Worldwide China Indien

Biogasanlage

Neue Biogasanlage im Industriepark Höchst

05.07.2007 | Autor / Redakteur: Gabriele Rzepka / Anke Geipel-Kern

Offizieller Knopfdruck – Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer Infraserv Höchst und der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel weihen die neue Biogas-Anlage ein. Mohr ist überzeugt davon, dass die Co-Fehrmentationsanlage den Standort Höcst attraktiver und kostengünstiger macht. Bild: Infraserv
Offizieller Knopfdruck – Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer Infraserv Höchst und der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel weihen die neue Biogas-Anlage ein. Mohr ist überzeugt davon, dass die Co-Fehrmentationsanlage den Standort Höcst attraktiver und kostengünstiger macht. Bild: Infraserv

Die neue Biogasanlage im Industriepark Höchst soll Entsorgungsmöglichkeiten für organische Abfälle bieten und dadurch die Attraktivität erhöhen. „Die Biogasanlage ist ein gutes Beispiel für die Verschmelzung von Energie- und Abfallwirtschaft. Wir werden die Energiepreise hier im Industriepark damit stabilisieren können“, Dr. Roland Mohr, Geschäftsführer von Infraserv.

Die Betreibergesellschaft Infraserv versorgt die rund 90 Chemie-, Pharma- und Biotechnologieunternehmen des Industrieparks mit Energie. „Mit dem Bau der Biogasanlage wollen wir einen Beitrag zum Klimaschutz leisten“, so Mohr. Eine für das Jahr 2009 geplante Ersatzbrennstoff-Anlage soll diesen Trend fortsetzen. Aufbereitete, heizwertreiche Abfallfraktionen liefern dabei den Brennstoff zur Energiegewinnung.

Durch die Vergütung der Energie aus Biogas und Biomasse nach dem „Erneuerbaren Energien Gesetz“, kann Infraserv den Unternehmen am Standort Energie zu einem günstigen Preis anbieten. „Das erhöht die Attraktivität des Industrieparks für viele Unternehmen“, freut sich Infraserv-Geschäftsführer Dr. Roland Mohr.

Organische Abfälle

Die Idee, Energie aus Abfall zu gewinnen ist nicht neu. Mit kommunalen Klärschlämmen ist dies längst alltägliches Geschäft. Die Neuheit an der Biogasanlage im Industriepark Höchst besteht darin, dass die Bakterien in dem anaeroben Prozess statt kommunaler Abwässer, industrielle vorgesetzt bekommen. Angereichert mit organischen Abfällen aus Industriebetrieben.

„Früher, als wir noch richtig schwere Chemie hier am Standort hatten, wäre das aufgrund der damaligen Klärschlammzusammensetzung unmöglich gewesen“, erläutert Franz Stamer, Leiter Verfahrenstechnik im Geschäftsfeld Entsorgung bei Infraserv.

Die Mischung macht´s

Viele der damaligen Inhaltsstoffe des Abwassers waren den Bakterien nicht bekömmlich. Durch die neue Industriestruktur haben sich die Voraussetzungen jedoch laut Stamer geändert: „Wir haben uns hier immer mehr zu einem Pharmastandort entwickelt. In der heutigen Klärschlammzusammensetzung finden wir keine, für die Bakterien toxischen Bestandteile mehr.“

Sensible Lebewesen

Denn sensibel sind die Tierchen. Ist das Substrat nicht nach ihrem Geschmack, stellen sie nicht nur die Biogasproduktion ein, sie sterben sogar. Die Mischung aus Klärschlamm und organischen Abfällen, den Co-Substraten, wie Fermentationsrückstände, überlagerte Lebensmittel und dergleichen, soll in naher Zukunft für ein appetitliches Mahl sorgen.

Alte Technik, neuer Input

30 000 Kubikmeter Biogas pro Tag sollen als „Verdauungsprodukt“ in einigen Monaten anfallen. Daraus entstehen dann etwa vier Megawatt Strom und zwei Megawatt Wärme. Sie gelangen direkt in das parkeigene Versorgungsnetz. Für diese Leistung braucht die Anlage 300 000 Kubikmeter vorentwässerten Klärschlamm, der im Industriepark anfällt. Hinzu kommen 90 000 Kubikmeter organische Abfälle, die Co-Substrate.

Strom und Wärme entstehen

In zwei 30 Metern hohen Fermentern mit einem Volumen von 11 000 Kubikmetern entsteht bei kräftiger Durchmischung das begehrte Biogas. Das angeschlossene Blockheizkraftwerk setzt das Gas in Strom und Wärme um. Der stabilisierte Klärschlamm gelangt nach der Fermentation aus dem Fermenter in eine Filterpresse. Das anfallende Filtrat geht über eine Nitrifikationsstufe dann in die Abwasserreinigungsanlage. Die Klärschlammverbrennungsanlage entsorgt den verbleibenden Filterkuchen.

Von klein zu groß

Die Idee zu der Anlage kam den Verfahrenstechnikern bereits 2003. Baubeginn war im Juni 2006. Seit dem Jahr 2004 betreiben sie eine Technikumanlage mit zwei ein Kubikmeter Behältern. Die Zusammensetzung der Nahrung für die Bakterien aus Klärschlamm und Co-Substrat stand dabei auf dem Prüfstand. Im Focus hatten die Techniker außerdem die Optimierung der Biogasausbeute. Auf das Verhältnis Klärschlamm zu Co-Substrat kam es dabei an. Auf der Basis der Ergebnisse aus der Technikumanlage wagten sich die Verantwortlichen dann an das Scale-up.

Neues Nahrungsangebot

In den nächsten Monaten steht die Züchtung der Bakterien im Mittelpunkt der Aktivitäten. Mit Klärschlamm aus kommunalen Abwässern füttern die Biogasexperten die Bakterien zunächst einmal an. Nach und nach fügen sie kleine Mengen industriellen Klärschlamms und Co-Substrat hinzu, bis sich die fleißigen Kleinlebewesen an ihre neue Nahrung gewöhnt haben.

„Dieser Vorgang nimmt einige Zeit in Anspruch“, bekräftigt Stamer. Auch die Prozessleittechnik muss noch einer Überprüfung standhalten. Es wird also noch einige Monate dauern, bis die erste Kilowattstunde aus der neuen Anlage zur Verfügung steht.

Politische Rückendeckung

Zur Einweihung der Biogasanlage ließ es sich der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel nicht nehmen, persönlich zu erscheinen. Bis 2015 will das Land Hessen den Anteil erneuerbarer Energien auf 15 Prozent erhöhen. Ein Energiemix aus Kernenergie, fossilen Energieträgern und erneuerbaren Energien ist das Ziel.

Geradezu enthusiastisch äußerte sich Dietzel: „Wir als Land Hessen setzen auf Biogas und Biomasse. Nur so können wir unser Ziel bis 2015 erreichen. Wir hoffen, dass diese Anlage hier Ausstrahlung auf andere Standorte hat und sie möglichst häufig nachgebaut wird.“

Die Autorin ist freie Mitarbeiterin bei PROCESS.

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 216455 / Engineering)