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Diskussion auf VDMA-Summit Welche Potenziale bietet Power-to-X dem Maschinen- und Anlagenbau?

Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Power-to-X-Technologien wandeln Strom in synthetische Kraftstoffe, Wärme oder chemische Vorprodukte um und nutzen so den Strom indirekt. Welche Chancenpotenziale damit für den Maschinen- und Anlagenbau als Anbieter und Anwender von effizienten und emissionsmindernden Technologien verbunden sind, diskutierten 70 Experten aus Industrie und Forschung bei dem dritten VDMA Future Business Summit in Mainz.

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Power-to-X: Elektrischer Strom als Basis für andere Energieformen bietet Lösungen für große Anwendungsvielfalt
Power-to-X: Elektrischer Strom als Basis für andere Energieformen bietet Lösungen für große Anwendungsvielfalt
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Mainz – Der dritte VDMA Future Business Summit widmete sich der neuen Szenario-Studie „Power-to-X 2030“. Die Teilnehmer der Konferenz waren sich einig, dass der Maschinenbau die Schlüsselindustrie für den Klimaschutz ist: „Uns war es wichtig herauszuarbeiten, ob Power-to-X einen relevanten Beitrag zur Erreichung der Klimaziele von Paris leisten kann. Denn der Maschinenbau ist der zentrale Lieferant für die Schlüsseltechnologien, sowohl für das ‚Power‘ als auch das ‚X‘“ erklärte Hartmut Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer.

Die Bedeutung und Potenziale von Power-to-X sieht auch Thorsten Herdan, Leiter der Abteilung Energiepolitik im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie: „Die direkte Elektrifizierung mit regenerativ erzeugtem Strom ist nicht für alle Anwendungsfelder unserer Lebenswelt absehbar oder vorteilhaft, man denke beispielsweise an Hochtemperaturprozesse in der Industrie, an die Schifffahrt oder den Flugverkehr. Wir arbeiten an einem Level Playing Field für alle Technologieoptionen.“

Die Optimierung von Energieflüssen über die Sektoren Energie, Industrie, Verkehr, Landwirtschaft und Gebäude hinweg öffne erhebliche Potenziale für die effizientere Nutzung von Strom . „Diese ‚Sektorkopplung‘ beinhaltet sowohl den direkten Einsatz von Strom, als auch den indirekten über Power-to-X“, erklärte Prof. Martin Wietschel, Leiter des Geschäftsfeldes Energiewirtschaft beim Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung ISI.

Orientierung im Dschungel der möglichen Entwicklungen

DIe Experten waren sich einig: Power-to-X ist eine vielversprechende Flexibilitätsoption für die Nutzung, Speicherung und Umwandlung von Strom. Die aktuelle habe aber einen schwerwiegenden Haken: „Die Wechselwirkungen der internationalen Akteure, der Politik, der Märkte aber auch der technische Fortschritt sind nur schwer prognostizierbar für die nächsten Jahrzehnte. Deshalb haben wir mit unserem Projektpartner Fraunhofer ISI zu einem überzeugenden Werkzeug gegriffen: Szenarien statt Prognosen“, sagte Eric Maiser, Leiter des VDMA Competence Center Future Business

Vier Szenarien für alle Eventualitäten

Im ersten Szenario „Harmonie“ beflügelt eine international abgestimmte Klimapolitik Impulse für Technologien, die erneuerbare Energien direkt oder mittels Power-to-X effektiv und effizient nutzen. Im zweiten Szenario „Vielfalt“ bleiben zwar alle Technologie-Pfade für die Erreichung der Klimaziele offen, das verhindert aber eine optimierte Vorgehensweise. Im dritten Szenario „Kupferplatte“ liegt der Fokus auf Direktstromnutzung, die zur Einhaltung der Klimaziele aber nicht ausreicht. Im vierten Szenario „Mauer“ gibt es keine umfassenden globalen Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgasemissionen. Die Industrie optimiert ausschließlich erprobte Energietechnologien und die Politik zielt nur noch darauf, die Folgen des Klimawandels einzudämmen.

VDMA gründet neue Plattform „Power-to-X for Applications“

Einig waren sich die Teilnehmer des VDMA Future Business Summit, dass der Klimaschutz für Gesellschaft und Unternehmen eine zentrale Herausforderung ist, die sich nur im Dialog und mit dem Blick über den eigenen Horizont hinweg meistern lässt. Power-to-X liefert einen wichtigen Baustein dazu. „Die Technologien sind weitestgehend entwickelt, jetzt müssen die Marktreife und die Rahmenbedingungen für Business Cases im Blickfeld stehen“, betonte Maiser.

„Wir gehen davon aus, dass die Power-to-X Technologien dann ihren Markt finden werden. Wir gründen daher die VDMA-Plattform ‚Power-to-X for Applications (P2X4A)‘, um gemeinsam mit Industrie und Wissenschaft an der Realisierung dieser Technologien zu arbeiten. Im VDMA und seinen Forschungsvereinigungen können wir die gesamte Wertschöpfungskette der relevanten Anwendungen bis hinein in die Kundengruppen der Mobilen Arbeitsmaschinen oder der Fahrzeugtechnik abbilden“, erklärte Rauen abschließend.

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