Exklusiv-Interview Rohstoffpreise 2009 Rohöl-Preisentwicklung – dahin geht die Fahrt 2009!

Redakteur: Marion Henig

Nach dem besorgniserregenden Anstieg des Rohölpreises ist dieser in den vergangenen Wochen und Monaten stark eingebrochen. Ende 2008 lag der Wert rund 100 Dollar unter dem Spitzenwert. Auch die Ölnachfrage ist 2008 erstmals seit über 20 Jahren gegenüber dem Vorjahr gesunken. Doch wohin geht die Fahrt 2009? PROCESS sprach mit Karoline Nieradzik, Branchenanalystin der IKB Deutschen Industriebank, über die Faktoren, die auf die Preisentwicklung von Rohöl und deren Derivaten einwirken.

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Karoline Nieradzik, Branchenanalystin der IKB Deutschen Industriebank: „Wir erwarten, dass sich der Rohölpreis mittelfristig stabilisieren und in Richtung des von der OPEC gewünschten Bandes zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel Brent bewegen wird.“
Karoline Nieradzik, Branchenanalystin der IKB Deutschen Industriebank: „Wir erwarten, dass sich der Rohölpreis mittelfristig stabilisieren und in Richtung des von der OPEC gewünschten Bandes zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel Brent bewegen wird.“
( Bild: IKB )

PROCESS: Das Jahr 2008 war gezeichnet von einer extremen Berg- und Talfahrt des Ölpreises. Zeichnet sich hierfür allein die schwächere Nachfrage aus der Industrie ab, oder gibt es andere wichtige Faktoren, die maßgeblich zum Preisverfall beigetragen haben?

Karoline Nieradzik: Der Rohölmarkt ist ein stark sensibler Markt und wird neben weltweit politischen Entwicklungen oder Naturkatastrophen, wie z.B. Hurrikans, hauptsächlich durch das Verhältnis von Angebot und Nachfrage determiniert. Durch die globale Konjunkturabschwächung ist die Nachfrage nach Rohöl in den letzten Monaten signifikant zurückgegangen, zuletzt vor allem in den USA. Mit verantwortlich für den starken Rückgang ist auch das Wegfallen spekulativer Nachfrage. Diese hatte besonders in der ersten Jahreshälfte 2008 stark zugenommen. Der Preisverfall in der zweiten Jahreshälfte wurde dem durch das Wegfallen der spekulativen Nachfrageelemente – gerade auch durch die Insolvenz von Lehman Brothers – gerecht.

PROCESS: Der Bedarf an Rohöl ist 2008 erstmals seit über 20 Jahren gegenüber dem Vorjahr gesunken. Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Nachfrage 2009 entwickeln?

Karoline Nieradzik: Für das Jahr 2009 rechnen wir mit einer anhaltenden Konjunkturflaute, so dass auch die Nachfrage nach Rohöl dieses Jahr stagnieren, wenn nicht sogar leicht rückläufig sein wird.

PROCESS: Ein Steuerinstrument des Ölpreises ist die Fördermenge. Welche Signale setzt die OPEC derzeit?

Karoline Nieradzik: Um den Preisrückgang zu stoppen und der schwachen Nachfrage Rechnung zu tragen, kürzt die OPEC schon seit einigen Monaten ihre Fördermengen, zuletzt zum Jahresbeginn. Für 2009 senkte die OPEC aktuell erneut ihre Prognosen für die weltweite Erdölnachfrage. Vor diesem Hintergrund ist die Organisation weiterhin bereit, Förderkürzungen vorzunehmen, um den Ölmarkt zu stabilisieren. Das nächste reguläre Treffen findet erst im März statt. Eventuell könnten jedoch leichte Kürzungen diesem Termin vorgezogen werden.

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PROCESS: Wie beeinflussen die Rohölvorräte der USA den Preisverlauf und welche Entwicklungstendenzen zeichnen sich hier ab?

Karoline Nieradzik: Die USA ist als weltweit größte Volkswirtschaft ein wichtiger Abnehmer für Rohöl und besitzt deshalb einen wesentlichen Einfluss auf die Entwicklungen des Ölmarktes. Momentan sind die US-Öllager auf einem im langfristigen Vergleich hohen Niveau. Bei einer anhaltend schwachen Nachfrage gehen von den jetzigen Lagerbeständen deshalb keine Preisanhebungsrisiken aus. Allerdings sollte zwischen dem Preis für das europäische Brentöl und dem Preis für WTI-Öl unterschieden werden. Der Konflikt im Nahen Osten sowie der Gasstreit zwischen der Ukraine und Russland hatte beim Brentöl zuletzt zu Preisausschlägen geführt.

PROCESS: Wie lautet Ihre Rohölpreis-Prognose für die kommenden Wochen und das Gesamtjahr 2009?

Karoline Nieradzik: Vor dem Hintergrund der sehr unbeständigen weltweiten Wirtschaftsentwicklung ist eine Prognose für das Jahr 2009 nur mit Vorsicht zu genießen. Aber wir erwarten, dass sich der Rohölpreis mittelfristig stabilisieren und in Richtung des von der OPEC gewünschten Bandes zwischen 80 und 100 Dollar pro Barrel Brent bewegen wird.

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