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Verfahrenstechnik: Chemiewaffen-Vernichtungsanlagen

Letzte russische Chemiewaffen vernichtet

| Redakteur: Wolfgang Ernhofer

Vormontage der Chemiewaffenvernichtungsanlage mit Abwasseraufbereitung, Turaktor und integrierter Abluftreinigung für den Standort Potschep, Russland.
Vormontage der Chemiewaffenvernichtungsanlage mit Abwasseraufbereitung, Turaktor und integrierter Abluftreinigung für den Standort Potschep, Russland. (Bild: Eisenmann)

Russland ist chemiewaffenfrei. An der Vernichtung des mit insgesamt 40.000 t weltweit größten Arsenals an chemischen Kampfstoffen war der Böblinger Anlagenbauer Eisenmann beteiligt: Drei der insgesamt sieben russischen Chemiewaffen-Vernichtungsanlagen – in Kambarka, Potschep und Kisner – wurden in Kooperation mit Eisenmann konzipiert und errichtet.

Böblingen – In der 1997 in Kraft getretenen Chemiewaffenkonvention hatte sich Russland zusammen mit über 150 weiteren Staaten verpflichtet, bis 2012 sein gesamtes Arsenal an chemischen Kampfstoffen sicher und umweltschonend zu vernichten. Dies sei nun – wenn auch mit Verspätung – gelungen, so der Anlagenbauer Eisenmann. Finanzielle Unterstützung bei dieser Mammutaufgabe erhielt Russland durch die 2002 gegründete „Globale Partnerschaft gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen“. Von deutscher Seite flossen rund 350 Millionen Euro in das Projekt.

„Als einer der Weltmarktführer im Bau von Chemiewaffenvernichtungsanlagen für flüssige und feste Problemabfälle, entwickelten wir ein effizientes und umweltschonendes Verfahren zur Entsorgung von Reststoffen, die bei der Detoxifikation chemischer Kampfstoffe anfallen, inklusive der mit den toxischen Komponenten in Kontakt gekommenen Behälter und weiterer kontaminierter Materialien“, erklärt Dr. Johann Halbartschlager, Eisenmann Anlagenbau. Zentrales Element des Verfahrens sei die Hochturbulenz-Brennkammer Turaktor, in die flüssige und gasförmige Kampfstoffe eingedüst und bei Temperaturen bis 1200 °C verbrannt werden. Eine aufwendige Rauchgasreinigung und Abwasserbehandlung sorge für eine sichere Elimination der Reaktionsprodukte.“

Im März 2006 ging die erste Anlage in Kambarka, Südural, in Betrieb. Bis 2009 wurden 6350 t des in Zisternen gelagerten arsenhaltigen Lewisits in einem mehrstufigen Verfahren unschädlich gemacht. Zur Verbrennung der gasförmigen/flüssigen bzw. festen toxischen Reaktionsmassen installierte der deutsche Anlagenbauer die Hochturbulenz-Brennkammer Turaktor und einen Herdwagenofen. Im weiteren Prozess war das Unternehmen auch für die Reinigung der anfallenden Rauchgase und Abwässer zuständig.

Im weiteren Anlagenkomplex in Potschep, 500 km südwestlich von Moskau, wurden ab 2009 rund 7500 t verschiedener Nervenkampfstoffe aus 67.000 Fliegerbomben vernichtet. Auch hier kamen Hochturbulenz-Brennkammern und Herdwagenöfen sowie Rauchgasreinigungs- und eine Abwasserbehandlungsanlage mit Rückführung der Prozesswässer zum Einsatz. 2013 wurde mit der Beseitigung von 5745 t Nervengift in Kisner, einer Stadt in der zentralrussischen Republik Udmurtien, begonnen. Mit derselben Technologie wurden hier bis September 2017 die letzten chemischen Kampfstoffe in Russland vernichtet.

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