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Interview Meilenstein Ventiltechnik/Fluid Control Querdenker mit System: Das Ventil der Zukunft will (und wird) mitreden

| Autor/ Redakteur: Das Interview führte Dominik Stephan* / Dominik Stephan

Die Fluidtechnik kann mehr – wenn man sich traut, auch einmal um die Ecke zu denken – In fast jedem Prozess müssen flüssige oder gasförmige Medien gemessen, gesteuert und geregelt werden. Aber nutzen wir auch das ganze Potenzial, das Ventile, Durchflussmesser und Co. bieten? Die Fluidikspezialisten bei Bürkert sind jedenfalls auch nach 70 Jahren noch lange nicht am Ende.

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„Das Ventil der Zukunft wird irgendwann seine Ersatzteile selbst bestellen, inklusive der Terminierung des Servicetechnikers.“ - Frank Hils Seit Ende 2013 Geschäftsführer der Bürkert-Verkaufsgesellschaft Wirtschaftsingenieur mit über 20 Jahren Erfahrung in der Mess- und Automatisierungstechnik Schon 2004 sammelte er Erfahrungen als Leiter des System- und Lösungsgeschäfts eines Messgeräte-Herstellers
„Das Ventil der Zukunft wird irgendwann seine Ersatzteile selbst bestellen, inklusive der Terminierung des Servicetechnikers.“ - Frank Hils Seit Ende 2013 Geschäftsführer der Bürkert-Verkaufsgesellschaft Wirtschaftsingenieur mit über 20 Jahren Erfahrung in der Mess- und Automatisierungstechnik Schon 2004 sammelte er Erfahrungen als Leiter des System- und Lösungsgeschäfts eines Messgeräte-Herstellers
(Bild: Bürkert)

Das Magnetventil revolutioniert, die Durchflussmessung neu erfunden und auf dem besten Weg ins Industrie-4.0-Zeitalter: Bürkert ist 2019 viel mehr als nur ein Ventilhersteller. Die Fluidikspezialisten präsentieren sich mit Systemlösungen und Rundum-Service als kompetente Partner für das Messen, Steuern und Regeln von Medienströmen. Mit Technologiekompetenz, Mut und einem Ohr an den Prozessen und Anforderungen der Anwendungsindustrie wollen CEO Heribert Rohrbeck und Frank Hils, Geschäftsführer der Bürkert-Verkaufsgesellschaften Deutschland, Österreich und Schweiz, die Fluidik-Meilensteine der Zukunft setzen.

? Herr Rohrbeck, Herr Hils, in der Unternehmenschronik finden sich für Christian Bürkert die Attribute Weitblick, Erfindergeist und Tatkraft. Ist das für Sie heute noch ein Leitbild?

Rohrbeck: Wir haben uns einmal Zeit genommen und überlegt: Wenn Bürkert eine Person wäre, was hätte sie für Eigenschaften? Da sind vor allen Dingen der Mut – und natürlich die Erfahrung über 70 Jahre Mess-, Steuer-, Regelungstechnik für Flüssigkeiten und Gase. Dazu kommt die Nähe zum Kunden, aber auch die Nähe untereinander. Mut subsumiert den Tatendrang, den Erfindergeist und das Nach-Vorne-Schauen. Dazu gehört auch, heute etwa im Bereich Industrie 4.0, aktiv zu werden.

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Hils: Ich möchte Verlässlichkeit ergänzen. Das ist gerade in der heutigen Zeit für den Kunden ein wichtiges Kriterium. Dabei geht es nicht nur um Fakten oder das, was mit technischen Daten messbar ist, sondern auch um scheinbar weiche Faktoren: die Zuverlässigkeit und Partnerschaft zum Kunden.

? Mit der Bürkert-Cloud haben Sie schon einen großen Schritt in Richtung Industrie 4.0 getan. Wie geht es jetzt weiter?

Rohrbeck: Mit Lösungen wie den vernetzten Dosierköpfen ist Industrie 4.0 für uns technologisch nichts grundlegend Neues – jetzt geht es um neue und alternative Geschäftsmodelle. Ich halte es für denkbar, dass ein Kunde etwa nicht mehr einen Sensor kauft, sondern die Überwachung des Messwertes bei uns beauftragt.

Hils: Industrie 4.0 kann auch bedeuten, Echtzeitdaten zu erfassen und damit die Ausfallwahrscheinlichkeit berechnen, in Modellen und Algorithmen abbilden und sogar bei der Auslegung der Anlage nutzen zu können. Gefordert ist eine hohe Interaktion zwischen Fluidikhersteller und Kunden, die Bereitschaft, Wissen zu bündeln und aus den gesammelten Daten gemeinsam Schlüsse zu ziehen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben, weil wir über die entsprechenden Schnittstellen verfügen.

"Das Ventil der Zukunft wird intelligenter"

? Wie wird in diesem Zusammenhang das Ventil der Zukunft aussehen? Wird es intelligenter?

Hils: Ja, es wird intelligenter: Es wird Algorithmen integrieren, die auf Basis der tatsächlichen Beanspruchung dem Anwender den Verschleiß vor Ort anzeigen. Es wird irgendwann auch seine Ersatzteile selbst bestellen, inklusive der Terminierung des Servicetechnikers. All das ist technisch schon heute machbar. Was fehlt sind die Algorithmen. Und natürlich muss auch der Kunde mitmachen.

? Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang die Bürkert- Systemhäuser?

Rohrbeck: Wir müssen der Tatsache Rechnung tragen, dass die heutigen Komponenten morgen mit einem Fragezeichen zu versehen sind. Das heißt nicht, dass wir in Zukunft keine Wasserventile mehr herstellen oder verbessern wollen – aber es muss klar sein, dass ein „Downgrading“ im Markt stattfindet. Was vor 20 Jahren noch Premium-Produkte für Spezialanwendungen waren, kommt heute auf breiter Front zum Einsatz. Die Systeme von heute sind letztendlich die Komponenten von morgen und sichern so auch den Bestand unserer Produktionseinheiten in Zukunft.

Meilensteine aus 70 Jahre Fluidik-Kompetenz: Wie Bürkert zum Global-Player der Ventiltechnik wurde:

Vom Magnetventil zur vernetzten Fluidik-Plattform: Bürkert lässt Ideen fließen

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? Wie finden Sie im Wechselspiel zwischen Ventilkompetenz und dem Kundenproblem passende Lösungen?

Rohrbeck: Das Wichtigste ist, dem Kunden zuzuhören und sein Problem zu verstehen. Das bedeutet auch, das eigene Nutzenversprechen zu begreifen, um sich so wirklich in seine Rolle als Lieferant versetzen zu können. Früher haben wir mit dem Bauchladen verkauft und gesagt: Kauft Ventile! Heute gehen wir zum Kunden, hören zu und holen zum gegebenen Zeitpunkt die richtige Lösung aus dem Rucksack.

"Was will der Kunde?" - Warum Wertschöpfung an den Schnittstellen entsteht

? Gibt es denn in der Fluidtechnik disruptive Entwicklungen?

Hils: Wir sind zuversichtlich, dass sich die Fluidik nur in wenigen Fällen virtualisieren lässt. Wenn Sie Wasser oder Gase brauchen, brauchen Sie auch Absperrorgane. Solange es Prozesse gibt, wird es eine Notwendigkeit geben, Medienströme zu messen, zu steuern und zu regeln.

? Wie bekommen Sie dabei die Wertschöpfungskette, von der Entwicklung bis zur Systemproduktion, unter einen Hut?

Rohrbeck: Indem man die klassische Aufbauorganisation vergisst und sich überlegt: Was will der Kunde? Für den Anwender ist wichtig, dass die richtigen Leute an den entscheidenden Schnittstellen zusammensitzen. Das geht im Systemhaus, weil wir nicht nur ein Produkt, sondern eine ganze Applikationslösung erarbeiten.

? Was können wir in Zukunft von Bürkert erwarten?

Rohrbeck: Dass wir über Grenzen hinausgehen, und uns nicht auf dem Erreichten ausruhen, sondern uns nach wie vor fit halten und selbst in Frage stellen. Dann wird, wenn das Umfeld stimmt, auch von zehn Ideen mindestens eine etwas werden. Dazu braucht es auch auf Seite der Kunden ein wenig Mut, aber wenn der Funke überspringt, können wir so gemeinsam Werte schaffen.

Hils: Es gibt Kunden, für die ein System das richtige ist – das bedeutet typischerweise eine höhere Integration in der Wertschöpfungskette des Kunden. Oft hören wir die Frage: Entwickelt ihr euch vom Produkt- zum Systemhersteller? Ich sage dazu immer, dass es dabei nicht um eine Entwicklung von A nach B, sondern eine zusätzliche Option für den Kunden geht. Dazu kommt als dritte Säule das Dienstleistungsgeschäft, also Inbetriebnahme, Wartung, Umbauten und Kapazitätserweiterungen.

Die Prozessindustrie braucht Mut

? Hat dabei die Prozessindustrie eine Sonderstellung?

Rohrbeck: Die Prozessindustrie ist zumindest zum Teil eine konservative Branche. Das ist auch verständlich, ist doch eine Batch-Produktion etwa in der Feinchemie oder der Pharmaindustrie sehr aufwändig und teuer. Trotzdem gibt es auch hier Ansätze, etwa durch die Nutzung von Single-Use-Technologien, effizienter zu werden. Ich denke, wenn unsere Diskussion dazu beiträgt, dass Kunden den Mut haben, Dinge infrage zu stellen, haben wir die Möglichkeit, mit unserer Expertise einen Mehrwert zu schaffen.

Herr Rohrbeck, Herr Hils, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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