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Accenture Umfrage

Nachhaltige Produkte: Konsumenten sehen Industrie in der Pflicht

| Redakteur: Alexander Stark

Der Chemiebranche kommt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung neuer umweltfreundlicher Materialien zu. Dennoch stehen die Verbraucher der Branche kritisch gegenüber: 83 % sind der Meinung, dass sie nicht zuverlässig genug über Umweltauswirkungen von Chemieprodukten kommuniziert. Das sind Ergebnisse der aktuellen Umfrage „Consumer Chemicals Survey“ des Beratungsunternehmens Accenture.

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Nachhaltigkeit ist mehr als ein Schlagwort, sie beeinflusst Gesellschaft und Wirtschaft über sämtliche Branchen hinweg.
Nachhaltigkeit ist mehr als ein Schlagwort, sie beeinflusst Gesellschaft und Wirtschaft über sämtliche Branchen hinweg.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

Kronberg – Laut einer aktuellen Umfrage von Accenture, wäre knapp die Hälfte der deutschen Verbraucher (48 %) dazu bereit, mehr Geld für nachhaltige Produkte auszugeben – solche, die für Wiederverwendung und Recycling bestimmt sind.

Qualität (93 %) und Preis (86 %) sind nach wie vor zentrale Faktoren, die die Kaufentscheidung deutscher Verbraucher beeinflussen. Daneben haben sich in den letzten Jahren Nachhaltigkeit und ein bewusster Konsum fest in den Kaufgewohnheiten der Befragten verankert. 70 % der Befragten aus Deutschland gaben an, dass sie heute mehr umweltfreundliche Produkte kaufen als noch vor fünf Jahren. 79 % planen sogar in den nächsten fünf Jahren noch mehr dieser Produkte zu kaufen. Die Befragten sehen vor allem Unternehmen in der Pflicht, nachhaltiger zu agieren. 85 % glauben, dass es für Unternehmen wichtig oder äußerst wichtig ist, Produkte so zu konzipieren, dass sie wiederverwertet oder recycelt werden können: Design-for-Recycling.

Auffällig an den Ergebnissen der Umfrage ist, dass deutsche Verbraucher die Chemieindustrie im puncto Umweltbewusstsein als schwarzes Schaf ansehen. Die Mehrheit der Befragten (83 %) hält die Kommunikation von Chemieunternehmen zu Umweltbelastungen für nicht zuverlässig genug. Damit liegt die Branche im Vergleich auf dem letzten Platz. Auf globaler Ebene sieht es ähnlich schlecht aus: Hier fühlen sich 72 % der Befragten nicht umfassend informiert. Jeder fünfte Deutsche geht sogar so weit zu sagen, dass die Chemieindustrie sich am wenigsten Sorgen über ihre Auswirkungen auf die Umwelt macht – verglichen mit NGOs, Medien, Regierungsbehörden, Einzelhandel und Konsumgüterfirmen. Und das, obwohl der Branche eine so entscheidende Rolle bei der Förderung von recycelbaren und wiederverwendbaren Technologien und Materialien sowie der Mengenreduktion durch Verdichtung und Präzisionsanwendungen zukommt.

Die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten in den Bereichen Verpackung, Textilien, Aromen und Duftstoffe, Lebensmittelzutaten, Automobil, Spielzeug und anderen Anwendungen ist dem Beratungsunternehmen zufolge größer als von Chemieunternehmen erwartet. Es gelte, nachhaltige Materialien zu wettbewerbsfähigen Preisen zu produzieren und den Verbrauchern diese Innovationen zu kommunizieren. Die Kreislaufwirtschaft ermöglicht es der Chemiebranche, sich als deutsche Leitindustrie neu zu positionieren. Denn die deutsche Wirtschaft steht bei der Umsetzung aktuell noch in den Startblöcken, während das Rennen der Chemieproduzenten bereits begonnen hat.

Und die Gewinner dieser neuen Materialstoffketten können erheblichen Mehrwert schaffen. Laut einer Prognose des American Chemistry Councils kann allein die Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe der US-Wirtschaft 38.500 Arbeitsplätze und Milliarden bringen, indem der Einsatz von Pyrolyse und anderen fortschrittlichen Kunststoffrecyclingtechnologien ausgeweitet wird.

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