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Neuer CEO bei Romaco Warum geht der Romaco-Chef?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Hat die Übernahme des Pharmazulieferers Romaco durch den chinesischen Sondermaschinenbauer Truking Technology ein erstes Opfer gefordert? Warum Romaco-CEO Paulo Alexandre Knall auf Fall das Unternehmen verlässt.

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Jörg Pieper ist der neue CEO der Romaco Holding.
Jörg Pieper ist der neue CEO der Romaco Holding.
(Bild: gerald schilling)

Karlsruhe – Die Übernahme des Pharmazulieferers Romaco durch den chinesischen Sondermaschinenbauer Truking Technology sorgte auf der Interpack 2017 für reichlich Gesprächsstoff. Schließlich war es die erste Übernahme eines deutschen Pharmazulieferers durch einen chinesischen.

Jetzt gibt es bei Romaco einen ersten Abgang: CEO Paulo Alexandre geht ohne Angabe von Gründen und macht Platz für Jörg Pieper, bisher Geschäftsführer der Holding-Tochter Romaco Kilian. Das geht aus einer Pressemeldung des Unternehmens hervor. Alexandre war 2012 an die Spitze der Holding gekommen, ein Jahr nachdem die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) drei Viertel des Unternehmens gekauft hatte.

Noch auf der Interpack hatte Truking-Chef Yue Tang dem Managementteam von Romaco sein Vertrauen ausgesprochen. Im August hatte man während einer gemeinsamen China-Reise gemeinsame Pläne geschmiedet. Man sei sich näher gekommen und habe den Weg für die gemeinsame Zukunft geebnet, hieß es in einer Pressemeldung.

Jetzt scheint der Vertrauensvorschuss aufgebraucht zu sein. Außer einer dürren Dankesfloskel, enthält die Pressemeldung keine weiteren Angaben, auch keine Erklärung zum plötzlichen Ende der Beziehung, was zumindest Uneinigkeit über die Strategie vermuten lässt.

Noch in einer Presseerklärung im Mai 2017, hob Alexandre hervor, Romaco werde unter der Führung Trukings seine unternehmerische Handlungsfreiheit vollständig behalten. Diese Autonomie erstrecke sich über die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung bis zum Customer Service.

In einem Interview mit M&A China/Deutschland Nr. 3/2017 aus dem August 2017 erklärte Truking-CEO Yue Tang dann, wie er sich die Rolle von Romaco künftig vorstelle: Man definiere die Position von Romaco als die Betriebszentrale für Europa und Amerika. Dies umfasse Funktionsbereiche wie Technologie, Fertigung, Marketing, Finanzen und Services.

Romaco will näher an den Kunden

Jetzt setzt Tang offenbar auf Innovation und Services. Mit Asienspezialist und Branchenkenner Jörg Pieper an der Spitze werde sich das Unternehmen auf seine Kernkompetenzen besinnen und die Innovationskraft seiner sieben Marken gezielt vorantreiben, erklärte Tang nun beim Weggang von Alexandre.

Der neue CEO leitet die Bereiche Sales & Customer Service, Produktmanagement, Marketing sowie die internationale Strategieentwicklung. Unter seiner Führung soll Romaco offenbar näher an die Kunden rücken und besseren Service bieten. Perspektivisch will das Unternehmen, „Kundenbedürfnisse weltweit antizipieren, um schnell und flexibel auf die Anforderungen des Markts reagieren zu können.“

Pieper tritt seinen Posten mit sofortiger Wirkung an. Der neue Chef kennt Romaco seit 2011. Als Vice President Customer Service hat er zuerst den Kundendienst für die gesamte Unternehmensgruppe aufgebaut und ist seit 2013 Geschäftsführer beim Tablettenpressenhersteller Romaco Kilian.

Truking wurde im Jahr 2000 gegründet und beschäftigt heute circa 2600 Mitarbeiter. Der chinesische Sondermaschinen erwirtschaftete 2016 mit Technologien zur Verarbeitung und Abfüllung von sterilen und nicht sterilen pharmazeutischen Flüssigkeiten einen Jahresumsatz von rund 154 Millionen Euro. Mit dem Kauf der Romaco Holding expandiert Truking nach Europa, was Teil der „Strategie 2025“ ist. Tangs erklärtes Ziel ist es, bis zum Jahr 2025 Verkaufserlöse in Höhe von mindesten 20 Mrd. RMB erzielen – nicht weniger als 10 Mrd. RMB sollen seiner Aussage nach aus dem Geschäft außerhalb Chinas kommen.

Ehemaliges Portfoliounternehmen der deutschen Beteiligungs AG

Die deutsche Beteiligungs AG hatte sich 2011 die Mehrheit an der Romaco Holding gesichert. 2017 sah sich die DBAG am Ziel und verkaufte mit sattem Gewinn an Truking. Als Portfoliounternehmen der DBAG steigerte die Romaco Group ihren Jahresumsatz um knapp 50 Prozent auf zuletzt 134,3 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2016. Im Zeitraum von 2011 bis 2017 wurden vier Transaktionen abgeschlossen, darunter die strategischen Zukäufe der Romaco Kilian, der Romaco Innojet und die Eingliederung der Medipac AB in Romaco Siebler sowie die Verkauf der Romaco-Tochter FrymaKoruma. Außerdem eröffnete die Romaco Group mit Unterstützung der DBAG fünf Sales & Service Center in China, Frankreich, Russland, Brasilien und den USA. Damit hat die DBAG ihre Gesellschafterziele erfolgreich umgesetzt und beendet nach sechs Jahren ihre Beteiligung an der Romaco Group.

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