Raffinerie-Großbrand Wie Linde einen zerstörten Unipetrol-Steamcracker wieder aufbaut

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Am 13. August 2015 kam es auf dem Betriebsgelände von Unipetrol im tschechischen Litvinov zu einer Ausnahmesituation. Unregelmäßigkeiten an einem der Notfall-Sicherheitsventile innerhalb eines Steamcrackers, führten zu einem Großbrand. Erst nach fünf Stunden konnte das Feuer gelöscht werden. Doch die Rettung für die Raffinerie kam schnell: Bereits drei Tage nach dem Vorfall waren Experten von Linde vor Ort, um den Wiederaufbau des zerstörten Steamcrackers einzuleiten.

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(Bild: Linde)

Litvinov/Tschechien – Während sich die Situation in der nordböhmischen Stadt Litvinov beruhigte, in deren Nähe der Chemiekomplex liegt, und die Raffinerie-Mitarbeiter die Schäden beurteilten, wurde bereits ein Plan für den schnellen und sicheren Wiederaufbau der beschädigten Produktionseinheiten erarbeitet. „Als wir von dem Unfall durch die Medien erfuhren, boten wir Unipetrol sofort unsere Hilfe an, um die entstandenen Schäden wieder zu beheben“, sagt Detlef Kracht, Projektleiter bei Linde Engineering in Dresden.

Zwar hat Linde den Steamcracker aus dem Jahr 1980 nicht gebaut, aber 2007 eine Modernisierung an diesem durchgeführt. Insofern kannten Kracht und sein Team die Anlagenteile bis ins Detail. Und auch weitere Projekte haben die beiden Unternehmen gemeinsam gestemmt. Das war zweifellos ein Grund, warum Unipetrol Linde mit der Schadensbewertung im September betraute und dann Anfang Oktober 2015 mit dem EPC-Paket (technische Planung, Beschaffung und Bau) beauftragte, um die wesentlichen Einheiten der beschädigten Anlage wiederaufzubauen. „Bereits drei Tage nach dem Unfall – die Löscharbeiten waren gerade eingestellt – konnten wir uns die Lage vor Ort ansehen“, erinnert sich Kracht.

Ausgeklügeltes Sicherheitskonzept

Mehrere Firmen waren darin involviert und mussten sowohl von Unipetrol als auch von Linde Engineering koordiniert werden. Nur wenn die Konzepte und Terminpläne exakt abgestimmt sind, lässt sich ein reibungsloser Arbeitsablauf gewährleisten. Die größte Herausforderung war jedoch die Entwicklung und Koordination der Anlagensicherungs- und Sicherheitsanforderungen, damit alle Personen sicher vor Ort arbeiten können. „Es ging darum, sichere Anlagenzustände herzustellen, beispielsweise schützende Gerüste aufzubauen, einsturzgefährdete Bereiche abzusichern, stromführende Kabel zu eliminieren und Leitungen frei von Kohlenwasserstoffen zu bekommen“, erklärt Kracht. „Der Anlagenzustand und die Arbeitsbedingungen müssen vor jedem Schritt genau überprüft werden und es läuft auch wesentlich mehr parallel ab als beim Neuaufbau einer Anlage“, so der Linde-Experte.

Insgesamt 50 Mitarbeiter von Linde Engineering arbeiteten vor Ort. Für diesen speziellen Fall wurde ein integriertes Team ganz neu zusammengestellt, das neben Experten aus Dresden auch Mitarbeiter von Unipetrol sowie technische Experten der Versicherungsunternehmen umfasste. „Dadurch hatten wir alle wichtigen Wissensträger an Bord, die ihr umfassendes Knowhow beisteuern konnten“, sagt Kracht. Insgesamt waren über 1000 Personen unterschiedlichster Firmen auf der Unipetrol-Baustelle beschäftigt.

Dass während der Wiederaufbauphase niemand durch einen Unfall zu Schaden gekommen ist, erfüllt den Linde-Experten mit Stolz. Genauso wie die Tatsache, dass Arbeiten sogar vor Ablauf der Terminfrist beendet wurden: Linde benötigte dafür zehn Monate – von der ersten Schadensermittlung im September 2015 bis zur endgültigen Fertigstellung im Juli 2016. Der Abriss der vier beschädigten Öfen und die Übergabe der Fläche für die neu gelieferten Öfen konnte einen Monat früher bewerkstelligt werden. Alle Anlageteile waren eine Woche früher repariert, sodass Unipetrol im Oktober 2016 die Ethylenanlage wieder vollständig in Betrieb nehmen konnte.

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