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Sicherheitstechnik Warum Know-how der beste Schutz ist

| Autor: Anke Geipel-Kern

Richtlinien, Normen und viel Hands-on-Wissen gab es für die Teilnehmer auf dem Expertenforum von R. Stahl – Welche Technischen Regelwerke liegen einer Gefährdungsbeurteilung zugrunde? Wie bewertet man das Risiko, das von einem Handy oder einer Pulsuhr ausgeht? Und welche Regeln gelten eigentlich in Nordamerika? Sicherheitsfachleute müssen als Allrounder viele Fragen beantworten können. Die Antworten haben wir für Sie in unserem Beitrag zusammengefasst.

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Impressionen des Stahl Expertenforum vom letzten Jahr in Stromberg: Rund 90 Ex-Schutzexperten trafen sich zum Informationsaustausch.
Impressionen des Stahl Expertenforum vom letzten Jahr in Stromberg: Rund 90 Ex-Schutzexperten trafen sich zum Informationsaustausch.
(Bild: R. Stahl)

IECEx, Atex, NEC, CEC, TGRS, DIN EN, Funktionale Sicherheit, Maschinenrichtlinie – selbst Fachleute geraten in Gefahr, sich im Dickicht der Ex-Schutz- und Sicherheits-Richtlinien, Gesetze, Verordnungen und Normen zu verirren. Kein Zufall also, dass sich viele der Vorträge auf dem Expertenforum des Explosionsschutzspezialisten R. Stahl um genau diese Themen rankten.

Hersteller und Betreiber profitieren von der Normungsarbeit

Die Waldenburger Experten engagieren sich als Hersteller in allen relevanten Normungsgremien und unterstützen die Bestrebungen, unter dem Dach des IEC international einheitliche IECEx-Normen zu schaffen. Allen voran Technikchef Dr. Thorsten Arnhold, der während zweier Perioden als Chairman des IECEx, die Normungsarbeit vorangetrieben hat und überzeugter Verfechter des IECEx-Schemes ist.

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Die von ihm präsentierten Zahlen und Fakten sprechen eine deutliche Sprache: 35 Länder sind Mitglied des IECEx, es gibt 60 Zertifizierungsstellen, 70 Testlabore und 88 985 Konformitätsbescheinigungen sowie Prüfberichte für Geräte. Hersteller und Betreiber haben Arnholds Ansicht nach gleichermaßen etwas von der Arbeit des IECEx.

Während sich für die Hersteller u.a. Kosten und Aufwände für internationale Mehrfachregis­trierungen verringern, verbessert sich für die Betreiber international verteilter Standorte die Verfügbarkeit und Austauschbarkeit von Produkten für explosionsgefährdete Umgebungen und das weltweit.

Nordamerika im Vergleich zum Rest der Welt

Wie hoch die Notwendigkeit immer noch ist, international einheitliche Normen zu schaffen, bestätigt jeder Betreiber spätestens dann, wenn er eine Produktionsstätte in Nordamerika betreibt oder neu einrichten will. Denn allen Bemühungen zum Trotz agieren die Behörden auch hier nach der Devise „America first“. Für elektrische Betriebsmittel und Anlagen, die in explosionsgefährdeten Betriebsstätten zum Einsatz kommen, gilt in den USA der „National Electrical Code“, der (NEC).

Wolfgang Berner, bei R. Stahl Vice President der Business Unit Components & Standards hatte zum Expertenforum reichlich Beispiele mitgebracht, die das untermauern. Das fängt bei den Elektroinstallationen an, wo krumme Maßeinheiten bzw. merkwürdige Steckergrößen, den europäischen EMR-Ingenieuren das Leben schwer machen und hört bei der Zoneneinteilung noch lange nicht auf.

Wer elektrische Betriebsmittel im Ex-Schutzbereich rechtskonform verbauen will, sieht sich mit einem Mix an nationalen Gesetzen, Brandschutzvorschriften (Fire Codes), elektrischen Richtlinien, Produktstandards und Genehmigungsbehörden konfrontiert.

Vor allem letzteres kann unter Umständen eine Herausforderung werden, denn je nach Bundesstaat sind dafür nationale Behörden, Landkreise oder Kommunen zuständig mit dem entsprechend abgestuften Niveau an Fachwissen. Einarbeiten muss man sich auch in das historisch gewachsene Divisionen-System zur Klassifizierung explosionsgefährdeter Bereiche. Das in Europa übliche Zonensystem wird in Nordamerika dagegen eher selten angewendet.

Gefährdungsbeurteilung von mobilen Devices

Dauerbrenner ist das Thema Gefährdungsbeurteilung als Basis für das Explosionsschutzkonzept. Gesetzliche Regelungen finden sich in der Gefahrstoffverordnung und der Betriebssicherheitsverordnung, und hier speziell in den korrespondierenden technischen Regeln (TRGS bzw. TRBS).

In beiden hat es in den letzten Jahren einige Neufassungen gegeben. So etwa in der TRBS 1201-1, welche die Prüfung von Anlagen im Ex-Schutzbereich regelt und hier z.B. die Qualifikation von Prüfpersonal definiert. Als Sorgenkind bezeichnete Dr. Volker Diers, Ex-­Schutzexperte der BASF, die TRGS 725, von der seit Dezember 2018 die aktualisierte Endfassung vorliegt und die offenbar für die Betreiber einige Fragen aufwirft.

Im Kern beschreibt die Technische Regel, welche Anforderungen für MSR-Einrichtungen im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung festzulegen sind. Da MSR bei sehr vielen technischen Einrichtungen zum Explosionsschutz als unterstützende Maßnahme eingesetzt wird, ist das ein echtes Querschnittsthema.

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