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Interview Meilenstein Pumpentechnik „Nachhaltigkeit ist unser Geschäft“: Zwischen Fluidik, Digitalisierung und Wasser für die Welt

Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Bittermann / Dominik Stephan

Wie will der Pumpenhersteller Grundfos seine globale Position als Nummer 1 verteidigen? Und wie bereitet sich das Management auf zukünftige Herausforderungen vor? PROCESS befragte dazu Mads Nipper, CEO und Konzern-Präsident.

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„Unser Ziel ist die cleverste und am intelligentesten umgesetzte digitale Transformation eines Industrieunternehmens. Und das so, dass Andere davon lernen können - und wir uns als globaler Marktführer profilieren, der entscheidend zur Lösung der weltweiten Wasser- und Klimaherausforderungen beiträgt.“ - Nippers Vision im Grundfos Digital Transformation Office
„Unser Ziel ist die cleverste und am intelligentesten umgesetzte digitale Transformation eines Industrieunternehmens. Und das so, dass Andere davon lernen können - und wir uns als globaler Marktführer profilieren, der entscheidend zur Lösung der weltweiten Wasser- und Klimaherausforderungen beiträgt.“ - Nippers Vision im Grundfos Digital Transformation Office
(Bild: Grundfos)

Herr Nipper, die digitale Transformation ist auch in Ihrer Branche entscheidend. Welche Visionen gibt es bei Grundfos?

Mads Nipper: Digitalisierung hat am Ende des Tages das Ziel der „Operational Excellence“: Qualität und Effizienz auf Basis einer stabilen Prozessführung, Anlagenverfügbarkeit und Flexibilität. Dazu beschäftigen sich bei uns rund 150 Entwickler im „Digital Transformation Office“ mit netzwerkfähigen Produkten und Apps ebenso wie mit digitalen Auftrags- und Abwicklungsprozessen und Services. Mit unserem Pumpen-Wissen und dem Know-how der Betreiber entwickeln wir technische Lösungen und Business-Konzepte. Eine zentrale Erkenntnis: Alle Projektpartner müssen hergebrachte Strukturen vergessen! Flexibilität und der Mut zu 80-Prozent-Lösungen sind zwingend bei der digitalen Transformation.

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Sie sind bereits eine Reihe von Kooperationen eingegangen. Wie identifiziert Grundfos diese?

Nipper: Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen ist, dass sie versuchen, alles selbst zu machen. Angesichts gemeinsamer Interessen und komplementären Lösungen arbeiten wir etwa mit Siemens daran, den Energieverbrauch zu reduzieren. Wir suchen nach Partnern, die uns ergänzen. Vor diesem Hintergrund sind wir vor zwei Jahren eine Partnerschaft mit Augury eingegangen, einem führenden Anbieter von KI-Diagnoselösungen für mechanische Anlagen. Seit Februar diesen Jahres bieten wir eine Reihe entsprechender Dienstleistungen. Die Kombination aus KI-basierten Lösungen mit umfassendem Anwendungs-Know-how hat das Potenzial, die Wasserbereitstellung wie wir sie kennen, zu verändern.

Pumpen-Champions brauchen Anwendungswissen

Werden Ihnen nicht branchenfremde Dienstleister lukrative Geschäfte abnehmen?

Nipper: Das sehe ich gelassen. Der industrielle Betreiber will mit hoher Zuverlässigkeit und möglichst effizient ein Medium von A nach B bewegen. Dazu die günstigste Möglichkeit zu finden, ist nicht trivial. Deshalb sind Berater mit „Stallgeruch“ so wichtig.

„Water as a service“ könnte kommen – aber wer bietet das an? Grundfos oder ein anderer Anbieter als Iwater?

Nipper: „Water as a service“ ist in der Tat eine Option. Kunden kaufen heute eine Pumpe, was sie aber brauchen, ist die Verfügbarkeit eines Mediums mit einer bestimmten Temperatur, Druck und Volumen. Denkbar sind Konzepte, bei denen der Kunde das Fördern eines Mediums von A nach B bezahlt. Dem Dienstleister fällt die Aufgabe zu, diesen Prozess so effizient wie möglich zu gestalten. Natürlich könnten auch neue Player antreten: Daten zu erfassen ist keine Kunst. Es kommt darauf an, diese zu interpretieren. Dazu bedarf es des Know-hows erfahrener Pumpen-Spezialisten. Und man muss Wasser „verstehen“: Unser in Jahrzehnten etabliertes Wissen kann sich kein Branchenfremder in kurzer Zeit antrainieren.

Das Angebot Ihres Unternehmens ist in den letzten Jahren stetig gewachsen. Was können wir in nächster Zeit erwarten?

Nipper: Wir haben uns dafür entschieden, ausgewählte Geschäftsfelder zu priorisieren, in denen das Unternehmen tätig ist oder eine realistische Chance hat, die Nummer 1 oder 2 zu werden. Dafür ist Differenzierung durch Innovation die wichtigste Grundlage. Klare Priorität hat die Anwendung und nicht das Produkt – wir sind davon überzeugt, dass systemübergreifende kundenorientierte Lösungen und Anlagenoptimierungen an Gewicht und Wert gewinnen werden. Neu ist ein noch stärkerer Fokus auf Nachhaltigkeit, die Konzentration auf Geschäfte rund um die Wasseraufbereitung und digitale Lösungen.

Bestandspumpen im Visier: Schlummernde Effizienzpotenziale wecken

Energieeffizienz ist ein wichtiges Stellrad in Sachen Klimawende. Welches Potenzial bietet sich da noch?

Nipper: Wir haben bei einer Reihe von Pumpen eine so ausgezeichnete Energieeffizienz erreicht, dass weitere Verbesserungen an natürliche Grenzen stoßen. Das weitaus größte Potenzial liegt im Bestand: Um Energieverschwender zu identifizieren und das Einsparpotenzial zu beziffern, bieten wir zur Anlagenoptimierung ein Pumpen-Audit an. Ausgangspunkt ist eine vergleichende Life-Cycle-Costs-Analyse, bei der die Lebenszykluskosten von Bestands- und Austauschpumpen gegenübergestellt und Amortisationszeiten für den Austausch berechnet werden.

Wasser ist der zweite Schwerpunkt auf Ihrer Nachhaltigkeitsagenda. Was kann Grundfos auf lange Sicht bewirken?

Nipper: Die Vereinten Nationen sehen die Bereitstellung von sauberem Wasser als zentrale Herausforderung des 21. Jahrhunderts. Für einen Pumpenhersteller bedeutet das: Er muss mehr bieten als nur Pumpen. Industrielle Ökologie und eine globale Wirtschaftsethik sind gefragt. Ein Beispiel: Die Wiederverwendung von Wasser ist ein viel diskutierter Trend in der gesamten Industrie. Wasserwiederverwendung reduziert etwa den Heiz- und Kühlbedarf (durch nutzbare Temperaturunterschiede), infolge dessen reduzieren sich die erforderlichen Kessel- und Kältekapazitäten und Pumpenleistungen. Wird Wasser wiederverwendet, sinken außerdem entsprechend die Abwassermengen und damit die Entsorgungskosten.

Energie-Sparschwein Pumpe? Wie Fluidik zum Nachhaltigkeitsbooster wird

Sie betonen den Zusammenhang zwischen Energie und Wasser. Was meinen Sie damit konkret?

Nipper: Energetische Prozesse sind auf Wasser angewiesen. Wasser liefert als Wasserkraft auch direkt einen Beitrag zur Energieversorgung und wird als Energiespeicher in Pumpspeicherwerken immer wichtiger. Weiterhin ist Wasser essenziell bei der Stromerzeugung über Dampfturbinen. In Abwasseranlagen kann elektrische und thermische Energie gewonnen werden. Es sind in aller Regel Pumpen, die das Wasser bewegen: Sie sind für 10 % des weltweiten Energieverbrauchs verantwortlich, leider sind sie bis zu 90 % ineffizient. Die Welt könnte allein durch effiziente Pumpen etwa 4 % ihres elektrischen Energieverbrauchs und zwei Milliarden Kubikmeter Frischwasser einsparen.

Grundfos unterstützt die UN-Ziele einer nachhaltigen Entwicklung. Wie kommt ein Maschinenbauer zu so einem Engagement?

Nipper: Das ist nicht allein Philanthropie – Nachhaltigkeit ist unser Geschäft! Wir demonstrieren, was technologisch möglich ist, und haben die Chance, solche Lösungen global zu vermarkten. Philanthropie und gewinnorientiertes Wirtschaften muss kein Widerspruch sein! Das ist im Übrigen für uns kein neues Thema: Seit 2002 unterstützen wir die Global-Compact-Initiative der Vereinten Nationen und konzen­trieren uns auf das Erreichen der Ziele für nachhaltige Entwicklung Nr. 6 (Wasser und sanitäre Anlagen) und Nr. 13 (Klimawandel). Wir sind überzeugt, hier einen echten Beitrag leisten zu können.

Herr Nipper, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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