Suchen

Sabic-Einstieg bei Clariant Sabic krempelt Clariant systematisch um und stellt auch den neuen CEO

| Redakteur: Alexander Stark

Nachdem der Einstieg von Sabic bei Clariant offiziell ist, hat der neue Großaktionär aus Saudi-Arabien zu den Zielen der Zusammenarbeit Stellung genommen. Lesen Sie jetzt, welche Ziele die beiden Chemieunternehmen verfolgen, ob man sich von Geschäftsteilen trennen will und welche personellen Konsequenzen dieser Schritt in der Chefetage von Clariant nach sich zieht.

Firmen zum Thema

Die Kombination der Geschäfte von Clariant und Sabic umfasst Additive und Masterbatches sowie das Specialties-Geschäft des saudischen Partners.
Die Kombination der Geschäfte von Clariant und Sabic umfasst Additive und Masterbatches sowie das Specialties-Geschäft des saudischen Partners.
(Bild: Scänderberg Sauer Photography/ Clariant )

Muttenz/Switzerland – Mittelpunkt der künftigen Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Spezialchemieunternehmen Clariant und dem saudischen Partner Sabic ist der neue Geschäftsbereich „High Performance Materials“. Clariant soll Medienberichten zufolge die Mehrheit halten. Im Gegenzug will sich der Schweizer Konzern bis 2020 von weniger gewinnbringenden Geschäften aus den Bereichen Plastik und Beschichtungen trennen.

Nach der Schaffung des Geschäftsbereichs High Performance Materials und der Veräußerung des verbleibenden Geschäftsbereichs Plastics & Coatings erwartet das Unternehmen ab 2021 einen höheren Umsatz von rund 8 Milliarden Euro, eine Ebitda-Marge von etwa 20 % und einen Operating Cashflow von über 1,07 Milliarden Euro zu erzielen.

Hariolf Kottmann, CEO von Clariant, erklärte, dass die Aufwertung des Portfolios zusammen mit der Fortsetzung der Strategie es dem Unternehmen ermögliche, einen bedeutenden Schritt in Richtung höherwertiger Spezialitäten zu tätigen. Kottmann selbst wird den nächsten Schritt jedoch in anderer Tätigkeit begleiten. Nach Informationen des Handelsblatts zieht sich Kottmann auf den Posten des Verwaltungsratschefs zurück. Neuer CEO wird Ernesto Occhiello, bisher selbst Leiter der Spezialchemiesparte von Sabic.

Die beabsichtigte Kombination von Clariants Geschäften mit Additiven und hochwertigen Masterbatches (Farbmasterbatches, Hochtemperatur-Kunststoffe und Health Care) mit Teilen des Sabic Specialties-Geschäft wird einen Anbieter von Hochleistungsmaterialien unter dem Namen High Performance Materials schaffen.

Dieser neue Geschäftsbereich wird eine kundenspezifische, durch Anwendungs-Know-how getriebene und wettbewerbsgünstige Produktpalette von thermoplastischen Hochleistungskunststoffen für anspruchsvolle thermische, elektrische, optische und mechanische Umgebungen, Spezialadditive und Masterbatches zusammen mit einer globalen Compounding-Plattform anbieten, so das Unternehmen.

Hauptanwendungsgebiete umfassen Intelligente Elektronik, Health Care, Luft- und Raumfahrt, Automobilindustrie, Robotik, Additiv-Herstellung, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Diese Anwendungen verlangen die Erfüllung strenger Kundenspezifikationen, die exklusives Technologie- und Formulierungs-Know-how erfordern.

Die Fähigkeit von High Performance Materials, Kundenspezifikationen zu erfüllen und technische Vorteile zu bieten, werde die Basis für beschleunigtes Wachstum schaffen, so das Spezialchemieunternehmen. Diese Grundlage zusammen mit Kostensynergien und verbesserter Betriebseffizienz würden substanzielle Profitabilitätsfortschritte fördern und eine höhere Wertschöpfung ermöglichen. Ab 2021 soll der Umsatz von High Performance Materials auf der Basis des Pro-Forma-Umsatzes 2017 von 2,7 Milliarden Euro auf ungefähr 3,56 Milliarden Euro und die Ebitda-Marge, einschließlich Synergien, auf Pro-Forma-Basis 2017 von 19,4 % auf 24-25 % steigen.

Erhebliche Synergien erwartet

Clariant wird den Mehrheitsanteil an der vorgesehenen Geschäftskombination halten. Abhängig von der endgültigen Bewertung, welche beide Parteien in den kommenden Monaten festlegen werden, wird eine Ausgleichsgegenleistung von Clariant an Sabic erfolgen. Der Abschluss der Transaktion wird voraussichtlich gegen Ende des Jahres 2019 mit Wirkung zum 1. Januar 2020 stattfinden, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigungen.

Veräußerung des verbleibenden Plastics & Coatings-Geschäfts

Zusätzlich gab Clariant die Absicht bekannt, ihre Geschäftseinheit Pigments sowie die Geschäfte mit Medical Specialties und Standard-Masterbatches, welche nicht zum neu geschaffenen Geschäftsbereich High Performance Materials gehören, bis 2020 zu verkaufen. Diese Verkaufsentscheidung unterstreiche Clariants Bekenntnis, das Portfolio in Richtung hochwertiger Spezialitäten zu entwickeln, so ein Unternehmenssprecher. Trotz der guten Positionierung und der signifikanten Steigerung der Profitabilität in den vergangenen Jahren entsprechen die zu veräußernden Geschäfte nicht den Kriterien des Konzerns, sich durch Innovation in Bereichen mit höherem Wachstum und höherer Profitabilität zu differenzieren.

Strategische Ausrichtung

Nach einer strategischen Überprüfung kündigte der Konzern zusätzlich für jeden Geschäftsbereich neue Ziele für 2021 an. Profitables Wachstum wird durch nachhaltige Innovationen und spezialisierte Kundenlösungen getrieben, die den Ansprüchen an Komfort, Sicherheit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz gerecht werden. Mit dem strategischen Update und der daraus resultierenden höheren Ergebnisqualität ändert die Grupoe auch das Ebidta-Margenziel von „vor Einmaleffekten“ auf „nach Einmaleffekten“. Infolgedessen soll die Finanzberichterstattung von Clariant ab 2019 entsprechend geändert werden.

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45504870)