Wasserkraft Strom aus (Turbinen-)Wasserkraft bietet auch in Deutschland weiteres Potenzial

Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann / Dr. Jörg Kempf

Wasserkraft wurde schon in vorindustrieller Zeit beispielsweise zum Antrieb von Mühlen genutzt – sie ist die älteste und dabei zuverlässigste Form erneuerbarer Energiegewinnung. Ihr großer Vorteil ist die stete Verfügbarkeit verbunden mit der Speichermöglichkeit. In Deutschland bietet vor allem die Modernisierung und Reaktivierung vorhandener Anlagen attraktives Wachstumspotenzial.

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1937 hat Voith die erste große Pumpturbine gebaut, die sowohl als Turbine wie auch – in entgegengesetzter Drehrichtung – als Pumpe arbeitet.
1937 hat Voith die erste große Pumpturbine gebaut, die sowohl als Turbine wie auch – in entgegengesetzter Drehrichtung – als Pumpe arbeitet.
(Bild: Voith)

Dass eine Kreiselpumpe mithilfe eines elektrischen Motors Wasser in Bewegung zu setzen vermag, ist bekannt. Weniger geläufig ist, dass dies auch in umgekehrter Richtung funktioniert: Strömendes Wasser erzeugt mithilfe einer rückwärtslaufenden Pumpe elektrischen Strom. Die „Pumpe als Turbine“ (PaT) heißt diese Anordnung dann beispielsweise bei KSB.

In Deutschland gibt es laut Bundesverband Deutscher Wasserkraftwerke (BDW) rund 7800 Wasserkraftwerke. Zumeist sind das Ausleitungskraftwerke, bei denen das Flusswasser in einem Nebenarm des Hauptgewässers zu den Turbinen geleitet und anschließend wieder dem Unterlauf zugeführt wird. Auf diese Weise gewinnen die Betreiber jährlich 27 Milliarden kWh (zur Einordnung: das sind etwa drei bis fünf Prozent des in Deutschland produzierten Stroms) – potenziell stehen weitere 15 Milliarden kWh zur Verfügung, so der BDW. Zwölf Prozent der Anlagen sind im Besitz von Energieversorgungsunternehmen; sie erzeugen mehr als 90 % des gesamten Stroms aus Wasserkraft.

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Weltweit werden durch Wasserkraft jährlich rund 2300 Milliarden kWh erzeugt (zur Einordnung: Größenordnung von 400 Kernkraftwerken). Riesige Wasserkraftreserven mit 15 000 Milliarden kWh/a liegen noch brach. Mit diesem Potenzial von 17 300 Milliarden kWh könnte der Weltstrombedarf gedeckt werden – zumindest rein theoretisch.

Ein aktuelles Projekt zeigt, dass Wasserkraft auch in Deutschland hochinteressant bleibt: Nach 14 Monaten Bauzeit hat Mitte September 2013 das neue Wasserkraftwerk am Augsburger Hochablass sein Herz bekommen – sogar ein Doppelherz. Zwei Turbinen mit einer Gesamtleistung von 3,5 MW drehen sich im Rohbau des Kraftwerks. Jede der beiden Turbinen von Andritz bringt etwa 35 t auf die Waage. Laufen die Turbinen unter Volllast, treiben 32 m3/s Lechwasser sie an und erzeugen so jährlich 11 Millionen kWh Strom. Der Bau des Kraftwerks kostet 13 Millionen Euro und wurde als Bürgeranlage mit einem fest verzinsten Bürgerdarlehen finanziert.

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