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Wachstumskurs mit Wermutstropfen

Umsatz deutscher Biotech-Unternehmen erstmals über vier Milliarden Euro

| Redakteur: Alexander Stark

Die deutschen Biotech-Unternehmen sind 2017 sowohl beim Umsatz wie auch bei den Beschäftigungszahlen deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg 2017 im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf über vier Milliarden Euro und übertraf damit das Rekordjahr 2016.

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Die deutsche Biotech-Branche knackte 2017 erstmals die Umsatzhöhe von vier Milliarden Euro.
Die deutsche Biotech-Branche knackte 2017 erstmals die Umsatzhöhe von vier Milliarden Euro.
(Bild: Pixabay / CC0)

Berlin/München — Zahlen des aktuellen Biocom-Reports und von Erhebungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young kommen in ihren aktuellen Ergebnissen zu ähnlichen Schlüssen: Die deutsche Biotech-Branche ist auf Wachstumskurs.

Allerdings warnt der Leiter des deutschen Life Science Centers von Ernest und Young, Dr. Siegfried Bialojan, dass die positiven Ergebnisse nicht dem tatsächlichen Potenzial der Wissenschaft in Deutschland entsprechen würden. Er ist der Meinung, dass der große Sprung nach vorne bisher ausgeblieben sei. Insbesondere beim Risikokapital hätte es keine Entwicklung nach vorne gegeben — im Gegenteil: die Summe ging wieder leicht zurück. Dabei sei es gerade das Venture Capital, das Investorenvertrauen ausdrückt und Zukunftsvisionen honoriert — an beidem mangle es im internationalen Vergleich.

Sandra Wirsching, die für den Biocom-Report zuständig ist, zeichnet ein positiveres Bild. Ihrer Meinung nach hätten viele deutsche Biotech-Firmen inzwischen einen hohen Reifegrad erreicht, der sich in wachsenden Umsatz- und Mitarbeiterzahlen niederschlagen würde. Gleichzeitig sei die Gründungsdynamik in den letzten zwei Jahren wieder in Schwung gekommen, sodass auch langfristig weiteres Wachstum zu erwarten sei.

Wachsende Investitionsbereitschaft

Wie Biocom auf der Plattform biotechnologie.de berichtet, hat die Biotech-Branche im Jahr 2017 einen Umsatz von 4,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Ein kräftiges Plus von 16 % gegenüber dem Vorjahr, das durch die medizinisch aktiven Biotech-Firmen (+17 %; 2,88 Milliarden Euro), die nicht-spezifischen Dienstleistungsfirmen (+15 %; 853 Millionen Euro) sowie die Unternehmen in der industriellen Biotechnologie (+8 %; 290 Millionen Euro) getrieben wurde. Ein stabiler Trend zeigt sich bei den Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E): Mit 1,12 Milliarden Euro (+1,2 %) hat sich dieser Wert nun zum dritten Mal seit 2010 über der Milliardenmarke eingependelt und belegt laut Analyse die wachsende Investitionsbereitschaft der Branche. Vor allem die Firmen der industriellen Biotechnologie haben gegenüber dem Vorjahr mehr Geld für F&E in die Hand genommen (+6 %, 54 Millionen Euro), leichte Steigerungen gab es auch in der Bioinformatik (+3 %; 13,6 Millionen Euro) und bei den nicht-spezifischen Dienstleistern (+3 %; 117,2 Millionen Euro). In den anderen Teilbereichen der Biotech-Branche wurde das Vorjahresniveau erreicht.

Scheu vor dem Börsengang

Die Biotechunternehmen erhielten im Jahr 2017 laut EY eine Rekordfinanzierung in Höhe von insgesamt 627 Millionen Euro — eine Steigerung um mehr als ein Drittel (37 %) im Vergleich zum Vorjahr. Den größten Anteil daran hatten insbesondere die Kapitalerhöhungen an der Börse, die um knapp 60 % auf 340 Millionen Euro zulegten. Dazu gab es zwar erneut nur einen einzigen Börsengang, der allerdings hatte es in sich: Der IPO des Jenaer Unternehmens InflaRx brachte 86 Millionen Euro ein — das war mehr als an Kapital in den beiden Vorjahren zusammen eingespielt wurde.

Während in Deutschland der Gang aufs Parkett eher die Ausnahme bleibt, legte in Europa auch die Zahl der Börsengänge weiter zu. 27 Börsengänge brachten insgesamt 950 Millionen Euro ein (2016: 650 Millionen Euro).

Trotz der positiven Kennzahlen: Die Wachstumsraten im Vorjahr waren beim Umsatz höher. Zudem gelang es erneut laut Ernst & Young nicht, das Risikokapital für Start-ups signifikant zu steigern — es ging sogar leicht von 213 auf 201 Millionen Euro zurück. Auch die Investitionen in Forschung und Entwicklung sanken um drei Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

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