Linked Data

Linked Data als Kompromiss zwischen Excel-Tabelle und globaler Norm

Seite: 2/3

Anbieter zum Thema

Auf der anderen Seite stehen standardisierte Modelle á la ISO 15926, die einen stringenten, in sich geschlossenen Modellrahmen zur Beschreibung von nahezu allem, egal ob konkret oder abstrakt, ob physikalischer Gegenstand oder Anforderung, verspricht. Der Modellrahmen der ISO 15926 ist in einem intensiven Konsensprozess entstanden, der die nicht nur guten Erfahrungen mit dem Standard for the Exchange of Product Data (STEP, ISO 10303) in einer international gültigen Norm festhält, die Gegenstand von Ausschreibungen sein kann und ist.

Doch welche Enttäuschung, wenn man nun beginnen möchte dieses globale semantische Informationsmodell anzuwenden, um beispielsweise ein Rohrleitungs- und Instrumentierungsschema auszutauschen oder (einfacher) Apparatelisten oder Messstellenblätter – ganz wesentliche Dinge des täglichen Engineerings sind nicht definiert. ISO 15926 erweist sich lediglich als ein Baukasten.

Aber was heißt lediglich: Der Modellierungsansatz des Baukasten ist durchaus komplex und muss, um nachhaltig angewendet zu werden, tiefgründig verstanden sein. In dem Projekt Dexpi zeigen die Großen der Chemiebranche, unterstützt von Hochschulen, wie hersteller-übergreifend Informationsmodelle erstellt werden können, die für die gesamte Prozessindustrie gültig sein sollen.

Auch wenn sich am Ende herausstellt, dass dies trotz im Detail sehr unterschiedlicher Werksnormen grundsätzlich möglich ist, sind die Entwicklungsaufwände und Zeiträume beträchtlich und von klein- und mittelständischen Unternehmen kaum zu stemmen, selbst wenn man – wie das Dexpi-Projekt – auf einer Modellbasis wie dem XM-Plant-Schema aufsetzen kann. Wenn das Kerngeschäft des Unternehmens noch dazu Innovation ist und time-to-market eine der bestimmenden Größen für den Geschäftserfolg darstellt, verbietet sich der globale Normierungsansatz.

Linked Data als Basis

Einen potentiellen Ausweg zeigt das EU-Forschungsprojekt Com Vantage (www.comvantage.eu) auf. Die beteiligten Parteien – KMU, große Unternehmen, Hochschulen – untersuchen neue Wege um Interoperabilität in virtuellen Unternehmen als Basis für integrierte Anlagendienstleistungen wie Inbetriebnahme, Betrieb und Wartung herzustellen.

Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass das Engineering in virtuellen Unternehmen (als Zusammenschluss selbstständiger Unternehmen zur Erbringung komplexer Produktions- oder Dienstleistungen) zwar abgestimmt, aber nicht vernetzt durch ein integriertes Datenmanagement erfolgt. Die digitale Anlage besteht aus vielen Inseln, die erst wieder integriert werden müssen. Als gemeinsame Basis wird hier Linked Data verwendet, ein von Tim Berners-Lee – dem Erfinder des WWW – bereits 1998 vorgestellter Ansatz, dessen Potenzial für industrielle Anwendungen erst in den letzten Jahren erkannt wurde.

(ID:42341955)