Suchen

Engineering und mehr So gelingt die Realitäts-Modellierung

Redakteur: Gerd Kielburger

Die Verzahnung der 2D- mit der 3D-Welt bringt im Engineering sowie für die gesamte Zulieferkette erhebliche Vorteile. Anlagenplanung und Installation aber auch Maintenance-Prozesse beim Betreiber können so deutlich effizienter werden.

Firmen zum Thema

Die Integration von Comos und Open Plant zeigt den Vergleich eines 2D-/3D-Modells.
Die Integration von Comos und Open Plant zeigt den Vergleich eines 2D-/3D-Modells.
(Bild: © Africa Studio - Fotolia)

Auch wenn die Prozessindustrien beim Digitalisierungsgrad im Vergleich zu anderen Anwenderbranchen etwas hinterherhinken, der Transformationsprozess ist auch hier nicht aufzuhalten. Die Vorteile einer durchgängigen Digitalisierung – vom Engineering über den Betrieb bis hin zum Lifecycle Management – sind unübersehbar und im Lichte der Industrie 4.0-Diskussionen gewinnt der Einsatz entsprechender Softwaretools an Fahrt.

Firmen wie Siemens und Bentley haben bereits vor vier Jahren durch eine Partnerschaft die 2D-Welt mit der 3D-Welt verzahnt. Was zunächst etwas mühsam mit einigen Piloten begann, steht heute kurz vor dem Durchbruch. Beide Partner setzen dabei nicht auf ein proprietäres System, sondern auf einen offenen Standard nach ISO 15926. Interoperabilität ist das Ziel. Integrierte Engineering Tools, Simulation und ein gemeinsames Datenmodell von Comos (Siemens) zu OpenPlant (Bentley) sind die wichtigen Voraussetzungen dafür. Ein offenes Interface bestehend aus standardbasierten Zeichnungen und Modelldaten in einem Informationscontainer (i-model) ermöglicht diese Verbindung.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Datenneutralität schafft Unabhängigkeit

Einen wichtigen, positiven Nebeneffekt sieht Bentley-Manager Carsten Gerke in der Datenneutralität. „Die Daten stehen in einem neutralen Format zur Verfügung und können zukünftig jederzeit auch für andere Zwecke genutzt werden“. Für Betreiber ein enormer Vorteil, da er sich flexibler und unabhängiger von einer Langfrist-Bindung an einen einzelnen Ausrüster macht. „Genauso wichtig ist die perspektivische Nutzung dieser Daten durch Big-Data-Analysen oder Ähnliches“, ergänzt Siemens-Manager Andreas Geiss. Wie Statistiken zeigten, würden derzeit nur etwa vier Prozent der erhobenen Daten ausgewertet und verarbeitet. Der wahre Mehrwert der Zusammenarbeit zwischen Bentley und Siemens liegt aber in der Kombination beider Lösungen. „Als Funktionalität bietet dieses Angebot vor allem die Möglichkeit, aus einem 2D-Engineering ein 3D-Modelling zu machen und erlaubt es dem Betreiber sowohl das Modell als auch die Daten immer à jour zu halten“, erklärt Geiss. Als Benefit daraus lassen sich problemlos Anlagenerweiterungen oder Wartungs-Routinen durchführen, ohne dass immer wieder neue Daten aufgenommen werden müssen. Bei Kapazitätsengpässen ist bei der Vielzahl von Brownfield-Anlagen in Europa meist Debottlenecking gefragt. Während ein Großteil der Altanlage nicht digitalisiert ist, sollen neue Anlagen-Units bereits im 3D-Modell entstehen. Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung für den Betreiber: Denn auch eine Maintenance-Strategie soll zukünftig vom Modell her abgeleitet werden. Für Siemens-Manager Geiss ist das mit dem integrierten Bentley-Tool Context Capture, das eine Umwandlung digitaler Fotos zu so genannten Reality-Mesh-Modellen leistet, die dann wiederum im Engineering-Kontext mit anderen Planungswerkzeugen weiterverwendet werden können, zukünftig kein Problem mehr.

(ID:44091171)