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Wachstumsmotor Digitalisierung

Warum 2018 ein besonderes Jahr für Endress+Hauser war

| Redakteur: Dr. Jörg Kempf

„Wir haben 2018 geerntet, was wir in den Jahren davor gesät haben“, freut sich Matthias Altendorf, CEO der Endress+Hauser Gruppe, über ein äußerst erfolgreiches Projektgeschäft. Rund 20 Prozent des Umsatzes stammen aus kleineren und größeren Projekten.
„Wir haben 2018 geerntet, was wir in den Jahren davor gesät haben“, freut sich Matthias Altendorf, CEO der Endress+Hauser Gruppe, über ein äußerst erfolgreiches Projektgeschäft. Rund 20 Prozent des Umsatzes stammen aus kleineren und größeren Projekten. (Bild: Kempf/PROCESS)

Liest oder hört man aktuell von USA und China, so sind das nicht unbedingt positive Schlagzeilen. Nicht so bei Endress+Hauser: Die Gruppe kann auf ein Jahr zurückblicken, in dem die USA erstmals in der 65-jährigen Firmengeschichte Deutschland als größten Absatzmarkt abgelöst haben. In Lauerstellung: China. Und es gibt noch viele weitere Gründe, warum die People for Process Automation dem Jahr 2018 den Stempel „außergewöhnlich“ aufgedrückt haben.

Knapp 2,5 Milliarden Euro Umsatz, über 230 Millionen Gewinn nach Steuern, ein Wachstum um fast zehn Prozent über alle Branchen, Regionen und Produktbereiche hinweg, und das trotz kräftigen Gegenwinds seitens der Wechselkurse. Soweit die „nackten“ Zahlen, die eindrucksvoll belegen, warum Unternehmenschef Matthias Altendorf guten Grund hatte, seine Ausführungen anlässlich der diesjährigen Bilanzmedienkonferenz in Basel mit der Botschaft zu beginnen: „2018 war ein besonderes Jahr für Endress+Hauser.“ Für wichtige Impulse sorgten dabei u.a. die fortschreitende Digitalisierung, die positive Entwicklung auf den internationalen Märkten  und das Wiederaufleben des Projektgeschäfts insbesondere in der Chemie sowie der Öl/Gas-Industrie. Doch der Reihe nach …

Absatzmärkte: USA die  neue Nummer eins

Die „Big 3“ der Märkte haben sich alle gut entwickelt. Während Good Old Germany einstellig zugelegen konnte, war das Wachstum in den USA und China sogar zweistellig. „Vor allem in Amerika ist es so gut gelaufen, dass die USA nach 65 Jahren Deutschland als unseren größten Absatzmarkt abgelöst haben“, verkündete Altendorf sozusagen einen historischen Moment, um gleich darauf anzufügen: „Und wenn die Entwicklung so weitergeht, könnte bald schon China unsere Nummer eins sein.“ Auch die Entwicklung im restlichen Europa war im vergangenen Jahr sehr gut, in Afrika/Nahost sowie dem asiatisch-pazifischen Raum sogar dynamisch. Insgesamt zahle es sich aus, dass Endress+Hauser früh den Weg der Internationalisierung und Globalisierung gegangen sei, erklärt der Manager. Heute produziert Endress+Hauser in zwölf Ländern, ist in 50 Ländern mit eigenem Vertrieb und in 75 weiteren Ländern mit Repräsentanten vertreten. Längst generiert man weit über 50 Prozent des Umsatzes außerhalb Europas. Vor zehn Jahren sei es gerade mal ein Drittel gewesen, weiß Altendorf.

Aber auch die starke Branchenkonjunktur hat laut Altendorf Ihren Anteil am Wachstum. Fakt ist: Die Prozessautomatisierung insgesamt ist das ganze Jahr über gut gewachsen, so stark wie schon lange nicht mehr. „Hier sehen wir Nachholeffekte nach Jahren mit zurückhaltender Investitionstätigkeit“, so der CEO. Zudem habe sich der Ölpreis soweit erholt, dass die Branche wieder mehr investiert. Tiefe Zinsen und der anhaltend hohe Konsum unterstützten das investitionsfreundliche Klima zusätzlich.

Positive Entwicklung in allen Branchen und für alle Produktbereiche

Was für die Regionen, das gilt auch für die Branchen:  Alle sieben Kernindustrien von Endress+Hauser haben Altendorf zu Folge zum Wachstum beigetragen, vorneweg zyklische Branchen wie Chemie, Öl und Gas oder Grundstoffe und Metalle. Doch auch weniger konjunkturabhängige Sektoren wie Wasser/Abwasser, Lebensmittel und Life Sciences hätten sich stark entwickelt. Gegen Ende des Jahres habe auch der Bereich Kraftwerke und Energie ins Plus gedreht. „Ein so breit abgestütztes Wachstum erleben wir selten!“, konstatiert Altendorf.

Ob Projektgeschäft, Lösungen und Dienstleistungen, Durchflussmesstechnik, Flüssigkeitsanalyse oder Füllstand-, Druck- und Temperaturmesstechnik – auch alle Produktbereiche haben sich gut entwickelt. „In dieser Gleichmäßigkeit ebenfalls außergewöhnlich“, schreibt Altendorf die Erfolgsgeschichte 2018 fort. Im Reigen der Wachstumstreiber besonders hervor hebt der Firmenchef die Prozessanalyse und freut sich: „Die optischen Analyseverfahren haben sich hervorragend entwickelt.“ So etablierte Endress+Hauser im französischen Lyon ein europäisches Support-Zentrum für moderne Analysatoren, und in den jeweiligen Ländern wächst das Netzwerk der Vertriebsspezialisten. Altendorf erhofft sich hiervon weitere Impulse für dieses Geschäftsfeld.

Innovationen fürs digitale Zeitalter

Die People for Process Automation  befeuerten das Wachstum mit einer Fülle an Innovationen. 54 neue Produkte brachte das Unternehmen im vergangenen Jahr auf den Markt. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung kletterten auf 184,2 Millionen Euro, das entspricht 7,5 Prozent des Umsatzes. 287 Entwicklungen meldete das Unternehmen 2018 erstmals zum Patent an. Das Schutzrechte-Portfolio umfasste zum Jahresende nahezu 7800 Patente und Titel. Dass die Digitalisierung dabei alle Bereich durchdringt, beweist der Anteil der Themen wie Industrie 4.0, digitale Kommunikation, Diagnose und Elektronik. Dies machen ein gutes Drittel der neuen Patente aus.

Vom Kleinbetrieb zum Global Player der Prozessautomatisierung

Meilenstein Prozessautomatisierung

Vom Kleinbetrieb zum Global Player der Prozessautomatisierung

08.02.19 - Ging es in den Anfängen der Endress+Hauser-Firmengeschichte vor allem darum, zuverlässige und genaue Messwerte zu produzieren, treibt das Familienunternehmen heute in hohem Tempo die Digitalisierung und Industrie 4.0-Projekte voran. Dabei immer im Mittelpunkt: der Kunde. lesen

Start-ups und Kooperationen sind für Endress+Hauser weitere wichtige Zutaten für das digitale Erfolgsrezept. Neben den 1000 Entwicklern in den Kompetenzzentren arbeiten  verschiedene von der Firmengruppe initiierte Start-ups an Produkten, Lösungen und Dienstleistungen für das digitale Zeitalter. Überdies kooperiert Endress+Hauser eng mit Industriepartnern wie dem Software-Hersteller SAP.

Hohe Invesitionen mit Bravour gestemmt

In nur fünf Jahren investierte Endress+Hauser fast eine Dreiviertelmilliarde Euro – „alles aus selbst erarbeiteten Mitteln“, wie CFO Luc Schultheiss betonte. 2018 flossen 158,6 Millionen Euro in Gebäude, Anlagen und IT. Die beiden größten Projekte betreffen den Ausbau der Werke im schweizerischen Reinach (Durchflussmesstechnik) und im südbadischen Maulburg (Füllstand und Druckmesstechnik). Ein großes Vorhaben treibt die Gruppe auch in den USA voran: In Houston/Texas bündelt Endress+Hauser Vertrieb, Service und Support in der Region. Der Invest allein in diesen neuen Campus beläuft sich auf über 30 Millionen Euro. Auf der Zukunfts-Roadmap stehen internationale Projekte in Mexiko und China.

Solides Wachstum in Zeiten der Abkühlung

Apropos Zukunft: Wie sieht es für 2019 aus? Endress+Hauser sei „überraschend gut ins laufende Jahr gestartet“, erklärt Altendorf. Die Gruppe liegt in Auftragseingang und Umsatz derzeit deutlich über dem Vorjahr. „Wir wachsen in Asien-Pazifik, Lateinamerika, Afrika und Nahost dynamisch. Auch in Europa liegen wir im Plus. Nur in Nordamerika entwickeln wir uns – nach zwei sehr starken Jahren – derzeit noch verhalten.“ Für die zweite Jahreshälfte erwartet der Manager jedoch, dass sich diese Entwicklung abschwächt, den allseits bekannten Unsicherheiten im politischen und wirtschaftlichen Umfeld geschuldet: „Es gibt klare Anzeichen für eine Abkühlung der globalen Wirtschaft.“

Endress+Hauser Finanzchef Luc Schultheiss kündigt für 2019 Investitionen von 260 Millionen Euro an.
Endress+Hauser Finanzchef Luc Schultheiss kündigt für 2019 Investitionen von 260 Millionen Euro an. (Bild: Kempf/PROCESS)

Dennoch haben sich die People for Process Automation für 2019 anspruchsvolle Ziele gesetzt. Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich steigen. Aber man wolle „auf Sicht fahren“ kündigt Altendorf Augenmaß an. „Wir werden nur dort neue Stellen schaffen, wo Geschäft oder langfristige Ausrichtung dies erforderlich machen.“ Bei gutem Geschäftsgang sind immerhin weltweit 500 Stellen im Gespräch (2018: 629). Definitiv nicht sparen will  Endress+Hauser bei der Innovation. Auch in diesem Jahr sollen wieder mehr als 50 neue Produkte auf den Markt kommen. Finanzchef Luc Schultheiss zufolge sind Investitionen von 260 Millionen Euro geplant.

„Wir werden unsere Strategie konsequent weiterverfolgen. Nach allem, was wir heute sehen und wissen, wird das Wachstum im Vergleich zu 2018 geringer ausfallen, aber es wird solide sein. Wir sind deshalb zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen können – und dass 2019 wieder ein gutes Jahr für Endress+Hauser werden wird!", so Altendorf abschließend.

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