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Königsdisziplin Inbetriebnahme Tipps für eine reibungslose Inbetriebnahme

| Autor/ Redakteur: Dipl.-Ing. Wolfram Gstrein, MBA* / Anke Geipel-Kern

Mit einer sorgfältigen Planung der Inbetriebnahme kann der Betreiber viel Geld sparen – Bei der Einweihung gibt´s den berühmten grünen Knopf für den Vorstandschef. Doch damit die Anlage läuft, schiebt das Team der Inbetriebnahme eine Menge Nachtschichten. Strukturierte Planung schon während der Engineeringphase bereitet den Weg für einen reibungslosen Produktionsstart – ein Leitfaden, wie´s garantiert klappt.

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Die Inbetriebnahme einer Anlage ist die Feuertaufe für den Planungsingenieur: Hat alles geklappt?
Die Inbetriebnahme einer Anlage ist die Feuertaufe für den Planungsingenieur: Hat alles geklappt?
(Bild: VTU)

Eine Inbetriebnahme ist niemals Routine. Hat das Projektteam alles organisiert, ist das Betriebspersonal eingewiesen und wie verhält sich die Anlage? Trotz aller Sorgfalt: Vor Auslegungs-, Montage-, Programmierungs- oder Kalibrierungsfehler ist keiner gefeit. Bis die Anlage richtig eingefahren ist, sind schwankende Betriebsparameter die Regel und nicht die Ausnahme. Und der Druck auf das Team ist gewaltig: Schließlich will das Management so schnell wie möglich Geld mit der Anlage verdienen.

Startpunkt: Engineering

Der Grundstein für eine erfolgreiche Inbetriebnahme wird deshalb bereits im Engineering gelegt: Im Basic Engineering wird die Inbetriebnahme grob vorgeplant und dabei die funktionalen Abhängigkeiten der Systeme und Verfahrenseinheiten (Energien, Utilities, Hilfs- und Prozessmedien) berücksichtigt.

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Darauf baut der Projektterminplan auf, der Engineering-Pakete, Vergabe, Lieferung, Konstruktion und Montage beinhaltet. Je nach Anlagentyp (speziell GMP-Anlagen mit Reinräumen) können für diese Einteilung auch die Stockwerke oder Räume, in denen sich die Verfahrenseinheiten befinden, eine wichtige Rolle spielen.

Entscheidend ist ebenfalls die Definition der Systemgrenzen: Vor allem Energien, Utilities und Hilfsmedien sollten sich möglichst wenig gegenseitig beeinflussen, damit jedes System so unabhängig wie möglich in Betrieb genommen und gehalten werden kann. An Systemgrenzen sollten z.B. mechanische Absperrarmaturen, Blindflansch- oder Absteckmöglichkeiten vorgesehen werden.

Weiterhin müssen im Engineering für die Inbetriebnahme spezifische Zustände berücksichtigt werden. Dazu zählen u.a.:

  • Standardisierung / Vereinheitlichung von Armaturen, Instrumenten, Maschinen und Apparaten,
  • Zugänglichkeit zu Messgeräten und Armaturen zur Wartung/Kalibrierung;
  • Auslegung von Lösemittelpumpen wasserfahrtgeeignet,
  • Größe von Pufferbehältern zur Entkoppelung von Verfahrens­einheiten;
  • Entlüftungs-/Entleerungsstutzen für Spül-/Bypassvorgänge;
  • lokale Instrumente und genügend Schaugläser an Apparaten und in Rohrleitungen für die Kontrolle der Anlage vor Ort;
  • ausreichendes Sumpfvolumen von Kolonnen, um den gesamten Hold-up aufzufangen;
  • Fehlchargenbehälter und Möglichkeiten, ein nicht spezifikationsgerechtes Produkt aus- und wieder einzuschleusen;
  • Eventuell notwendige Provisorien müssen in der Kostenschätzung für das Investitionsbudget berücksichtigt werden.

Eine wichtige Rolle spielt auch das Procurement und die Definition der Vergabetermine: Lieferumfänge, Dokumentationsumfänge, vertragliche Rahmenbedingungen, Haftungen und Gewährleistungen gehören dazu. Ersatzteile müssen beschafft und Verbrauchsmaterialien wie Schmierstoffe und Dichtungen eingelagert werden, damit Defekte an Maschinen oder zerstörte Berstscheiben die Inbetriebnahme nicht gefährden.

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