Newsticker Oktober: Aktuelles aus der Prozessindustrie Merck kauft britische Biotechfirma für knapp eine Milliarde

Von Wolfgang Ernhofer 19 min Lesedauer

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Im ständig aktuellen Newsticker fasst die PROCESS-Redaktion das Geschehen in der Branche kompakt zusammen. Ob Chemie-, Pharma-, oder Lebensmittelindustrie, alle verfahrenstechnischen Themen werden – ebenso wie politische und wirtschaftliche Nachrichten zur Prozessindustrie – zusammengefasst.

(Bild:  gemeinfrei /  Pixabay)
(Bild: gemeinfrei / Pixabay)

20.10.2026

Hamburg (dpa/lno) *17:09 Uhr – Wasserstoff für Hamburger Holborn-Raffinerie

Die Holborn-Raffinerie in Hamburg-Harburg soll 2028 mit Wasserstoff versorgt werden. Das teilten der künftige Wasserstoffnetzbetreiber Hamburger Energienetze und Holborn mit. Ein Vertrag, der einen Netzanschluss vorsieht, ist demnach auf der Wasserstoffmesse in Hamburg unterzeichnet worden, die in den Messehallen begonnen hat.

Holborn lässt derzeit auf dem Gelände seiner Mineralöl-Raffinerie einen Komplex zur Produktion CO2-armer Treib- und Kraftstoffe errichten. Über das städtische Wasserstoff-Industrienetz HH-Win sollen von Herbst 2027 an Areale rund um den Hafen mit Wasserstoff beliefert werden.

Holborn will Wasserstoff nutzen, um an dem Standort nachhaltige Flugtreibstoffe, kurz SAF, und den Biokraftstoff HVO herzustellen. SAF steht für Sustainable Aviation Fuels (Deutsch: nachhaltige Luftfahrttreibstoffe). HVO wird als «Klimadiesel» vermarktet und bedeutet ausgeschrieben Hydrotreated Vegetable Oil (Deutsch: hydriertes Pflanzenöl).

Der für die Kunden zuständige Geschäftsführer bei den Energienetzen, Peter Wolffram, sagte laut Mitteilung, Holborn sei in einer frühen Phase von HH-Win ein großer Wasserstoffabnehmer. Darüber freue er sich. «Unser Wasserstoffnetz wird damit bereits wenige Monate nach Betriebsstart im Herbst 2027 erhebliche Mengen transportieren können.»

Ludwigshafen (dpa/lrs) *12:46 Uhr – BASF investiert in Chips von morgen – Geschäft mit Taiwan

Der BASF-Konzern baut sein Geschäft mit Spezialchemikalien für die Halbleiterindustrie in Taiwan aus. Das Unternehmen hat eine Absichtserklärung mit dem taiwanischen Wirtschaftsministerium unterzeichnet, wie BASF in Ludwigshafen mitteilte. Geplant sind zusätzliche Produktionskapazitäten, bessere Möglichkeiten zur Qualitätsanalyse und ein erweitertes Innovationszentrum am Standort Taoyuan. Damit will BASF von der wachsenden Nachfrage nach modernsten Halbleitertechnologien profitieren.

Die Investition soll vor allem die Entwicklung und Herstellung von Materialien für besonders leistungsfähige Chips unterstützen. Auch der steigende Bedarf an Halbleitern für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz treibt die Nachfrage nach hochreinen Spezialchemikalien.

BASF wolle mit dem Ausbau auch seine technischen und analytischen Möglichkeiten erweitern, hieß es.

Taiwan zählt zu den wichtigsten Zentren der weltweiten Halbleiterindustrie. BASF sieht dort langfristiges Potenzial: Bereits 2025 hatte der Konzern die Leitung seiner globalen Geschäftseinheit für Elektronikmaterialien auf die Insel verlegt: «Taiwan ist ein globales Zentrum für Halbleiterinnovation und -fertigung.» Die Investition solle die Bedeutung des Standorts weiter stärken.

Neben zusätzlichen Produktionskapazitäten will BASF die Qualitätssicherung und technische Dienstleistungen vor Ort ausbauen. Kunden sollen zuverlässiger beliefert werden und schneller technische Unterstützung erhalten. Zudem soll die engere Zusammenarbeit mit Industriepartnern die Entwicklung neuer Materialien beschleunigen. Nach Unternehmensangaben ist BASF seit mehr als 20 Jahren mit seinem Geschäft für Elektronikmaterialien in Taiwan vertreten.

Auch in China ist BASF stark engagiert: In Zhanjiang betreibt der Konzern seit März einen integrierten Verbundstandort. Das Projekt gehört zu den größten Einzelinvestitionen in der Unternehmensgeschichte und soll die Präsenz in Asien langfristig stärken.

Parallel prüft BASF Möglichkeiten, das Geschäft in Europa effizienter aufzustellen. Dazu hat der Konzern mit der chinesischen Highsun Holding Group eine unverbindliche Absichtserklärung über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen für Polyamid 6 unterzeichnet. Die europäischen Aktivitäten beider Unternehmen in diesem Bereich könnten in einem Gemeinschaftsunternehmen zusammengeführt werden. Ziel seien eine bessere Auslastung der Anlagen, niedrigere Kosten und eine stärkere Wettbewerbsposition, hatte BASF mitgeteilt.

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19.10.2026

Darmstadt (dpa) *15:10 Uhr – Merck kauft britische Biotechfirma für knapp eine Milliarde

Der Darmstädter Pharma- und Technologiekonzern Merck baut mit einer Übernahme sein Geschäft mit seltenen Krankheiten aus. Das Dax-Unternehmen übernimmt die britische Biotechfirma Silence Therapeutics. Je US-Aktienhinterlegungsschein zahlt Merck 20 US-Dollar, was die Briten mit 1,1 Milliarden Dollar (rund 980 Mio. Euro) bewertet, wie Merck mitteilte.

«Mit der geplanten Akquisition von Silence Therapeutics wollen wir unsere Kompetenzen erweitern, um noch mehr Menschen mit seltenen Erkrankungen zielgerichtete Behandlungsoptionen zur Verfügung stellen zu können», sagte Merck-Chef Kai Beckmann.

Silence Therapeutics steht den Angaben zufolge mit dem sogenannten siRNA-Wirkstoff «Divesiran» zur Behandlung der seltenen Erkrankung Polycythaemia vera (PV) vor dem Einstieg in die entscheidende klinische Studienphase III. Bei PV handelt es sich um eine Form von seltenem Blutkrebs, die durch eine Überproduktion roter Blutkörperchen gekennzeichnet ist und mit einem höheren Sterberisiko einhergehen kann.

Mit der Übernahme komme Merck seinem Ziel, ein führender globaler Anbieter innovativer Spezialmedikamente zu werden, einen großen Schritt näher, sagte Danny Bar-Zohar, Leiter des Healthcare-Geschäfts bei Merck.

Mit dem Preis von 20 Dollar je Hinterlegungsschein biete Merck einen Aufpreis von 82 Prozent auf den Durchschnittskurs der vergangenen 30 Tage, hieß es. Die Übernahme sei von Silence Therapeutics genehmigt und soll im ersten Quartal 2027 abgeschlossen werden. Merck finanziert die Übernahme mit neuen Krediten.

Merck setzt immer wieder auf Zukäufe. Erst im Juni hatte der Konzern die knapp zehn Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Unternehmens Bio-Techne verkündet, ein Anbieter von Life-Science-Werkzeugen und Analysetechnologien. Damit will Merck seine Laborsparte in wachstumsstarken Bereichen wie Zell- und Gentherapien sowie in der Präzisionsdiagnostik stärken. Zudem stemmte Merck die Milliardenübernahme des Krebsspezialisten Springworks, um seine Position bei seltenen Tumoren auszubauen.

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