Aber auch „späte“ Änderungen führen schnell zu Verzögerungen. „Soll etwa eine einfache Überfüllsicherung an einem Tank durch eine präzise Füllstandmessung, eine digitale Messgröße also durch eine analoge ersetzt werden, dann führt das im konventionellen Engineering zu erheblichem Aufwand. Da müssen etwa Steuerungslogik und Hardwarezuordnung verändert werden, neue E/A-Karten beschafft und installiert, neue Loop-Tests durchgeführt werden“, beschreibt Schindler.
Ein paar Dutzend derartige Änderungen können eine Inbetriebnahme um Tage oder Wochen verzögern. Dies zu verhindern, bindet bisher oft wertvolle Ressourcen bzw. erfordert aufwändige Provisorien. Ähnlich komplex konnte es bisher sein, verfahrenstechnische Änderungen kurz vor der Inbetriebnahme auch automatisierungstechnisch termingerecht umzusetzen.
Für alle diese Szenarien bietet Centum VP R6 attraktive Alternativen. So endet die Standardisierung nicht bei den Klassenmodulen, sondern setzt sich bei der Hardware fort. Einheitliche Netzwerk-I/O-Systeme (N-I/O) mit E/A-Karten, die flexibel per Software konfiguriert werden können, erlauben das einfache Umschalten zwischen digitalen und analogen Ein- und Ausgängen, ohne dass Karten getauscht werden müssten.
Vorteile in der Frühphase von Projekten
Daher können standardisiert bestückte, projektunabhängig vorproduzierte Schaltschränke verwendet werden. Kürzere Lieferzeiten und vereinfachte Installation sind die Folgen. Solche Standard-Hardware bringt auch Vorteile in der Frühphase von Projekten, egal ob es um Neuanlagen oder Migrationen geht. „Zunächst reicht es, E/A-Signale zu zählen, um zu wissen, was für den Schaltraum bestellt werden muss“, sagt Schindler.
Mithilfe des portablen Fieldmate Validator kann die installierte Hardware nun auch unabhängig von Leitsystem und PNK getestet werden. Dazu werden die aktuellen Informationen aus der Engineering-Stammdatenbank in den Validator übertragen. Sobald in der Anlage das N-I/O inklusive NIU (Node Interface Unit) sowie die Sensoren und Aktoren angeschlossen und betriebsbereit sind, können Loop-Tests und Validierung beginnen.
Ist später die Engineering-Station des Leitsystems einsatzbereit, lassen sich die gewonnenen Daten dorthin übertragen. Damit entfällt eine wesentliche Einschränkung im Vergleich zum „Wasserfall-Engineering“, weil Leitsystem und PNKs nicht länger Voraussetzung für die Loop-Test sind. „Hardwaretest und Leitsysteminstallation laufen parallel ab, was letztlich einen um bis zu 30 % der Projektlaufzeit vorgezogenen Beginn der Hardwaretests ermöglicht“, so Schindler.