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Exklusiv-Interview

Leuna wird entgiftet: Mikrobiologischer Abbau von Methyltertiärbutylether

| Autor / Redakteur: Dipl.-Ing. Hans-Jürgen Bittermann / Dr. Jörg Kempf

So schaut die reale Anlage in Leuna aus.
So schaut die reale Anlage in Leuna aus. (Bild: UFZ/ André Künzelmann)

An Sachsen-Anhalts größtem Chemiestandort in Leuna werden erhebliche Anstrengungen unternommen, um gefährliche Altlasten zu sanieren. Nachdem der Standortbetreiber Infraleuna seit 2007 bereits eine Forschungs- und Pilotanlage in Betrieb genommen hatte, arbeitet dort seit Juni 2014 eine bislang einzigartige großtechnische Anlage zum mikrobiologischen Abbau von Methyltertiärbutylether (MTBE). Die Reinigungsleistung: 600 Kubikmeter Wasser pro Tag.

Hintergrund: Im ehemaligen Chemiedreieck Leuna-Buna-Bitterfeld von Sachsen-Anhalt sind Boden und Grundwasser stark mit Schadstoffen belastet. Bereits Anfang der 1990er Jahre wurde deshalb die Landesanstalt für Altlastenfreistellung (LAF) gegründet, die im Auftrag der Landesregierung die Wiederbelebung von Industriestandorten koordiniert und den Weg von Investoren in das Land erleichtern soll.

Das heutige Industriegebiet der Infraleuna wurde seit 1916 vielfältig für die chemische Industrie, Kunststoffproduktion und als Raffinerie-Standort genutzt. Durch eine Vielzahl von Havarien und Handhabungsverlusten wurden im Bereich der alten Raffinerie Mineralkohlenwasserstoffe sowie Additive, insbesondere MTBE ins Grundwasser eingetragen.

Seit 2005 wird der komplette Grundwasserabstrom aus dem Bereich der alten Raffinerie im Rahmen eines ökologischen Großprojektes des Landes Sachsen-Anhalt mit einer Dichtwand senkrecht zur Fließrichtung komplett erfasst, an der Oberfläche technisch abgereinigt und anschließend wieder ins Grundwasser eingeleitet.

Bisher musste das entnommene Grundwasser mit hohem Wartungsaufwand physiko-chemisch behandelt werden, um es vor allem von Altlasten wie Benzol und MTBE der ehemaligen Raffinerie zu befreien. Während Benzol als giftig eingestuft ist, gilt MTBE zwar als ungefährlich, es hinterlässt im Wasser allerdings einen unangenehmen Geruch und Geschmack.

Wissenschaftler des UFZ haben ein Verfahren entwickelt, diese Schadstoffe biotechnologisch zu 100 Prozent abzubauen. Die dazu installierte Anlage ist mit deutlich reduziertem Betriebs- und Wartungsaufwand zu betreiben, erfordert dafür aber Geduld: Im Abstrom der Megasite werden noch viele Jahre Kontaminationen nachweisbar sein. So tragen niedrige Betriebskosten und gleichzeitig hohe Behandlungseffizienz entscheidend zu der Wirtschaftlichkeit des Verfahrens bei. Mindestens zehn Jahre soll das Wasser durch die Filter fließen, 365 Tage im Jahr. Das Projekt könnte Schule machen, weil einerseits MTBE und aromatische Kontaminationen im Boden vieler Chemiestandorte zu finden sind und andererseits das Verfahren existierende Grenzwerte deutlich unterschreitet.

PROCESS sprach mit den für die Entwicklung des Verfahrens maßgeblich verantwortlichen UFZ-Mitarbeitern Prof. Dr. Roland A. Müller, Dr. Manfred van Afferden und Dr. Thore Rohwerder.

Das Interview lesen Sie auf den folgenden Seiten.

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