Wasserkraft

Strom aus (Turbinen-)Wasserkraft bietet auch in Deutschland weiteres Potenzial

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Wasserkraftwerke: Konzepte und Stromgestehungskosten

Das BMU unterscheidet in kleine (unter 1 MW) und große Anlagen (über 1 MW). Von den großen Wasserkraftanlagen in Deutschland sind 20 % Speicherkraftwerke und 80 % Laufwasserkraftwerke.

  • Speicherkraftwerke nutzen das hohe Gefälle und die Speicherkapazität von Talsperren und Bergseen zur Stromerzeugung. Beim Talsperren-Kraftwerk befinden sich die Turbinen am Fuß der Staumauer. Beim Bergspeicherkraftwerk ist ein in der Höhe liegender See über Druckrohrleitungen mit dem im Tal liegenden Kraftwerk verbunden. Speicherkraftwerke können sowohl zur Deckung der elektrischen Grundlast als auch im Spitzenlastbetrieb eingesetzt werden.
    Pumpspeicherkraftwerke werden nicht durch natürliche Wasservorkommen, sondern durch aus dem Tal gefördertes Wasser aufgefüllt. Damit wird in Schwachlastzeiten erzeugter elektrischer Strom als potenzielle Energie des Wassers zwischengespeichert und kann in Spitzenlastzeiten wieder über eine Turbine abgerufen werden.
  • Laufwasserkraftwerke nutzen die Strömung eines Flusses oder Kanals zur Stromerzeugung. Charakteristisch ist eine niedrige Fallhöhe bei relativ großer, oft jahreszeitlich mehr oder weniger stark schwankender Wassermenge. Die Anlagen werden aus wirtschaftlichen Gründen oft in Verbindung mit Schleusen gebaut.
    In einem Interview mit der DW Deutschen Welle schätzt Martin Weißmann, Dozent für Wassertechnik an der Hochschule Karlsruhe, die Kosten so ein: Große Wasserkraftanlagen produzieren in Europa eine Kilowattstunde Strom für drei bis fünf Euro-Cent, mittelgroße Anlagen (2000 bis 3000 kW) für rund zehn Cent und Anlagen an kleinen Gewässern für bis zu 20 Cent.
  • Kleinwasserkraftwerke: Bei Kleinwasserkraftanlagen besteht Ausbaupotenzial, insbesondere durch die Modernisierung und Reaktivierung bestehender Anlagen oder durch vereinzelten Neubau an bestehenden Querbauwerken, die aufgrund des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) wieder wirtschaftlich tragfähig werden. Die Anlagen werden sowohl im Inselbetrieb als auch netzgekoppelt eingesetzt. Technisch handelt es sich hier ebenfalls um Speicher- oder Laufwasserkraftwerke, die aufgrund kleinerer Fallhöhen und Wassermengen aber nur geringere Leistungen liefern. Für den Neubau von neuen Kleinwasserkraftanlagen im Leistungsbereich zwischen 100 und 1000 kW sind typische spezifische Investitionskosten von 4000 bis 6000 Euro/kW anzusetzen. Die Stromgestehungskosten liegen bei einer typischen Auslastung von 3000 bis 5000 Volllaststunden pro Jahr zwischen 10 und 23 Cent/kWh. Die Kosten für den Bau von Wasserkraftanlagen sind grundsätzlich an die Höhe der installierten Leistung gebunden, aber auch abhängig von der Fallhöhe, von den weiteren Standortbedingungen und insbesondere von den notwendigen ökologischen Maßnahmen.

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