Grüne Chemie Wenn aus Sonnenblumen Kunststoff wird

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Forscher versuchen in den letzten Jahren immer mehr Wege zu finden, wie Erdöl und Erdgas für die Herstellung von chemischen Produkten durch nachwachsende Rohstoffe ersetzt werden kann. Das dies sogar mit Sonnenblumen gelingen kann, wollen derzeit mehr als 60 Wissenschaftler im Projekt „Transregio 63 Inprompt“ beweisen. Der Sonderforschungsbereich hat kürzlich zum dritten Mal eine Förderung in Höhe von neun Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft erhalten.

Firmen zum Thema

Magdeburger Projektgruppe des Sonderforschungsbereichs / Transregio 63 mit Prof. Kai Sundmacher (4.v.l.)
Magdeburger Projektgruppe des Sonderforschungsbereichs / Transregio 63 mit Prof. Kai Sundmacher (4.v.l.)
(Bild: Harald Krieg / Universität Magdeburg)

Magdeburg – Vor dem Hintergrund immer knapper werdender fossiler Rohstoffe suchen die Forscher hochschulübergreifend nach effizienten und nachhaltigen Produktionsprozessen, mit deren Hilfe langkettige Kohlenwasserstoffe in Ausgangsstoffe für Farben, Lacke, Arznei-, Wasch- oder Reinigungsmittel umgewandelt werden können. „Die meisten chemischen Produktionsprozesse basieren heute noch immer auf petrochemischen Rohstoffen, also letztlich auf Erdöl, welches langfristig zunehmend teurer werden wird und dessen Verwendung die Umwelt belastet“, erläutert Prof. Kai Sundmacher vom Institut für Verfahrenstechnik der Universität Magdeburg. „Wir wollen an Stelle von Erdöl nun langkettige Kohlenwasserstoffe einsetzen, die aus nachwachsenden Rohstoffen, beispielsweise aus Sonnenblumen, gewonnen werden können.“

Wissen ist Wettbewerbsvorteil Ob Branchennews, innovative Produkte, Bildergalerien oder auch exklusive Videointerviews. Sichern auch Sie sich diesen Informationsvorsprung und abonnieren Sie unseren redaktionellen Branchen-Newsletter „Forschung & Entwicklung in Chemie- und Verfahrenstechnik“.

Um die chemischen Umwandlungsprozesse umweltverträglicher durchzuführen, werden spezielle Katalysatoren eingesetzt. Diese Katalysatoren schwimmen im Reaktionsgemisch und können jedes Rohstoffmolekül zielgerichtet in das gewünschte Produktmolekül umbauen. Allerdings müssen die Katalysatoren nach ihrem Einsatz vom Produkt getrennt werden. Dieses Recycling sei eine große Herausforderung, so Sundmacher, aber aus ökonomischen Gründen notwendig, weil die eingesetzten Katalysatoren aus hochwertigen Metallen, z.B. Rhodium, sowie aus komplexen organischen Strukturen bestehen.

Methodik auf Basis von Simulationen

„Langfristig wollen wir eine Methodik entwickeln, mit der man auf Basis von Computersimulationen die optimale Prozesskonfiguration, die intelligenteste Betriebsführung und das beste Lösungsmittel vorausberechnen kann. Damit könnte man die Prozessentwicklung insgesamt stark beschleunigen und die Experimente so planen, dass man den größtmöglichen Informationsgewinn erzielt“, erklärt Sundmacher, der Magdeburger Koordinator des Projekts. „Die Magdeburger Teilprojekte übernehmen innerhalb des Sonderforschungsbereichs eine wichtige Brückenfunktion, indem sie die chemisch-physikalischen Grunddaten und Teilprozesse in effiziente Produktionskonzepte übersetzen.“

An dem Projekt sind mehr als 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, der Technischen Universitäten Berlin und Dortmund, der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin sowie des Max-Planck-Instituts für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg beteiligt. Das Fördervolumen des Sonderforschungsbereich steigt mit der dritten Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft auf insgesamt 27 Millionen Euro.

(ID:45031361)