Arbeitnehmer wollen mehr Gehalt, weniger reisen und mehr Zeit für Freunde, Familie und Hobbies. Viele global agierende Chemie- und Pharmaunternehmen können das nur zum Teil leisten.
Immer öfter prallen die Forderungen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern aufeinander.
Oliver Look, Managing Partner bei Look & Graffelder
(Bild: Look & Graffelder)
Der Arbeitsmarkt hat sich im Laufe der letzten 20 Jahre von einem Arbeitgebermarkt, in dem die Arbeitgeber die Oberhand haben, zu einem Bewerbermarkt, in dem die Arbeitnehmer mehr Auswahlmöglichkeiten haben, verändert. Entsprechend haben die Arbeitnehmer deutlich mehr Verhandlungsmacht. „Insbesondere die jüngeren Ingenieure sind sich dessen bewusst und fordern dies auch ein“, beobachtet Oliver Look, Managing Partner der Headhunter für Financial Services und Ingenieurwesen Look & Graffelder. Seiner Erfahrung nach haben sich die Gehälter stark erhöht: „Während 2008 ein Senior Ingenieur im Anlagenbau selten mehr als 90.000 Euro pro Jahr verdiente, ist diese Grenze bereits auf 110.000 Euro pro Jahr gestiegen und teilweise auch noch mehr.“
Für 2023 haben VAA und BAVC folgende tarifliche Mindestjahresbezüge im zweiten Beschäftigungsjahr ausgehandelt:
für diplomierte Angestellte und Angestellte mit Masterabschluss Euro 71.250,
für Angestellte mit Promotion Euro 82.825.
Aber nicht nur die Anforderungen an das Gehalt sind gestiegen. Arbeitnehmer wollen mehr Nebenleistungen und verhandeln die Arbeitsbedingungen. „Sie suchen nach flexibleren Arbeitszeiten, remote-Arbeitsmöglichkeiten und einer besseren Work-Life-Balance“, erlebt Look.
Hinzu kommt, dass die Ansprüche an das Unternehmen und deren Führungskräfte ebenfalls hoch sind: „Arbeitnehmer möchten sich wertgeschätzt und anerkannt fühlen. Eine positive Unternehmenskultur, regelmäßiges Feedback, Belohnungen und Anerkennung für gute Leistungen sind wichtige Aspekte, die Arbeitnehmer von ihren Arbeitgebern erwarten“, so der Headhunter.
Teilweise ginge es ins Extreme: So erlebte der Headhunter die Forderung nach 100 Prozent Home Office oder überzogene materielle Benefits, wie einen Dienstwagen mit mindestens 70.000 Euro Listenpreis. Dem gegenüber sind Kandidaten, die zu mehrjährigen Entsendungen bereit sind, immer schwieriger zu finden. „Wenn, dann sind es die ‚alten Hasen‘, die immer noch bereit sind oder auch wieder bereit sind, weil die Kinder aus dem Haus sind“, berichtet Look. Aber auch hier steigen die Ansprüche: „Bitte nur Europa“ oder „bitte nur Südostasien“, hört der Headhunter immer öfter. Der Status, den eine Entsendung ins Ausland mit sich mitbringt, scheint nicht mehr so viel Wert zu sein, wie früher. Heute liege der Fokus eher auf Familie und Freizeit, so Look.
Arbeitgeber fordern: Commitment, Mobilität und Flexibilität
Die Arbeitgeberanforderungen haben sich dagegen wenig geändert. „Der Arbeitgeber sucht selbstverständlich in erster Linie eine Qualifikation, darüber hinaus aber nach wie vor den Mitarbeiter, der zu 100 Prozent committed ist, 100 Prozent mobil und 100 Prozent flexibel“, beschreibt Look die Vorstellungen der Arbeitgeber.
Natürlich haben die Unternehmen verstanden, dass sich diese Forderung nur noch schwer durchsetzen lassen. Um am Kandidatenmarkt zu bestehen, unternehmen die Arbeitgeber große Bemühungen, um den Wünschen der Ingenieure gerecht zu werden. Home Office bietet inzwischen jedes Unternehmen an, sowie flexible Arbeitszeiten, hohe Gehälter und anderen Nebenleistungen.
„Allerdings weisen gerade die großen Chemiekonzerne große Schwächen in dem Bereich Candidate Experience / Kandidatenerfahrung auf“, weiß Look. „Der Wichtigkeit eines wertschätzenden Umgangs mit Bewerbern sind sich die Personalabteilungen sicherlich bewusst und dennoch scheitern sehr viele Recruiting-Prozesse an zu langen Wartezeiten und schlechter Feedbackkultur“ so der Headhunter. Hier gibt es großes Verbesserungspotenzial, das viel kostengünstiger umsetzbar wäre, als höhere Gehälter und Nebenleistungen.
Schwierig wird es dann, wenn es um Positionen geht, in denen die Forderungen nach Flexibilität und Work-Life-Balance nicht darstellbar sind, insbesondere in den globalen Funktionen. Ein Project Director, der ein Anlagenbau-Projekt mit einem Investitionsvolumen von 1 Milliarde Euro leitet, kann das nicht aus dem Home Office machen. Hier wird nach wie vor der flexible und mobile Ingenieur gesucht. Das zeigt, dass Unternehmen die regionalen Wünsche der Ingenieure nur zum Teil berücksichtigen können.
Der Bedarf an Führungskräfte in der Pharmabranche ist derzeit hoch, zu diesem Ergebnis kommt die Personalberatung ACC. Deren Berechnungen zufolge richten sich 16,3 Prozent aller Stellenanzeigen bei den 30 Top-Pharmaunternehmen Deutschlands an Personal mit Führungsverantwortung. Seit Januar 2023 macht das ein Plus von zwei Prozent. *Insgesamt finden Fach- und Führungskräfte einen robusten Arbeitsmarkt vor“ kommentiert Christoph Andris, Geschäftsführer von ACC die Untersuchung. Er rät den deutschen Pharmaunternehmen, ihre Rekrutierungsstrategien anpassen, um die besten Führungskräfte anzuziehen und zu halten.
Stand: 08.12.2025
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Lösung: Recruiting im Ausland
Als Headhunter sucht Oliver Look nach Kompromissen, die für beide Seiten funktionieren: „In den lokalen Positionen treffen Arbeitnehmer und Arbeitgeber sich in der Mitte“, meint Look. So bietet inzwischen fast jedes Unternehmen 50 Prozent Home Office an. Zudem zahlen die Unternehmen gute Gehälter und bieten viele Nebenleistungen.
Aber auch globale Funktionen werden attraktiver. So bieten die Unternehmen gute Entsendungsverträge an, die finanziell lukrativ sind und die auch die Wohnung für die Familie und Schule für die Kinder beinhalten. „Und trotzdem ist dieses Personal immer schwieriger zu finden“, moniert der Headhunter. Darum würden laut Look Unternehmen immer öfter aktiv nach Fachkräften aus anderen Ländern suchen, um ihre Mitarbeiterbasis zu erweitern und den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften zu decken.
Aber auch das ist nicht immer so einfach: Die suchenden Unternehmen erwarten meist eine Umsiedlung nach Deutschland. Diese Positionen wäre jedoch viel einfacher zu besetzen, wenn es lokale Einstellungsmöglichkeiten mit lokalen Arbeitsverträgen gäbe. Denn neben den Schwierigkeiten der sozialen Integration, die eine Umsiedlung mit sich bringt, ist vor allem auch die Umstellung der Renten- und Sozialversicherungssysteme schwierig.