Circular Economy Warum BASF in der Kreislaufwirtschaft die Zukunft sieht

Autor Anke Geipel-Kern

Im EU-Aktionsplan für die Kreislaufwirtschaft spielt die Chemie eine Schlüsselrolle. Ohne den Beitrag der Branche werden die ehrgeizigen Ziele kaum erreichbar sein. Mit Ideen für die Kreislaufwirtschaft meldet sich nun die BASF zu Wort. Der Konzern arbeitet u.a. an einem Verfahren, das Kunststoffabfälle in Pyrolyseöl umwandelt und plant eine Pilotanlage für das Lithium-Recycling aus Altbatterien.

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Rasmus Kærsgaard (links), Betriebsleiter bei Quantafuel, und Dr. Michael Bachtler (rechts), der am Chemcycling-Projekt der BASF arbeitet, auf einem Rundgang durch die Pyrolyse- und Aufreinigungsanlage von Quantafuel in Skive, Dänemark.
Rasmus Kærsgaard (links), Betriebsleiter bei Quantafuel, und Dr. Michael Bachtler (rechts), der am Chemcycling-Projekt der BASF arbeitet, auf einem Rundgang durch die Pyrolyse- und Aufreinigungsanlage von Quantafuel in Skive, Dänemark.
(Bild: BASF SE)

Kreislaufwirtschaft ist das neue Zauberwort der Chemie und mit ihrem neuen Circular Economy-Programm will sich BASF jetzt an die Spitze der Branche setzen. „Wir sind mit Engagement und viel Kreativität dabei uns eine führende Position in der CO2-neutralen Kreislaufwirtschaft zu erarbeiten“, sagt Dr. Martin Brudermüller, Vorstandsvorsitzender und Chief Technology Officer der BASF. Er ist überzeugt davon, dass „Unternehmen, die Lösungen für die Transformation zur Kreislaufwirtschaft bieten können, künftig über einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verfügen“. Geld will er natürlich auch damit verdienen und bis 2030 den Umsatz mit Lösungen für die Kreislaufwirtschaft auf 17 Milliarden Euro verdoppeln. Für das Jahr 2020 erwartet der Chemieriese einen Umsatz der zwischen 57 Milliarden € und 58 Milliarden liegt.

Wie er sich das vorstellt und welche Maßnahmen der Konzern ergreifen will, erklärte Brudermüller auf der jährlichen Forschungspressekonferenz. Im Zentrum sollen drei Aktionsfelder stehen: Zirkuläre Rohstoffe, neue Materialkreisläufe und neue Geschäftsmodelle.

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Elektromobilität soll die Zukunft sein – aber was passiert mit den Altbatterien?

Einen großen Hebel sieht BASF im Batterierecycling. Die Experten des Chemieriesen schätzen, dass bis zum Jahr 2030 allein in Deutschland mehr als 7 Millionen Elektrofahrzeuge zugelassen sein werden - mit Batterien, die irgendwo hin müssen. Mehr als 1,5 Millionen Tonnen Batteriezellen könnten bis zum Jahr 2030 zusammen kommen - das entspricht Zahlen von Bloomberg zufolge 160 kt Lithium, Kobalt, Mangan und Lithium, die durch Recycling entstehen könnten. Ziel sei es, gebrauchte Batterien sowie Abfallströme aus allen Prozessschritten zu recyceln und eine „Zero-Waste“-Wertschöpfungskette zu schaffen, erklärt BASF-Forscherin Dr. Kerstin Schierle-Arndt.

Noch steht der Recyclingprozess, den die Forscher gerade in den Laboratorien in Ludwigshafen entwickeln und der mechanisches und chemisches Recycling kombiniert, am Anfang. Doch schon in zwei Jahren soll in Schwarzheide eine Pilotanlage stehen. Die soll dann batteriefähiges Lithium ausspucken und die schwarze Masse, die nach dem Aufschmelzen der Batterieelektroden entsteht in einen wertvollen Rohstoff verwandeln. Erst im November hat der Konzern in Schwarzheide mit dem Bau einer neue Anlage für Kathodenmaterialien begonnen, die in Elektrofahrzeuge eingesetzt werden. Mit der geplanten Recyclinganlage will man nun den Kreis schließen und heimst dazu auch noch Fördermittel der EU ein für ein„Important Project of Common European Interest (IPCEI).

Ärgernis Verbundkunststoffe – Ist Pyrolyseöl die Lösung des Problems?

Mit einem weiteren Projekt will BASF Plastikmüll in einen chemischen Rohstoff verwandeln. Das Forscherteam um Dr. Christian Lach will im Projekt Chemcyling ein grundsätzliches Problem des Kunststoffrecyclings lösen: Sortenreine Kunststoffe, wie PET-Flaschen können problemlos geschreddert und wieder zu Parkbänken oder Plastikstühlen werden. Ganz anders ist das bei den Verbundkunststoffen. Bei gemischten Kunststoff-Abfallströmen kann es unmöglich oder ineffizient sein, sie für ein hochwertiges mechanisches Recycling zu sortieren - mit den bekannten Folgen: In der EU werde lediglich ein drittel des eingesammelten Plastikabfalls im Kreislauf geführt, erklärt Lach.

Ein neues Pyrolyseverfahren, das die BASF-Forscher mit dem norwegischen Unternehmen Quantafuel entwickeln, soll aus dem Abfall ein Öl machen, das nach der Reinigung wieder als Rohstoff in den Verbundprozess der BASF eingeschleust wird. Dass chemisches Recycling funktioniert und die daraus entstehenden Kunststoffe qualitativ mit neuen mithalten können, haben die Entwickler mit ersten Prototypen gezeigt: gehörten Mozzarella-Käseverpackungen, transparente Kühlschrankelemente und Perwoll-Flaschen von Henkel. Bis 2022 soll nun gemeinsam mit Quantafuel eine Pilotanlage im norwegischen Kristiansund entstehen.

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