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Hartkunststoff Niedriger Ölpreis beeinflusst Wirtschaftlichkeit von Hartkunststoff-Recycling

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Tobias Hüser

Das Recycling von Kunststoff-Prozessabfällen ist mittlerweile Standard. Bei der Verwertung von Post-Consumer-Abfällen ist das Optimum noch nicht erreicht. Wie ein aktuelles Projekt von vier österreichischen Unternehmen im Kunststoff-Cluster zeigt, ist das Know-how und die Technologie zur stofflichen Wiederverwertung vorhanden, der Ölpreis ist aber mitbestimmend, in welchem Maße sie eingesetzt werden.

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An der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils wird weiter gearbeitet: Hans Grubmüller, Geschäftsführer von Innplast, bei der Besichtigung des PS-Granulats an der Extrusion.
An der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils wird weiter gearbeitet: Hans Grubmüller, Geschäftsführer von Innplast, bei der Besichtigung des PS-Granulats an der Extrusion.
(Bild: Innplast)

Linz/Österreich – Die in den Sammelzentren anfallende Hartkunststoff-Fraktion wird oft nur thermisch verwertet, sprich verbrannt. Denn derzeit gibt es für diese Fraktion von Sachgütern aus Kunststoffen nach dem Ende der Lebensdauer in Österreich kaum Wiederverwertungsmöglichkeiten. Dies könnte dazu führen, dass die in manchen Sammelzentren mühevoll eingeführte gesonderte Sammlung dieser Fraktion in den Abfallzentren wieder eingestellt wird.

Zu den Hartkunststoffe gehören großvolumige Teile aus „harten“ Kunststoffen, d.h. keine Folien oder kleinvolumige Verpackungen wie Joghurtbecher oder PET-Flaschen. Beispiele sind Großbehälter für Flüssigwaschmittel, Wäschekörbe, Gartenmöbel, Kleiderbügel. Rund 65 % dieser Fraktion besteht aus Polyolefinen. Noch wird diese Fraktion aufgrund der suboptimalen Verwertungsmöglichkeiten nicht flächendeckend in den Sammelzentren gesammelt, trotzdem betragen die anfallenden Mengen allein in Oberösterreich bereits 1.200 t/a.

Regranulat fast genauso gut wie Neuware

Um diese brachliegenden Rohstoff-Ressourcen zu nutzen, haben vier Partnerunternehmen des Kunststoff-Clusters (Transfercenter für Kunststofftechnik, nnplast Kunststoffe, Erema Engineering Recycling Maschinen und Anlagen, Katzengruber Kunststofftechnik) gemeinsam in einem Cluster-Kooperationsprojekt an einer Lösung gearbeitet, wie diese Hartkunststoff-Fraktion sinnvoll stofflich aufgearbeitet und verwertet werden kann. Der Hartkunststoff wurde geschreddert und die Polyolefine (rund 65 % dieser Fraktion) mit dem Sink-Schwimm-Verfahren abgetrennt und gewaschen. Mittels verschiedener Anlagenkonzepte und Filtertechnologien wurde auf Recycling-Versuchsanlagen daraus Regranulat hergestellt. Aus dem rezyklierten Material wurden unterschiedliche Bauteile gespritzt. Die Bauteile wurden in ihren Eigenschaften mit Bauteilen, hergestellt aus Neuware, verglichen. Das Material wurde während des Prozesses immer wieder mechanisch, thermisch und rheologisch charakterisiert und bei Bedarf durch Zugaben modifiziert.

Das Ergebnis des im Frühjahr 2016 abgeschlossenen Projekts: Die gesamte Prozesskette von der Reinigung, Aufbereitung und Rezeptierung bis hin zur Herstellung neuer, hochwertiger Produkte im Spritzgießverfahren wurde technologisch dargestellt und optimiert. Letztendlich zeigte sich, dass das so hergestellte Regranulat nur geringfügigst schlechtere mechanische Eigenschaften als Neumaterial aufweist und als Ersatz für Neuware bestens geeignet ist. Mit diesem Wissen und der optimierten Prozesstechnologie kann diese bis dato ungenutzte Fraktion sinnvoll stofflich wiederverwertet werden.

Wermutstropfen bleibt

Klar zeigte sich aber auch, dass die Wirtschaftlichkeit an den Preis der Neuware gekoppelt ist. Der aktuell niedrige Ölpreis macht die stoffliche Verwertung dieser Fraktion – trotz nun vorhandenem Wissen und optimaler Technologie defacto fast unmöglich. Ein Projektpartner arbeitet deshalb jetzt nach Projektende an der Nutzbarmachung des Polystyrol-Anteils dieser Fraktion weiter. Wenn es gelingt, neben den Polyolefinen auch diesen Anteil zu verwerten, wäre auch in Zeiten eines niedrigen Ölpreises die Wirtschaftlichkeit gesichert.

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