mit unseren Kunden, wie wir Mehrwert aus diesen Daten schöpfen können“, erzählt Rösberg. Schnell entwickelt und programmiert sind z. B. webbasierte Apps mit Auswerteprogrammen, die für definierte Used Cases konzipiert sind und über das Rösberg Control Center angedockt werden können.

Der Fokus liege momentan auf den Webservices. Das Dokumentationssystem Livedok gibt es bereits als webbasierte Version und weitere sollen folgen. Mit solchen Ideen will man auch verstärkt bei den KMUS punkten, wo man Offenheit und Flexibilität für kleinere Digitalisierungsprojekte erwartet.

Auf die Integration neuer Technologien zielt auch das Engagement im „WIR!“-Bündnis. Hier geht es u. a. darum, das Potenzial von Augmented und Virtual Reality-Lösungen auszuloten.

Wenn sich Mittelständler zusammentun

An einer spannenden Weiterentwicklung ist Rösberg gemeinsam mit X-Visual dran. Ebenso wie der PLT-Spezialist ist das Berliner Unternehmen mittelständisch sowie unternehmergeführt und hochspezialisiert auf die Entwicklung von Engineering-Software zur P&ID-Erstellung für die Prozessindustrie. Beide wollen die bisher getrennte Welten zwischen der Verfahrenstechnik und der Prozessleittechnik verbinden. Clou dabei ist ein P&ID-Modul in Prodok mit einer Standardschnittstelle zum PLT, wodurch der Datenaustausch zwischen P&ID- und PLT-Engineering kinderleicht wird. Mitte des Jahres soll das Produkt marktreif sein.

Und wo geht die Reise sonst noch hin? Rösberg will das Unternehmen weiter diversifizieren. Während der Corona-Pandemie habe man sich intensiv mit weiteren Branchen beschäftigt: Pharmaindustrie, die kritische Infrastruktur also Gas-, Wasser- und Stromversorgung – hier schlummert noch Potenzial für die PLT-Spezialisten. Flüssiggas und Wasserstoff seien Bereiche, die an Bedeutung noch zunehmen. Kunden und Projekte gibt es bereits. Livedok wird mittlerweile auch in der Fertigungsindustrie eingesetzt.

Mit dem digitalen Workflowsystem Plant Assist Manager, ideal für chargenbasierte Prozesse, hat Rösberg bereits einen Fuß in der recht krisenfesten Pharmaindustrie. Das PAM-System kennt Paul Rösberg übrigens, wie die viel zitierte Westentasche, hat er doch das Tool nach seinem Einstieg ins Unternehmen einige Jahre als Produktmanager betreut und maßgeblich in den Branchen positioniert. Gute Voraussetzungen also, um das Unternehmen in Richtung Zukunft zu steuern. n

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