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Sind Biokunststoffe wirklich besser?

| Autor/ Redakteur: Carsten Brandt / Matthias Back

Um die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern und auch als Verkaufsargument für Endkunden sind Biokunststoffe tauglich. Aber ihre Nachhaltigkeit ist fraglich.

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Um die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern und auch als Verkaufsargument für Endkunden sind Biokunststoffe tauglich. Aber ihre Nachhaltigkeit ist fraglich.
Um die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern und auch als Verkaufsargument für Endkunden sind Biokunststoffe tauglich. Aber ihre Nachhaltigkeit ist fraglich.
(Bild: ©Arsenii - stock.adobe.com)
  • Biokunststoffe sind Polymere, die als nachhaltige Werkstoffe aus organischen Substanzen gewonnen werden.
  • Erneuerbare und recycelte Materialien verbessern die Ästhetik von Kunststoffen und schaffen ein natürlicheres Look-and-feel, das die Produktdifferenzierung verbessert.
  • Die Klimabilanz von Biokunststoffen ist zwar günstiger, dafür gibt es Nachteile bei anderen Umweltbelastungen.

Ob biobasiert, biologisch abbaubar oder als Rezyklat – biologisch abbaubare Kunststoffe liegen im Trend. Viele Hersteller und Distributeure haben umweltfreundliche Kunststoff-Varianten in ihrem Portfolio. Bereits im Jahr 1998 entwickelten Jürgen Pfitzer und Helmut Nägele flüssiges Holz, das heute schon bei der Serienproduktion von Bauteilen eingesetzt wird. Sie nannten ihren Biowerkstoff Arboform. Er besteht vorwiegend aus dem Holzbestandteil Lignin, ist biologisch abbaubar und dazu noch deutlich preiswerter als Holz. Arboform wird in der Automobil- und Baubranche, als Elektronikbauteil oder für Gebrauchsgegenstände verarbeitet und begründet eine Entwicklung, die hin zur Ressourcenschonung und Recyclingfähigkeit weist.

Biokunststoffe – eine Definition

Biokunststoffe sind Polymere, die als nachhaltige Werkstoffe aus organischen Substanzen gewonnen werden. Die verwendete Biomasse gehört zu der Gruppe der erneuerbaren Energien. Biokunststoffe sind nicht immer eindeutig definierbar. Die Einteilung erfolgt grob in drei große Gruppen, von denen sich nur eine auf die verwendeten Rohstoffe bezieht. Unterscheiden lassen sich:

  • Biobasierte Kunststoffe, die aus natürlichen und regenerierbaren Rohstoffen hergestellt sind;
  • bioabbaubare Kunststoffe, die recyclingfähig beziehungsweise biologisch abbaubar sind;
  • biokompatible Kunststoffe, die keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen auf den menschlichen oder tierischen Organismus haben.

Biokunststoffe und ihr Nutzen für die Umwelt

Im Vergleich zu konventionellen Kunststoffen, deren Abbauprozesse oft Jahrzehnte dauern und die im Verfallsprozess häufig Gifte freisetzen, sind Biokunststoffe aus organischen Materialien in der Regel kompostierbar oder bauen sich in kurzer Zeit biologisch ab. Dies gilt auch für einige Kunststoffe, die zwar konventionell hergestellt sind, sich aber trotzdem rückstandsfrei zersetzen. Deshalb lohnt ein Blick auf die Herstellungsprozesse. Pflanzenrohstoffe sind zunächst einmal klimaneutral. Allerdings muss die komplette Produktionskette betrachtet werden, um eine Aussage zur Ökobilanz treffen zu können. So sind zum Beispiel Biokunststoffe aus konventionell erzeugten Energiepflanzen mit einer ungünstigen Bilanz zu bewerten, da bei der Produktion der Ausgangsstoffe durch die starke Düngung eine große Menge an Distickstoffmonoxid (N2O) entsteht. Dieses Gas gehört zu den besonders klimaschädlichen Substanzen. Verschiedene Nachhaltigkeitsstandards verbessern die Gesamtbilanz und erhöhen den Klimanutzen.

Die Verwendung von Kunststoffen, die aus recycelten oder erneuerbaren Rohstoffen hergestellt werden, kann zu kostengünstigen, qualitativ hochwertigen Produkten mit reduziertem ökologischen Fußabdruck führen. Erneuerbare und recycelte Materialien können zudem verwendet werden, um die Ästhetik von Kunststoffen zu verbessern und ein natürlicheres Look-and-Feel zu schaffen, das die Produktdifferenzierung verbessern kann. Diese Materialien können auch verwendet werden, um die Leistung zu verbessern, die Festigkeit und die Haltbarkeit von Kunststoffteilen zu erhöhen und gleichzeitig die Herstellungskosten zu senken.

Biokunststoffe sind nicht automatisch besser

Laut einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes haben biologisch abbaubare Kunststoffe für Verpackungen, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden, insgesamt keinen ökologischen Vorteil. Die Klimabilanz von Biokunststoffen ist zwar günstiger, dafür gibt es Nachteile bei anderen Umweltbelastungen. Durch den Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für diese Verpackungen versauern Böden und eutrophieren Gewässer stärker als durch die Herstellung herkömmlicher Kunststoffverpackungen. Zudem entstehen höhere Feinstaubemissionen.

Nachhaltigkeit nimmt an Bedeutung zu und einige Unternehmen versuchen damit ein Alleinstellungsmerkmal zu finden. Auch in den Förderlandschaften ist das Thema aktuell. Aufgrund dieser Entwicklung und auch durch den ständigen technischen Fortschritt werden Biokunststoffe aller Art immer mehr auf den Markt drängen. Kritisch ist allerdings die Frage nach der Bezeichnung zu bewerten. Wann ist ein Biokunststoff wirklich ökologisch und ein nachhaltiger Werkstoff? Um dies festzustellen, reicht es nicht, dass die Inhaltsstoffe natürlichen Ursprungs sind. Die Ökobilanz der gesamten Produktzyklen muss stimmen – das gilt auch für die Verwertung und Recyclingfähigkeit.

Der Beitrag erschien zuerst auf dem Portal unserer Schwestermarke MM Maschinenmarkt.

* Carsten Brandt ist Head of Corporate Communications bei Visable/„Wer liefert was” Tel. (0 30) 2 57 62 05 - 19

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