Interview

Wie Currenta-Chef Hilken den Chempark zu Europas führendem Standort ausbauen will

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PROCESS: Currenta hat „Innovative Werkstoffe“ als Schlüsselthema des Chemparks auserkoren. Haben Sie das Ziel, die Attraktivität für Investoren damit zu steigern, bereits erreicht?

Dr. Hilken: Wir sind Mitinitiator des „Netzwerks Innovative Werkstoffe“. Bereits ein Jahr nach der Gründung ist es auf regionaler Ebene eine Erfolgsgeschichte. Aus den anfangs 31 Mitgliedern sind inzwischen 50 Partner aus Wirtschaft und Wissenschaft geworden – Tendenz weiter steigend. Das Thema bewegt ja viele Branchen, die Automobil- und Medizintechnik genauso wie die Bauindustrie. Daraus haben sich schon mehr als 1000 persönliche Kontakte ergeben. Derzeit laufen interessante Gespräche auch mit chinesischen Investoren.

PROCESS: Bereits im November 2009 hat Currenta mit Nanjing Chemical Industry Park einen Partnerschaftsvertrag geschlossen. Mit welchem Ziel?

Dr. Hilken: Wir wollen Investoren an den Rhein holen. Und dazu gehören auch ganz eindeutig Investoren aus Fernost. Daher sind enge Kontakte zu Chemieparks in China ein Muss.

PROCESS: Was sind Ihre aktuell größten Herausforderungen?

Dr. Hilken: Die beiden Energieversorgungsprojekte in den Standorten Leverkusen und Krefeld-Uerdingen haben die größte Priorität. Darüber hinaus werden wir unsere Infrastruktur weiter effizient ausbauen und das geschieht im Regelfall in Kombination mit Projekten. So trägt das TDI-Projekt in Dormagen maßgeblich dazu bei, dass wir unsere Infrastruktur erweitern, zum Beispiel im Bereich der Kälteversorgung.

PROCESS: ...und langfristig?

Dr. Hilken: Wiederum muss ich hier die Energie nennen. Die Energie ist ein ganz wesentlicher Kostenfaktor für alle Beteiligten am Chemiepark. Wenn wir 20 oder 30 Jahre zurückgehen, nahmen auf der Betriebskostenabrechnung im Regelfall immer die Personalkosten den größten Anteil ein. Das hat sich grundlegend geändert! Die weitere Entwicklung der Energiepreise am Standort Deutschland ist sicherlich von entscheidender Bedeutung. Wir müssen dringend Überzeugungsarbeit leisten, dass eine Gesellschaft auch energieintensive Industrien akzeptiert. Das Thema wird uns sicher die nächsten 10 bis 15 Jahre beschäftigen.

PROCESS: Dazu hat Currenta ja bereits 2008 das Klimaschutzprogramm A++ ins Leben gerufen. Wie profitieren Ihre Kunden davon?

Dr. Hilken: Dank dieses Programmes arbeiten unsere Prozesse effizienter, eben jetzt an der Maßzahl CO2-Emission. Davon profitieren unsere Kunden direkt. Zusätzlich führen wir jede Menge energetische Maßnahmen durch. Hier ist der Know-how-Austausch innerhalb des Chemieparks unbezahlbar.

PROCESS: Infraserv Höchst vermeldete kürzlich, seit dem Bau einer neuen Gasturbinenanlage sei der Industriepark energieautark. Wie autark ist der Chempark?

Dr. Hilken: Für uns war diese Form der Energieautarkie nie ein Ziel. Wir sind selbst Produzent, arbeiten mit Partnern an den Standorten und wir beziehen Strom von außen. Dieses Modell hat sich bewährt und wir sind überzeugt, mit unserer energiewirtschaftlichen Kompetenz, die wir im Hause Currenta haben, die Energieversorgung weiterhin erfolgreich gestalten zu können.

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