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50-Millionen-Euro-Invest Neue Konti-Anlage macht Pfizer zum Branchenprimus

Autor / Redakteur: Sabine Mühlenkamp / Dr. Jörg Kempf

In Freiburg fällt der Startschuss für die erste kontinuierlich arbeitende Produktionsanlage. Damit katapultiert sich Hersteller Pfizer technologisch an die Spitze der Branche. 50 Millionen Euro investiert der Konzern hierfür in den Standort.

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Einwaage, Dosierung, das Behälterhandling und die Reinigung geschehen in der CMT-Anlage vollautomatisch.
Einwaage, Dosierung, das Behälterhandling und die Reinigung geschehen in der CMT-Anlage vollautomatisch.
(Bild: Pfizer)

Während in der chemischen Industrie Konti-Verfahren zum Alltag gehören, gleicht deren Einführung in der phamazeutischen Produktion einer kleinen Revolution. Dabei ist es weniger das Verfahren an sich, das Schwierigkeiten bereitet. Der Knackpunkt ist der Nachweis, dass z.B. ein Pulver in genau definierter Zusammensetzung gemischt wird und eben jede Tablette exakt den gleichen Wirkstoffanteil enthält. Dennoch laufen seit einigen Jahren in der Pharmaindustrie die Entwicklungsarbeiten für die kontinuierliche Produktion auf Hochtouren.

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Industrie 4.0 zieht in die Pharmaproduktion ein

„Die größte Herausforderung lag sicher in der Entwicklung der dazu gehörigen Prozessanalytik sowie der Freigabeprozeduren“, erklärt Dr. Axel Glatz, Standortleiter von Pfizer Freiburg. So gilt die Online-Qualitätsmessung als Schlüsselelement für die kontinuierliche Fertigung. Sie bindet die notwendige Qualitätssicherung in die laufende Produktion ein.

Homogenität, Zusammensetzung und Reinheit können heute bereits im Fluss überprüft werden. „Wir haben sehr viel Forschungsarbeit in die Untersuchung der Korrelation zwischen Spektren im IR-Bereich und chemischer Zusammensetzung sowie dem Verunreinigungsgrad investiert. Die Auswertung der Spektren ist hoch komplex und wird von Rechenprogrammen übernommen“, nennt Glatz nur ein Beispiel für die vielfältigen Herausforderungen. Nun können während des Herstellprozesses 20 Kapseln entnommen und deren Spektren überprüft werden. Nach nur 20 Sekunden erfolgt die Freigabe. Langwierige Laboruntersuchungen gehören somit der Vergangenheit an.

Ein weiteres Kernelement ist die von Pfizer entwickelte sogenannte Continuous Mixing Technology (CMT). Mithilfe dieser kontinuierlichen Mischtechnologie werden Wirk- und Hilfsstoffe zu einer homogenen Mischung vermengt. Der Aufwand hat sich nach Aussage von Glatz gelohnt: „Das Ereignis strahlt über den Standort hinaus. Wir haben die einmalige Chance, ein neues Verfahren weltweit zu etablieren.“

Mit der CMT-Anlage, die in enger Kooperation mit Hochschulen und Unternehmen aus Europa und der Region Freiburg entwickelt und errichtet wurde, verfügt Pfizer über eine der modernsten Produktionsanlagen in der gesamten Pharmabranche. Künftig erfolgen die Dosierung der Rohstoffe sowie das Mischen der Komponenten zu homogenen Pulvermischungen in großen Volumina in einem vollautomatisierten und ununterbrochenen Arbeitsprozess. So laufen etwa die Wareneingangsprüfung mithilfe von Nah-Infrarot-Spektroskopie (NIR), die Einwaage und die Dosierung ebenso vollautomatisch ab wie der Materialtransport im Werk mithilfe funkgesteuerter Fahrzeuge, den Automated Guided Vehicles. Auf diese Weise optimiert die CMT-Anlage die Produktion von Pulvermischungen für die Herstellung von Tabletten und Kapseln signifikant.

Unabdingbar für die kontinuierliche Fertigung und die Funktionsweise der CMT-Anlage sind Prozesse, die sich in Echtzeit exakt selbst abstimmen. Das setzt ein hohes Maß an Vernetzung und Digitalisierung voraus, ist also nichts anderes als Industrie 4.0. „Pfizer Deutschland und das Werk Freiburg sind damit Technologieführer in der Herstellung von Medikamenten in intelligenter Produktionsumgebung nach Industrie 4.0- Maßstäben“, betonte Peter Albiez, Vorsitzender der Geschäftsführung Pfizer Deutschland, anlässlich der Eröffnung.

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