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Immer der Reihe nach
Die Montage erfolgt in der Reihenfolge der Systeme: Anlagenteile, die zuerst in Betrieb genommen werden, werden zuerst montiert und erst fertiggestellt. So kann bereits mit Prüfungen (Druckprüfungen, R&I-Check, TÜV-Prüfungen usw.) begonnen werden. Dieses Vorgehen erleichtert auch die Qualifizierung von Pharmaanlagen. Die frühzeitige Einbindung von Bedienpersonal des Betreibers zur Unterstützung bei Abschlussarbeiten und Prüfungen (z.B. Labelling von Rohrleitungen und R&I-Check) ist außerdem sinnvoll.
Die Inbetriebnahme verfahrenstechnischer Anlagen (oftmals in Zusammenspiel mit der Gebäudetechnik) muss ganzheitlich und Gewerke übergreifend betrachtet und organisiert werden. Ein eigenes Inbetriebnahme-Organigramm definiert Verantwortungen und Schnittstellen zwischen den handelnden Personen, legt Arbeitsabläufe, Informationsfluss und Freigabeprozedere fest – im Prinzip eine projektartige Organisation speziell für die Inbetriebnahme.
Das Inbetriebnahme-Konzept für alle im Engineering definierten Funktionseinheiten verweist auf die geltenden Planungsgrundlagen und legt das Vorgehen zum Reinigen, Entleeren, Entlüften, die Erstbefüllung, Funktionstests sowie sicherheitstechnische Aspekte fest.
Termine tagesgenau planen
Für die Inbetriebnahme wird ein eigener, auf Tage herunter gebrochener und täglich aktualisierter Terminplan erstellt, der nicht notwendigerweise in den hochkomplexen Gesamtprojektterminplan eingebettet wird. Denn der Inbetriebnahme-Terminplan muss änderbar und für jedes Gewerk schnell zugänglich und leicht verständlich sein. Checklisten sichern Nachvollziehbarkeit und Qualität. Ein wesentliches Dokument ist der speziell für die Inbetriebnahme erstellte Mess- und Regelschema-Satz, der Besonderheiten wie Anfahrsiebe, Passtücke, Steckscheiben und sonstige temporäre Maßnahmen dokumentiert.
Commissioning als geplanter systematischer, sauber dokumentierter Qualitätssicherungsprozess ist die Basis für die formale Abnahme von Werkleistungen über die einzelnen Projektphasen hinweg. Checklisten sichern Nachvollziehbarkeit und Qualität.
Das Ziel ist eine geordnete Übergabe einer sicherheitstechnisch einwandfreien Prozessanlage an den Anlagenbetreiber. Projektziele sind Leistung, Produktqualität, Verlässlichkeit. Und natürlich müssen alle notwendigen Informationen aus der Planung für den Anlagenbetrieb nachvollziehbar vorliegen.
Sicherheit, Sicherheit ...!
Die Inbetriebnahme ist neben der Montage die gefährlichste Phase im Anlagenlebenszyklus. Deshalb ist eine klare Verantwortungsstruktur, festgehalten im Organigramm und ein stringentes Freigabeprozedere für Arbeiten in der Anlage und Inbetriebnahme-Tätigkeiten (wer darf wann was?) unabdingbar. Ein klar formuliertes für das Bedienpersonal verständliches Inbetriebnahme-Konzept ist ein Muss, ebenso wie zeitnahe, praxisorientierte Einweisungen sowie deren Dokumentation. Im Rahmen der täglichen Inbetriebnahme-Besprechung mit dem Team inklusive Betreiber und Lieferanten sollte es ein Zeitfenster für tagesspezifische Arbeitssicherheitsthemen geben, in dem Gefährdungspotenziale thematisiert werden.
Fazit: Die Inbetriebnahme einer Anlage ist für jeden Ingenieur die Paradedisziplin, sozusagen das Salz in der Suppe: Endlich das in Natura sehen, woran man monate- oder sogar jahrelang gearbeitet hat. Der Erfolg steht und fällt jedoch mit der Motivation des Teams – entscheidend ist der Mensch.
* * Der Autor ist Geschäftsführer bei VTU Engineering Deutschland GmbH, Hattersheim. Kontakt: Tel. +49-6190-8875815
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