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Chemisches Recycling Sektorkopplung gefragt: Neue Allianzen braucht das Chemische Recycling

Von M.A. Manja Wühr

Verbraucher fordern es, Politiker auch: mehr Recycling. Deutschland gilt weltweit als Recycling-Nation. Doch das chemische Recycling steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Nicht zuletzt weil es an Investitionssicherheit fehlt. Innovative Mittelständler zeigen dennoch, wie die zirkuläre Wertschöpfung funktioniert.

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(Bild: ©Visual Generation - stock.adobe.com)

6,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle hat Deutschland 2019 laut der Conversio-Studie „Stoffstrombild Kunststoffe 2019“ produziert. Über die Hälfte davon sind Verpackungen, so die Erhebungen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM). Recycelt werden die Kunststoffverpackungen nur zu 55 Prozent. Der Rest wird verbrannt. Dabei kann es nicht bleiben. Denn das Deutsche Verpackungsgesetz fordert von der Industrie ab 2022 für Kunststoffe eine Recyclingquote von 63 Prozent. Verbundverpackungen sollen zu 70 Prozent recycelt werden. Noch offen ist die Frage, wie diese Quote erreicht werden kann.

Mechanisches Recycling ist das vorherrschende Verfahren für das Kunststoffrecycling und an sich sehr effizient – solange es sich um saubere und sortenreine Abfälle handelt. Neben den eingeschränkten Einsatzmöglichkeiten hat die werkstoffliche Aufbereitung einen weiteren Nachteil: Es ist nur ein Downcycling möglich. Christian Haupts, Geschäftsführer des Ingenieurbüros Recenso und Betreiber einer Pilotanlage für chemisches Recycling beschreibt die aktuelle Situation so: „Mit mechanischem Recycling kann ich aus einem Infusionsbeutel nicht wieder einen neuen machen. Das gleiche gilt für Lebensmittelverpackungen. Aber vielleicht wird daraus ein Schuhlöffel. Und aus dem Schuhlöffel entsteht dann eine Einkaufstüte. Daraus machen wir dann einen Stoßfänger, der schlussendlich zu einer Parkbank wird. Und irgendwann haben wir genug Parkbänke.“