Linked Data Linked Data als Kompromiss zwischen Excel-Tabelle und globaler Norm

Autor / Redakteur: Prof. Dr.-Ing. Leon Urbas / Anke Geipel-Kern

Für klein- und mittelständige Unternehmen mit vielen Schnittstellen im Wertschöpfungsnetzwerk der Digitalen Anlage sind globale Normen mit Vollständigkeitsanspruch – wie ISO 15926 – nicht beherrschbar. Unser Autor beschäftigt sich im aktuellen Forschungsprojekt Com-Vantage mit der Frage, ob es nicht auch einfacher geht. Der präsentierte Lösungsansatz nutzt das Linked-Data-Konzept.

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(Grafik: Richard Cyganiak (DERI, NUI Galway) and Anja Jentzsch)

Die digitale Anlage ist der Oberbegriff für ein umfassendes Netzwerk von digitalen Modellen, Methoden und Werkzeugen, die durch ein durchgängiges Datenmanagement integriert werden. Grundlage eines jeden durchgängigen Datenmanagements, sei es durch verteilte Datenbanken oder zentrale Repositories, sind Schnittstellen und Informationsmodelle, über die Daten derart ausgetauscht werden können, dass alle beteiligten Parteien einen Nutzen daraus ziehen. Nun stellt sich die Frage, wie ein gemeinsames Verständnis der genutzten Schnittstellen und der zur Interpretation der Daten notwendigen Informationsmodelle erzielt werden kann.

Die methodischen Pole sind klar definiert: Zum einen eine schwergewichtige Modellierung, wohl strukturiert nach den klar definierten Konsensregeln eines (internationalen) Normierungsprozesses, zum anderen eine pragmatische Einigung, im extremsten Fall für jede Schnittstelle und jeden Partner. Ein Beispiel für den ersten Ansatz ist ISO 15926 als Nachfolger von STEP (ISO 10303), ein Beispiel für den zweiten ist der Austausch mithilfe von (Excel-)Tabellen, gegebenenfalls automatisiert durch spezifische (VBA)-Funktionen zum Aggregieren, Zerlegen, Normalisieren, Umwandeln und Abbilden auf verschiedene Kennzeichnungssysteme.

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Wunderwerk Excel

Jeder, der mit solchen Tabellenwunderwerken gearbeitet hat, kennt die Vorteile: Mit ein wenig Übung sind die Tabellen schnell erstellt, an neue Problemstellungen angepasst, Fehler in den Modellen sind schnell gefunden, Fehler in den Daten gegebenfalls auch schnell manuell bereinigt, das Know-how zum Umgang mit alten und neuen Daten ist vollständig in-House, es sind keine organisatorischen Schnittstellen zu den Anwendungsprogrammierern der CAE-Systemlieferanten notwendig – bis erklärt und spezifiziert ist, was warum gewünscht ist, hat der Ingenieur der das Anwendungswissen und die IT-Kompetenz in einer Person vereint, das eh schon selbst erledigt.

Aber auch die Nachteile sind nicht zu übersehen: Wiederholbarkeit, Generalisierbarkeit, Versionierung, syntaktische oder gar semantische Konsistenz oder Unabhängigkeit von individuellen Lösungen sind nicht gegeben – kurz, die Wartung der Werkzeuge ist ein mittlerer Alptraum. Wehe, wenn der Autor des Excel-Wunderwerks zur falschen Zeit im Urlaub ist oder gar das Unternehmen wechselt.

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