Kunststoff Thyssenkrupp führt sein Kunststoff-Servicegeschäft unter einem Dach zusammen

Redakteur: Sonja Beyer

Wer beim Namen Thyssenkrupp nur an Stahlprodukte für Großkunden denkt, der irrt: Denn auch im Kunststoffgeschäft ist das Unternehmen aktiv und plant, damit künftig noch stärker Akzente zu setzen.

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Armaturen aus Kunststoff sind korrosionsbeständig und widerstehen aggressiven Medien.
Armaturen aus Kunststoff sind korrosionsbeständig und widerstehen aggressiven Medien.
( Bild: Thyssenkrupp Plastics )

Stahlbehälter und Rohrleitungssysteme von Thyssenkrupp haben seit vielen Jahren ihren festen Platz in der Industrie und sind auch aus dem Chemieanlagenbau nicht mehr wegzudenken. Neuerdings kann die Chemiebranche zusätzlich vom gesammelten Kunststoff-Know-how des Unternehmens profitieren: Seit Oktober bündelt Thyssenkrupp sein Kunststoffgeschäft unter dem Dach einer neu gegründeten Gesellschaft, der Thyssenkrupp Plastics. Möglich wurde dies durch die Übernahme der Gesellschafteranteile von Evonik Röhm am gemeinsamen Joint-Venture Thyssenkrupp Röhm Kunststoffe im vergangenen Jahr.

Das Verkaufsprogramm an Kunststoffprodukten ist breitgefächert und bedient vier verschiedene Anwendungssegmente: den Rohrleitungsbau, den Hochbau, die visuelle Kommunikation sowie den Apparate-, Anlagen- und Maschinenbau – egal, ob industrielle Rohrleitungen und technische Kunststoffe für die Chemieindustrie oder Folien und Profile für den Messebau gefragt sind.

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Materialien mit Zukunft

Obwohl die Wirtschaftskrise auch vor dem Kunststoffgeschäft nicht Halt gemacht hat – die Abnehmer gehören zu betroffenen Branchen wie dem Maschinenbau oder der Automatisierung – sieht Jürgen Westphal, Vorsitzender der Geschäftsführung, gute Wachstumschancen, beispielsweise im Segment Rohrleitungsbau: „Wir können uns hier in den nächsten zwei Jahren verdoppeln.“

Analysen des Kunststoffrohrverbands zufolge ist der Anwendungssektor der Industrierohre zwar insgesamt noch recht klein, doch die Bandbreite für den Einsatz von Kunststoffrohren in der Industrie wächst stetig. Speziell für die Produktion, den Transport oder die Lagerung aggressiver Chemikalien sind Rohrleitungen aus Materialien wie PVC, PP, PE und PVDF seit Jahren etabliert, da sie chemisch sehr beständig sind. Für solche Anwendungen liefert das Unternehmen den Abnehmern nicht nur Druck- und Industrierohre, sondern auch Fittings und Formteile, Armaturen und passendes Zubehör. Zusätzlich ist auch zu Verbindungstechniken das notwendige Know-how vorhanden, sodass davon die Anwender ebenfalls profitieren.

Auf den Anwender ausgerichtet

Besonderen Wert legt die Geschäftsführung nämlich auf Kundenorientierung und Qualität: „Wir sagen bewusst nicht, dass wir ein Lieferant des 24 h-Service sind“, erklärt Westphal. „Denn es ist uns wichtiger, bedarfsgerecht zu liefern.“ Das bedeutet, dass die Produkte den Anwender genau dann erreichen sollen, wenn er sie braucht, und in der benötigten Form. Dazu betreibt das Unternehmen deutschlandweit 21 Logistik-Standorte, die eine Lagerfläche von etwa 85 000 m2 umfassen und mit Anarbeitungsmaschinen ausgestattet sind. Dienstleistungen, die über reines Palettengeschäft hinausgehen, spielen eine wichtige Rolle: „Wir bieten auch Systemlösungen und Beratung an“, betont Falk Majert, Geschäftsführer Inland. Dazu gehören individuelle Anarbeitungsschritte sowie spezielle Produkt- und Anwendungsberatungen. Dabei kommt Thyssenkrupp Plastics sein Netzwerk an Lieferanten zugute, mit denen meist langjährige Partnerschaften bestehen. Unter ihnen befinden sich Kunststoffhersteller wie Georg Fischer, Evonik und Röchling, die bei Bedarf mit ihrem Spezialwissen unterstützen können. Denn: Nicht einmal der beste Dienstleister kann alles.

Die Autorin ist Volontärin bei PROCESS.

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