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Spezialchemie-Milliardenfusion Nächster Paukenschlag – Clariant fusioniert mit Huntsman und will Arbeitsplätze abbauen

| Autor: Wolfgang Ernhofer

Das Fusionskarussell dreht sich weiter: Der Schweizer Chemiekonzern Clariant will sich mit der US-Firma Huntsman zusammenschließen. Dabei würde das entstehende Unternehmen den Namen Huntsman-Clariant erhalten und einen Umsatz von 11,8 Milliarden Euro erwirtschaften. Unumgänglich sei auch ein Stellenabbau, so Clariant-Chef Hariolf Kottmann gegenüber der Wirtschaftswoche.

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Clariant-CEO Hariolf Kottmann (re.) und Huntsman-Chef Peter Huntsman wollen die beiden Unternehmen vereint in eine erfolgreiche Zukunft steuern.
Clariant-CEO Hariolf Kottmann (re.) und Huntsman-Chef Peter Huntsman wollen die beiden Unternehmen vereint in eine erfolgreiche Zukunft steuern.
(Bild: Giorgia Müller / Clariant )

Würzburg – Wachstumsmöglichkeiten für die Chemieindustrie sind beschränkt, deshalb konzentrieren sich viele Unternehmen auf Übernahmen und Fusionen. So auch Clariant, die sich über einen Aktientausch mit dem amerikanischen Wettbewerber Huntsman zusammenschließen wollen. Demnach sollen Clariant-Aktionäre 52 % der neuen Gesellschaft halten, die Huntsman-Eigner die restlichen 48 %. In einer Pressemitteilung des Schweizer Konzerns ist die Rede von einem „merger of equals“, also einer Fusion zweier Unternehmen auf Augenhöhe.

Nach der Vereinigung würde Clariant-CEO Hariolf Kottmann das Präsidium des paritätisch besetzten Verwaltungsrates übernehmen. Peter Huntsman – momentan Verwaltungsratspräsident und CEO – ist designierter Leiter des operativen Geschäfts. Der neue entstandene Chemiekonzern soll in Pratteln in der Schweiz beheimatet sein, würde die operativen Geschäfte allerdings von The Woodlands in Texas/USA führen.

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Das neu geschaffene Unternehmen geht von einem Unternehmenswert von ca. 17,9 Milliarden Euro, einem Umsatz von rund 11,8 Milliarden Euro und einem bereinigten operativen Ergebnis von gut 2 Milliarden Euro aus.

Stellenabbau bei Servicefunktionen angekündigt

Gegenüber dem Magazin Wirtschaftswoche räumte der designierte Präsident des neuen Unternehmens, Hariolf Kottmann, bereits ein, dass ein Stellenabbau nötig sei. Dabei soll es vor allem Personal in den Servicefunktionen der Regionen wie IT, Finanzen, Personal und Einkauf treffen. Genaue Zahlen wurden von Kottmann aber nicht genannt.

Die Hochzeit der beiden Unternehmen soll bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein. Anschließend ist geplant, dass Huntsman-Clariant sowohl an der Schweizer Börse, als auch an der New York Stock Exchange gelistet wird.

Mit dem Zusammenschluss würde das Unternehmen einen mächtigen Sprung in der Tabelle der größten Chemieunternehmen machen. Vor allem im Bereich Spezialchemikalien, rückt Huntsman-Clariant dem deutschen Branchenprimus Evonik mächtig nahe und zieht mit dem Bayer-Ableger und bisherigen Evonik-Verfolger Covestro gleich. Kottmann kündigte bereits weitere internationale Akquisitionen – vor allem im chinesischen Markt will das Unternehmen wachsen – an. Laut Wirtschaftswoche will Huntsman-Clariant in den kommenden fünf bis zehn Jahren eine Größe zwischen 13,5 und 15,2 Milliarden Euro erreichen. Damit wäre der Konzern mindestens gleichauf mit Evonik, die momentan einen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro verzeichnen.

Evonik reagiert gelassen

Der Essener Konzern reagiert – laut Informationen der Nachrichtenagentur Reuters – gelassen: Auf der Hauptversammlung erwiderte der scheidende Unternehmenschef Klaus Engel, dass Wettbewerb das Geschäft belebe und die Schnittmenge der Geschäfte seines Unternehmens mit Huntsman-Clariant „überschaubar“ sei. Christian Kullmann, der neue Evonik-Vorstandsvorsitzende, wird nach den Übernahmen des Spezialadditivgeschäfts von Air Products für 3,5 Milliarden Euro, sowie der Silicia-Sparte von JM Huber für rund 590 Millionen Euro, trotzdem alle Hände voll zu tun haben, um das Unternehmen auf Kurs zu halten und dem Aufsteiger Huntsman-Clariant Paroli zu bieten.

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