Suchen

Firmenübernahme Lanxess plant größte Übernahme der Firmengeschichte

| Redakteur: Dipl.-Medienwirt (FH) Matthias Back

Lanxess setzt weiter auf Wachstum: Der Spezialchemie-Konzern plant die Übernahme des US-amerikanischen Unternehmens Chemtura. Der Anbieter von Flammschutz- und Schmierstoff-Additiven erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von 1,5 Milliarden Euro. Der Deal ist mit 2,4 Milliarden Euro der bisher größte in der Firmengeschichte und soll Mitte 2017 vollzogen werden.

Firmen zum Thema

(Bild: Lanxess)

Köln – Lanxess baut mit der Übernahme sein eigenes Additiv-Portfolio deutlich aus und steigt somit zu einem der größten Player in diesem Markt auf. Beide Unternehmen haben eine Vereinbarung für die Übernahme unterzeichnet. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Chemtura-Aktionäre 33,50 US-Dollar je ausstehender Aktie in bar erhalten. Das entspricht einer Prämie von 18,9 Prozent gemessen am Schlusskurs des 23. September 2016 von 28,18 US-Dollar. Die Transaktion mit einem Unternehmenswert von rund 2,4 Milliarden Euro wird Lanxess im Wesentlichen über Unternehmens- und Hybridanleihen sowie aus bestehenden liquiden Mitteln finanzieren. Die Transaktion wird voraussichtlich Mitte 2017 vollzogen. Sie unterliegt noch der Zustimmung sowohl der Chemtura-Aktionäre als auch der zuständigen Kartellbehörden sowie weiteren für eine derartige Transaktion üblichen Bedingungen.

Chemtura beschäftigt weltweit rund 2.500 Mitarbeiter und ist an 20 Standorten in 11 Ländern aktiv. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Philadelphia/Pennsylvania. Der börsennotierte Konzern erzielte in den vergangenen vier Quartalen einen Umsatz von rund 1,5 Milliarden Euro bei einem EBITDA vor Sondereinflüssen von etwa 245 Millionen Euro (EBITDA-Marge ca. 16%). Rund 45 Prozent seines Umsatzes erwirtschaftet Chemtura in Nordamerika. Neben den Additiven zählen auch Urethane und Organometalle zum Portfolio.

Lanxess erwartet Synergien in Höhe von 100 Millionen Euro

Die Übernahme von Chemtura wird sich bereits im ersten Geschäftsjahr positiv auf das Ergebnis je Aktie von Lanxess auswirken. Die erwarteten Synergie-Effekte aus der Transaktion betragen rund 100 Mio. Euro und werden voraussichtlich bis zum Jahr 2020 realisiert. Unter Berücksichtigung der Synergien zahlt Lanxess für die Transaktion ein EV/EBITDA-Multiple von etwa 7x. Damit erfüllt der Konzern seine eigene Zielvorgabe für EV/EBITDA-Multiples von 7-9x bei Akquisitionen mit Synergien deutlich.

Die beiden Additiv-Bereiche von Chemtura bilden die wesentlichen Säulen des Unternehmens. Nach Abschluss der Transaktion werden diese zusammen mit dem Lanxess-Geschäftsbereich Rhein Chemie Additives (ADD) das neue Segment „Performance Additives“ bilden. ADD bietet eine breite Palette an Spezialadditiven und Serviceprodukten für die Kunststoff-, Kautschuk-, Schmierstoff- und Farbenproduktion und beschäftigt weltweit rund 1.600 Mitarbeiter an über 20 Standorten.

Lanxess erwartet Wachstumsraten von drei bis vier Prozent

Die erste Säule des Additivgeschäfts von Chemtura umfasst Schmierstoffadditive und synthetische Schmierstoffe für industrielle Anwendungen, zum Beispiel in der Stromerzeugung und der Luftfahrt. Lanxess rechnet für den industriellen Schmierstoffadditiv-Markt mittelfristig mit jährlichen Wachstumsraten von drei bis vier Prozent, vor allem getrieben durch stetig steigende Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Umweltverträglichkeit von Schmierstoffen.

Die zweite Säule umfasst im Wesentlichen das Geschäft mit brombasierten Flammschutzadditiven, Brom und weiteren Brom-Derivaten. Brombasierte Flammschutzadditive werden wegen ihrer hohen Wirksamkeit vor allem in der Bauindustrie zur Gebäudedämmung sowie in der Elektronikindustrie eingesetzt. Rhein Chemie Additives hat bereits heute eine wettbewerbsfähige Position im Geschäft mit phosphorbasierten Flammschutzadditiven und verfügt über eine rückwärtsintegrierte Wertschöpfungskette. Auch für den Bereich der Flammschutzadditive erwartet Lanxess mittelfristige Wachstumsraten von drei bis vier Prozent pro Jahr.

Chemturas Geschäftsbereich Urethane ist ein großer Anbieter von Heißgieß-Prepolymeren und von speziellen, wässrigen Urethan-Dispersionen sowie Polyester-Polyolen. Dabei handelt es sich um Komponenten für spezielle Polyurethane, die vor allem in der Bau-, Bergbau-, Öl-/Gas-, Sport- und Elektronikindustrie zum Einsatz kommen. Beispielsweise werden Rollen für Förderbänder oder Inline-Skates aus diesen Polyurethanen gefertigt. Das Geschäft mit Urethanen wird bei Lanxess in das Segment High Performance Materials integriert, in dem das Geschäft mit Hochleistungs-Kunststoffen verankert ist.

Auch bei den Organometallen zählt Chemtura zu den großen Unternehmen weltweit. Organometalle sind chemische Verbindungen, die unter anderem als Katalysatoren in der Polymer-Produktion oder zur Synthese von Feinchemikalien und Pharmazeutika verwendet werden. Dieses Geschäft wird künftig im Lanxess-Geschäftsbereich Advanced Industrial Intermediates geführt.

(ID:44286884)