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Simatic IT Siemens setzt die eigene MES-Lösung von Simatic IT ein

Redakteur: Marion Henig

Ist es selbstverständlich, als großes Unternehmen auch unter Nutzung der eigenen Produkte zu produzieren, oder hat vielmehr der Schuster immer die größten Löcher in den Schuhen. Siemens setzt jetzt auch die MES-Lösung Simatic IT aus dem eigenen Haus ein, um in Amberg die Produktion zu optimieren. Lesen Sie die Hintergründe.

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Simatic IT for Manufacturing Execution and Intelligence führt Informationen verschiedenster Datenquellen auch aus mehr als einem Standort zusammen. (Bild: Siemens)
Simatic IT for Manufacturing Execution and Intelligence führt Informationen verschiedenster Datenquellen auch aus mehr als einem Standort zusammen. (Bild: Siemens)

Werksleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Büttner hat eine klare Vorstellung welches die wichtigsten Paramter seines Siemens-Werkes in Amberg sind. Seit zweieinhalb Jahren leitet er das Werk ohne größere Änderungen am Management. Auch bei den Kennzahlen hat sich in dieser Zeit wenig getan. Immer noch produzieren etwa 1000 Mitarbeiter auf rund 10.000 m2 Fläche. Doch die Konstanz, die Büttner ausstrahlt, heißt nicht, dass die Zeit in der beschaulichen Oberpfalz in Ostbayern stehen geblieben wäre. "Höchste Perfektion zu erreichen, ist mein Ziel. Die richtigen Entscheidungen werden von ganz allein getroffen, weil die Mitarbeiter die zwei Top-Prioritätsziele Qualität und Logistik verstanden haben", sagt Büttner. Die Messgröße mit der im Elektronikwerk Amberg, von allen Mitarbeitern nur kurz EWA genannt, seit 20 Jahren der Erfolg der Produktion gemessen wird heißt dpm-A (dpm - Defects per Million). Mittlerweile ist dieser Mittelwert (für das Jahr 2010) bei 17 angekommen, was 0,0017% oder einer Qualität von 99,9983% entspräche, wie er stolz vorrechnet. "Ich kenne niemenden, der in dieser Größenordnung agiert", sagt Büttner.

Fehlerrate soll mit Simatic IT weiter gesenkt werden

Dennoch ist seit kurzem im Siemens-Werk ein ganz neues Zeitalter der Automatisierung angebrochen: Das gesamte Werk wird nach und nach umgerüstet auf die unternehmenseigene MES-Lösung Simatic IT. Bei einem täglichen Ausstoß von einem Produkt pro Sekunde und den oben genannten Fehlerraten sollte man meinen, eine Produktionssteigerung sei nur noch über eine Erweiterung der Produktionslinien zu erreichen. "Menschen haben eine Fehlerrate von 500 bis 800 dpm-A, eine Maschine hingegen 2 bis 8. Deswegen und nicht nur, weil wir selbst ein Automatisierungsunternehmen sind, setzen wir auf Automatisierung", erläutert Büttner den Grund für den Kraftakt, den seine Mitarbeiter stemmen müssen. Daher ist auch ein Hauptgrund für die Umstellung, dass bislang "nur" etwa 75% aller Produkte vollautomatisch hergestellt werden. Ein weiterer Aspekt auf der technischen Ebene ist die durch die Optimierungsprozesse ständig steigende Informationsflut. "Wir haben hier mittlerweile eine Million Messevents pro Tag, um die Produktion zu überprüfen. Je genauer und je mehr wir messen, umso genauer sind wir in der Lage unseren Prozess feinzutunen", sagt Büttner. Allerdings wird es auch immer schwieriger, die Informationen aus allen Einheiten zu koordinieren und zusammenzuführen. Das hat den Druck erhöht, die MES-Lösung von Simatic IT einzuführen.

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Simatic IT hat lange auf sich warten lassen

Von PROCESS angesprochen, warum Siemens erst so spät die eigene Lösung auch in der eigenen Produktion einsetzt, erläutert Giorgio Cuttica, Geschäftsführer Manufacturing Execution Systems bei Siemens, dass auch die eigenen Leute erst von der Lösung der Kollegen überzeugt werden wollten. Für die Mitarbeiter kein kurzer Prozess, nicht nur die IT-Sprache zu sprechen, sondern auch die Mechatronic der Fabrikautomation zu verstehen. Ein kurzer Blick zurück: Nachdem im Jahre 2001 die Übernahme der italienischen Firma Orsi (MES-Software-Hersteller, deren Geschäftsführer Cuttica war) und der belgischen Compex (Entwicklung von Batch-Prozess-Software) die Grundlage für die Entwicklung des Siemens MES-Geschäftes gelegt hatte, folgten weitere Unternehmen in die Siemens-Familie: Im Jahr 2007 das US-amerikanische Unternehmen UGS (digitales Produktdaten-Management, computerunterstütztes Design und Simulation von Fertigungsprozessen) und 2008 Innotec (Lifecycle-Management-Systemen für Anlagen in der Prozessindustrie) sowie schließlich die Elan Software Systems aus Frankreich, Anbieter von MES-Software in der Pharma- und Biotechindustrie. So lag naturgemäß der Fokus des Siemens-MES-Geschäftes auf der Prozessindustrie. Dieser Fokus soll nun nicht zuletzt durch das Ausrollen in den eigenen Fertigunsfabriken auch auf die Fabrikautomation erweitert werden.

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