Vom Lieferanten zum Gashersteller

Westfalen startet mit Partnern CO2-Fertigung in Höchst

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Diese beinahe symbiotische Beziehung funktionierte bis zur Wirtschaftskrise hervorragend. Doch als die Chemieindustrie mangels Nachfrage die Produktion von Basischemikalien und Kunststoffvorprodukten drosselte, ging auch die verfügbare Menge CO2 schlagartig zurück. Die Gasfirmen standen vor einem Problem: Woher sollten die zusätzlichen Mengen an Schutzgas, Kohlensäure und co. Für ihre Kunden kommen?

Das CO2 kommt von einer nahen Vinylacetat-Produktion
Das CO2 kommt von einer nahen Vinylacetat-Produktion
(Bild: PROCESS)

Verbundstruktur schiebt CO2-Produktion an

Die Lösung: Selber machen. Nah an der Gasherstellung und an möglichen Kunden. Jetzt beziehen die vier Partner Roh-CO2 von einem Celanese Vinylacetat-Werk das lediglich 200 Meter entfernt und über eine Pipeline direkt angebunden ist. Wir recyceln und veredeln ein Abfallprodukt und sorgen für seine Wiederverwendung“, beschrieb Projektleiter Heinz Gausling von der Westfalen AG den Umweltnutzen.

Auch Celanese profitiert von der Kooperation: „Unsere Vinylacetat-Produktionsanlage im Industriepark Höchst gehört zu den größten ihrer Art. Durch die Anbindung an die neue Kohlendioxid-Anlage können wir die CO2-Luftemissionen unserer Vinylacetat-Produktion weitgehend reduzieren und ermöglichen zudem eine wertschöpfende Wiederverwendung“, betonte Arno Rockmann, Standortleiter von Celanese in Frankfurt und Technischer Geschäftsführer der Celanese Chemicals Europe GmbH. „Eine klassische Win-Win Situation.“

Aus Sicht von Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer der Standortbetreibergesellschaft Infraserv Höchst, bestätigt das Projekt einmal mehr die Vorzüge des Industrieparks Höchst, in dem die rund 90 Unternehmen mit ihren Forschungs- und Produktionsaktivitäten ein vielfältiges Netzwerk bilden. „Innovative Projekte mit einem derartigen ökologischen Nutzen lassen sich idealerweise an großen Industriestandorten realisieren, an denen der effiziente Umgang mit Ressourcen zum Tagesgeschäft gehört“, so Dr. Mohr. „Für mich ist das ein Teil des Verbundgedankens – der Eine hat etwas, der Andere kann es verwenden.“

Vollautomatisierte CO2-Produktion im Industriepark Höchst

Gebaut und konzipiert wurde die neue Anlage von Westfalen, einem Anbieter technischer Gase aus dem westfälischen Münster. Eine 200 Meter lange Pipeline transportiert das Rohgas vom Celanese-Standort in das neue Werk. In der Maschinenhalle durchläuft es eine Reinigungs- und Verflüssigungsanlage. Anschließend wird das auf minus 25 Grad abgekühlte CO2 in einen der drei Hochtanks im Freien gepumpt. Jeder Tank nimmt 100 Tonnen flüssiges CO2 auf. Unmittelbar vor den Behältern befindet sich eine Tankwagen-Verladestation, in der autorisierte Fahrer selbständig CO2 tanken können, um es dann zu Großkunden oder den Werken und Lägern der Gashersteller zu transportieren. „Das ist keine Sache der Größe – auch kleine Anlagen sind Möglichkeiten die Verbundstrukturen effektiv zu nutzen“, erklärte Dr. Mohr in Höchst.

(ID:42822906)