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Tablettiertechnik Mit Softwareoptionen die Leistung von Tablettenpressen steigern

| Autor / Redakteur: Ines Andersen / Anke Geipel-Kern

Die komplexe Mechanik von Hochleistungs-Rundläufer-Tablettenpressen steuert eine Software, welche die hohen Standards der pharmazeutischen Produktion erfüllt.

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FETTE 2090i, Einfachrundläuferpresse mit Bedienterminal. Die Software-Optionen arbeiten mit der Basis-Software zusammen in bedienerfreundlicher Darstellung auf dem Touch-Screen. Bilder: Fette
FETTE 2090i, Einfachrundläuferpresse mit Bedienterminal. Die Software-Optionen arbeiten mit der Basis-Software zusammen in bedienerfreundlicher Darstellung auf dem Touch-Screen. Bilder: Fette
( Archiv: Vogel Business Media )

Tabletten pressen ist wesentlich mehr als nur das Zusammendrücken von Granulat zu einem festen Körper. Die Basissoftware leistet auf sehr hohem Niveau die gesamte Steuerung des normalen Pressvorganges und genügt ohne jede Einschränkung den sehr hohen Anforderungen der pharmazeutischen Produktion.

Schon allein aus diesem Grund gibt es ein weites Anwendungsfeld für weitere Softwareoptionen, allerdings ist es sinnvoll, die Basissoftware nicht mit Anwendungen zu überfrachten, die spezieller Natur sind oder nur in bestimmte Bereiche gehören. Die Optionen bieten zusätzliche Sicherheiten oder decken spezielle Bereiche ab.

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Die alphabetische Liste reicht von A wie „Anbindung an die Produktionslinie” bis V wie „Versionshistorie der Produkte”. Exemplarisch werden hier aus einzelnen Bereichen interessante und verschiedene Softwareoptionen herausgegriffen und beschrieben.

So führt z.B. die Option Onlinehilfe für die Schnittstelle Mensch/Maschine zu erheblicher Zeitersparnis durch schnelles Finden von Begriffserklärungen. Darüber hinaus ermöglicht sie eine kundenspezifische Anpassung, sodass u.a. die eigenen SOP‘s eingebunden werden können. Mit der integrierten Hilfe können leicht Parameter nachgeschlagen werden. Dokumente, Bilder und Videos können vom Kunden selbst integriert werden.

Sicherheit erhöhen

Die Zugangskontrolle erhöht mit vielen Optionen die Bedienersicherheit durch Vorgaben beim Passwort. In der „Password-Administration“ z.B. kann vom Administrator festgelegt werden, dass ein Passwort nur einmal genutzt werden darf und, dass der Bediener beim nächsten Login das Passwort ändern muss, dass er das Passwort nicht ändern kann oder, dass das Passwort abläuft. Diese Zugriffsrechte können für jeden Bediener einzeln festgelegt werden.

Eine produktspezifische Option zur Maschinenüberwachung ist die Stauüberwachung im Tablettenablauf. Aufgrund von verschiedenen Tablettenformaten kann es vorkommen, dass sich bestimmte Produkte in ungünstigen Konstellationen im Tabletten-Gutkanal stauen. Um eine Beschädigung der Matrizenscheibe, des Abstreifers, der Werkzeuge usw. durch gestaute Tabletten zu vermeiden, wurde ein kapazitiver Näherungsschalter im Ablaufkanal platziert.

Er ist so justiert, dass bei einem Tablettenstau die Presse sofort anhält und der Stopp mit einer Diagnosemeldung auf dem Bedienterminal angezeigt wird. Diese Diagnosemeldung kann bei einer bedienerlosen Produktion auch per SMS auf das Handy des Produktionsleiters übertragen werden, sodass die Tablettenverpressung jederzeit gewährleistet ist.

Automatische Nachregelung

Standardmäßig erfolgt bei einem Checkmaster die automatische Nachregelung bei einer Gewichtsabweichung von einem Prozent. Besonders pharmazeutische Produkte erfordern aber oft Kontrollsysteme mit weitaus höherer Empfindlichkeit. Diese Option bietet die Möglichkeit, auch bei einer geringeren prozentualen Abweichung vollautomatisch nachzuregeln und somit das Tabettengewicht zu korrigieren, beispielsweise um 0,2 Prozent.

Wenn die Option „Gewichtsregelgrenze beim Checkmaster variabel“ gesetzt ist, kann die Gewichtsregel-Ansprechschwelle eingestellt werden. Mit diesem Parameter kann der Prozent-wert angegeben werden, bei dem die Gewichtsregelung aktiviert wird. Ist der Wert auf „0“ gesetzt, wird die Gewichtsregelung bei der standardmäßigen 1%-Abweichung zwischen Soll- und Istwert aktiviert.

Getrennte Musterzüge für Gewicht, Dicke, Härte und Durchmesser ermöglichen eine weitere Option bei der Inprozesskontrolle. Die Werte des jeweiligen Probenzuges werden über die Parameter individuell eingestellt, somit können auch einzelne Parameter abgefragt werden. Mit dieser Option müssen nicht bei jedem Probenzug alle Werte gemessen werden. Dies erspart Zeit und unnötigen Dokumentationsaufwand.

Ein ganz entscheidender, mechanischer Teil der Presse sind die Stempel. Für ihre Überwachung gibt es umfangreiche Softwareoptionen, welche die Gut-Produktion und die Sicherheit steigern. Es ist möglich, die maximal zulässige Zahl für Schlecht-Tabletten pro Stempelpaar festzulegen, falls es vorkommen sollte, dass ein bestimmtes Stempelpaar wiederholt schlechte Tabletten produziert. Mit diesem Überwachungsmechanismus wird gewährleistet, dass nicht korrespondierende Stempel lokalisiert und ausgetauscht werden können. Die Schlechtproduktion wird minimiert und eine gleichbleibend hohe Qualität der Tablettenproduktion gewährleistet.

Eine weitere Option sichert ein Fortführen der Produktion mit einem nicht vollständigen Stempelsatz ohne Verfälschung des Endergebnisses. Soll mit weniger Stempeln als im Rotor möglich gepresst werden, so werden die nicht eingesetzten bzw. entnommenen Stempel durch Eintrag der jeweiligen Stempel-Nummer in eine gesonderte Liste der Presse mitgeteilt. Durch Aufruf des Fensters „Sonderfunktion/fehlende Stempel“ erscheint auf dem Bildschirm die Liste der entnommenen Stempel. Wird ein Stempelpaar wieder eingesetzt, wird das ebenfalls mitgeteilt.

Umfassende Pressennutzung

Steht beispielsweise an jedem Tablettenauslauf einer Doppelrundläuferpresse 3090i eine Verpackungsmaschine, so kann es vorkommen, dass eine davon stoppt und die andere weiter läuft. Für diesen Fall gibt es die spezielle Option „Einseitiger Produktionsbetrieb“. Damit ist die einseitige Produktion auf einem Doppelrundläufer möglich, sodass nur auf der einen Seite mit der laufenden Verpackungsmaschine weiter produziert wird.

Das ist ein großer Nutzen bei allen Mehrfachrundläufern in der Einschichttabletten-Produktion, auch wenn z.B. die Beschickung über zwei Container erfolgt, die fast nie gleichzeitig leer werden. Durch diese Funktion können beide Container komplett leer gefahren werden, da die einseitige Produktion mit dieser Option gewährleistet ist.

Eingebundene Technik

Für die Einbindung einer Presse in einen automatischen Produktionsablauf gibt es die Option „Externe Steuerung der Maschine“. Sie beinhaltet Start und Stopp und die Drehzahlregelung mit variabler Schrittweite. Mit dieser Option ist eine erhebliche Kosteneinsparung durch einen abgestimmten, automatisierten Betrieb in einer Produktionslinie sichergestellt. In diesem Zusammenhang sind noch zwei weitere kundenspezifische Optionen interessant: ein Digitalausgang mit Text für die Diagnose und Digitaleingänge plus Diagnosemeldungen. So kann individuelle Technik eingebunden werden.

Auch die Peripheriegeräte sind mit diversen Überwachungsmechanismen ausgestattet, die eine maximale Sicherheit gewährleisten sollen. Mit dem Gratex-Gerät werden die produzierten Tabletten entgratet und entstaubt. Die Option „Absaugüberwachung Gratex“ prüft ständig den Ab-saugunterdruck mittels eines Strömungswächters, der in definierter Stellung in der Absaugleitung steckbar montiert ist.

Kontinuierlich wird der Ist- mit dem Sollwert verglichen. Ist die Absaugung am laufenden Gratex für rund zehn Sekunden nicht aktiv (keine Strömung am Aufnehmer), wird die Presse mit einer Diagnosemeldung gestoppt. Diese Option gewährleistet maximale Sicherheit und kontinuierliche Entstaubung der Tabletten.

Über die hier exemplarisch geschilderten Softwareoptionen hinaus gibt es selbstverständlich eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten. Datensicherheit, Datenexport und Regelung stellen sogar umfassende Bereich dar. Vor einer Investitionsentscheidung die Erweiterungen zu prüfen, die aus Bestleistung Spitzenleistung machen, kann sehr nutzbringend sein. Das Potenzial ist immens.n

Ines Andersen ist Leiterin Marketing und Produktmanagement bei der Fette GmbH, Schwarzenbek.

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