Interview

Wie Currenta-Chef Hilken den Chempark zu Europas führendem Standort ausbauen will

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PROCESS: Currenta ist ein 60/40-Joint-Venture zwischen Bayer und Lanxess. Wie üben die Eigentümer ihr Mitspracherecht aus, wenn es um Infrastukturprojekte oder Neuansiedlungen geht?

Dr. Hilken: Generell unterstützen unsere Anteilseigner unsere Politik. Sie profitieren von den effizienten Strukturen und einer hohen Auslastung. Natürlich wäre der eine oder andere vielleicht nicht so glücklich, wenn ein Wettbewerber sich im Nachbarhaus ansiedelt. Hier muss man im Einzelfall entscheiden: Kooperationen – selbst zwischen Wettbewerbern – sind in der Chemie heute gang und gäbe, und wenn es eine Win-to-Win-Situation für alle gibt, steht selbst ungewöhnlichen Ansiedlungen nichts im Weg.

PROCESS: Welche Produktionsstätten sind zukünftig besonders interessant für den Chempark?

Dr. Hilken: Derzeit sind hier 70 Firmen etabliert. Ein großer Teil davon orientiert sich an dem stofflichen Verbund und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten, wie es bei der bereits erwähnten Kemira-Ansiedlung der Fall ist. An allen drei Standorten betreiben wir eine Chlorchemie, die von den Stoffströmen natürlich auch sehr interessant ist.

PROCESS: Und wie passt die jüngste Ansiedlung eines Kabelherstellers wie NKT cables dazu?

Dr. Hilken: Wir unterscheiden sicherlich bei der Art der Ansiedlung. Ohne Zweifel ist das Unternehmen NKT cables kein typisches Chemieunternehmen, dennoch gehört es zu einem der größten Ansiedlungserfolge von Currenta. Auf dem 84 000 m² großen Grundstück wurden Gebäude und Anlagen für die Fertigung von Hochspannungs- und Spezialkabeln sowie die Verwaltung für etwa 120 Mio. Euro errichtet. Dies ist aber kein Problem, wenn man sich den Standort Leverkusen genauer anschaut. Dieser besteht aus einem harten Chemieteil und der Fläche, in der sich beispielsweise die Entwicklung von Pharmaverpackungen, Anwendungstechnik, das Ausbildungszentrum etc. befindet. Dort ist auch Raum für chemieferne Industrie.

PROCESS: Verfügt der Chempark noch über ausreichende Flächen für Neuansiedlungen?

Dr. Hilken: Zunächst einmal: Wenn zusätzliche Flächen erforderlich sind, sind wir sehr flexibel, innerhalb des Chemparks auch Unternehmen zu verlagern. Darüber hinaus gibt es mehr Freiflächen, als es den Anschein hat, da heute in Europa sehr viel kompakter gebaut wird als noch vor einigen Jahren. Wenn wir es schaffen, diese Flächen zu füllen, könnten wir weitere zehn- bis fünfzehntausend Arbeitsplätze schaffen.

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