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Geschäftszahlen Unbefriedigende Rahmenbedingungen bei Solarsilicium prägen Geschäftsergebnis von Wacker

Redakteur: MA Alexander Stark

Wacker Chemie hat das Jahr 2019 im Rahmen ihrer eigenen Erwartungen abgeschlossen. Nach vorläufigen Berechnungen erzielte der Münchner Chemiekonzern im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gesamtumsatz von 4,93 Milliarden Euro und hat damit das Niveau des Vorjahres knapp erreicht.

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Die Ertragsentwicklung im vergangenen Jahr war für Wacker stark von Sondereinflüssen aus den erhaltenen Versicherungsleistungen und der außerplanmäßigen Abschreibung auf das Anlagevermögen geprägt.
Die Ertragsentwicklung im vergangenen Jahr war für Wacker stark von Sondereinflüssen aus den erhaltenen Versicherungsleistungen und der außerplanmäßigen Abschreibung auf das Anlagevermögen geprägt.
(Bild: Achim Zeller / Wacker Chemie)

München – Niedrigere Preise, vor allem für Solarsilicium, aber auch für Standardsilicone waren die wesentlichen Gründe, die Wacker im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 1 % beschert haben. Insgesamt höhere Absatzmengen, Produktmixeffekte sowie Wechselkursveränderungen durch den im Jahresvergleich stärkeren Dollar haben den Umsatz dagegen positiv beeinflusst.

Die Ertragsentwicklung im vergangenen Jahr sei stark von Sondereinflüssen aus den erhaltenen Versicherungsleistungen und der außerplanmäßigen Abschreibung auf das Anlagevermögen geprägt gewesen, sagte Konzernchef Rudolf Staudigl. Operativ habe sich vor allem das Chemiegeschäft weiter gut entwickelt. Die Margen bei Siliconen sind nach dem Ausnahmejahr 2018 wieder auf das normale Niveau zurückgekehrt. Dagegen konnte das Unternehmen bei Dispersionen, Dispersionspulvern und biotechnologisch hergestellten Produkten seine Ertragskraft deutlich steigern. Weiterhin unbefriedigend waren dem Konzernchef zufolge jedoch die Rahmenbedingungen im Geschäft mit Solarsilicium. Hier seien die Preise wegen der hohen Überkapazitäten, die staatlich subventionierte Wettbewerber in China aufgebaut haben, im vergangenen Jahr erheblich zurückgegangen. Derzeit erarbeitet der Konzern ein umfassendes Programm, mit dem er sich effizienter und leistungsfähiger aufstellen und Kosten in signifikantem Umfang einsparen will. Konkrete Ziele dazu werden voraussichtlich im 1. Quartal 2020 bekanntgeben.

Das Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des Geschäftsjahres 2019 belief sich nach den vorläufigen Zahlen auf 780 Millionen Euro (2018: 930 Millionen Euro). Das sind 16 % weniger als vor einem Jahr. Das Ebitda enthält als Sonderertrag Versicherungsleistungen von 112,5 Millionen Euro aus dem Schadensfall des Jahres 2017 am Standort Charleston, die das Unternehmen im 3. Quartal in den Herstellungskosten verbucht hatte. Vor allem die erheblich geringeren Durchschnittspreise für Solarsilicium und damit auch Effekte aus Bestandsbewertungen, niedrigere Preise für Standardsilicone und die stark gestiegenen Stromkosten in Deutschland haben die Ertragsentwicklung belastet.

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Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) beläuft sich auf -540 Millionen Euro (2018: 390 Millionen Euro). Dies ist vor allem eine Konsequenz der Sonderabschreibung von 760 Millionen Euro. Wie bereits gemeldet, wird der Chemiekonzern im Zuge der Abschlusserstellung diese außerplanmäßige Abschreibung auf den Bilanzwert seiner Anlagen zur Herstellung von Polysilicium vornehmen. Hintergrund dieser Maßnahme sind die verhaltenen Erwartungen des Unternehmens für die weitere Preisentwicklung bei Solarsilicium. Insgesamt belaufen sich die Abschreibungen im Jahr 2019 damit auf rund 1,32 Milliarden Euro. Das Jahresergebnis 2019 liegt damit bei -630 Millionen Euro (2018: 260 Millionen Euro).

Sinkende Investitionen

Die Investitionen von Wacker im Geschäftsjahr 2019 lagen nach den vorläufigen Zahlen bei 380 Millionen Euro (2018: 461 Millionen Euro). Das sind 18 % weniger als vor einem Jahr. Die Mittel gingen vor allem in den Ausbau der Kapazitäten in den Chemiebereichen. Der Netto-Cashflow summierte sich im Geschäftsjahr 2019 auf rund 185 Millionen Euro (2018: 86 Millionen Euro; angepasst wegen geänderter Definition) und hat sich damit gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Die erhaltenen Versicherungsleistungen aus dem Schadensfall in Charleston haben den Mittelzufluss um rund 100 Millionen Euro erhöht. Gegenläufig hat eine Sonderzahlung an die Pensionskasse der Wacker Chemie VVaG, die das Unternehmen im 4. Quartal 2019 geleistet hat, den Netto-Cashflow um 70 Millionen Euro gemindert. Die Nettofinanzschulden lagen zum Stichtag 31. Dezember 2019 bei rund 715 Millionen Euro (31. Dezember 2018: 610 Millionen Euro). Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist auf die neue Leasingbilanzierung nach IFRS 16 zurückzuführen. Sie hat die Nettofinanzschulden um 120 Millionen Euro erhöht.

Entwicklung der Geschäftsbereiche

Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2019 von der weiterhin guten Kundennachfrage nach seinen Chemieprodukten profitiert. Wacker Silicones erzielte einen Jahresumsatz von 2,45 Milliarden Euro (2018: 2,50 Milliarden Euro) und blieb damit trotz spürbar niedrigerer Preise für Standardsilicone nur um 2 % unter dem hohen Wert des Vorjahres. Wacker Polymers erwirtschaftete 2019 einen Umsatz von 1,32 Milliarden Euro (2018: 1,28 Milliarden Euro). Das ist ein Plus von 3 %. Der Umsatz von Wacker Biosolutions wuchs im vergangenen Geschäftsjahr um 8 % auf 245 Millionen Euro (2018: 227 Millionen Euro).

Das Ebitda der Chemiebereiche ist 2019 in der Summe um 11 % zurückgegangen. Ursächlich dafür waren in erster Linie die niedrigeren Preise für Standardsilicone. Dagegen hat das Chemieunternehmen im Geschäft mit Dispersionen, Dispersionspulvern und biotechnologisch hergestellten Produkten das Ebitda kräftig ausgebaut. Wacker Silicones erzielte 2019 ein Ebitda von 480 Millionen Euro (2018: 617 Millionen Euro). Das ist ein Rückgang um 22 %. Das Ebitda von Wacker Polymers belief sich auf 195 Millionen Euro (2018: 148 Millionen Euro). Ausschlaggebend für diesen Anstieg um 32 % waren die im Jahresvergleich höheren Absatzmengen und die gute Kostenstruktur des Geschäftsbereichs. Wacker Biosolutions erwirtschaftete im vergangenen Geschäftsjahr ein Ebitda von 30 Millionen Euro (2018: 24 Millionen Euro). Das ist ein Plus von 25 %. Höhere Absatzmengen und die steigende Auslastung der Biopharma-Produktion haben die Ertragsentwicklung positiv beeinflusst.

Wacker Polysilicon erzielte im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatz von 780 Millionen Euro (2018: 824 Millionen Euro). Maßgeblich für diesen Rückgang um 5 % waren die im Jahresvergleich deutlich niedrigeren Preise für Solarsilicium auf Grund der in China aufgebauten Überkapazitäten. Stark gestiegene Absatzmengen konnten das nicht vollständig ausgleichen. Das Ebitda des Geschäftsbereichs summierte sich 2019 auf 55 Millionen Euro (2018: 72 Millionen Euro) und blieb damit um 24 % unter Vorjahr. Zusätzlich zu den niedrigeren Durchschnittspreisen für Polysilicium haben Bestandsabwertungen das Ebitda gemindert. Dagegen haben die Versicherungsleistungen für den Schadensfall in Charleston, die der Geschäftsbereich im 3. Quartal 2019 verbucht hatte, das Ebitda um 112,5 Millionen Euro erhöht. Bereinigt um diesen Sonderertrag beläuft das Ebitda von Wacker Polysilicon im Gesamtjahr 2019 auf rund -55 Millionen Euro.

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