Suchen

Blitzumfrage Kurzarbeit Kurzarbeit in der Chemie- und Pharmabrache steigt drastisch

| Redakteur: MA Alexander Stark

In der Chemie- und Pharmabranche wird im April jeder Siebte Beschäftigte in Kurzarbeit sein: knapp 85.000 von 580.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Gegenüber März ist das ein Anstieg um den Faktor fünf. Das sind die Ergebnisse einer Blitzumfrage des BAVC unter den 1900 Mitgliedsunternehmen der Chemie-Arbeitgeberverbände.

Firmen zum Thema

In der Chemie- und Pharmabranche wird im April jeder Siebte Beschäftigte in Kurzarbeit sein.
In der Chemie- und Pharmabranche wird im April jeder Siebte Beschäftigte in Kurzarbeit sein.
(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Berlin – Bis zum 06. April 2020 haben rund 650.000 Betriebe bei den Agenturen für Arbeit Kurzarbeit angemeldet. Damit ist die Zahl der Betriebe, die Kurzarbeit planen, gegenüber dem letzten Vergleichswert von vor einer Woche nochmals um knapp 40 % gestiegen. Bis zum 27. März 2020 waren im Zuge der Corona-Krise insgesamt Kurzarbeitsanzeigen von rund 470.000 Betrieben eingegangen. In der Chemie- und Pharmabranche werden im April knapp 85.000 Mitarbeiter betroffen sein.

Unternehmen und Beschäftigte entlang der Zulieferketten für die Automobilindustrie (z.B. Lacke, Kunststoff, Reifen, Fasern) werden am stärksten vom Ausfalle der Beschäftigten in Mitleidenschaft gezogen. Über die gesamte Branche wird es im April in fast der Hälfte aller Betriebe (43 %) Beschäftigte in Kurzarbeit geben. Meist wird das Instrument aber nur für einzelne Bereiche oder Produktionslinien und nicht für ganze Betriebe genutzt. Im März waren rund 9 % der Betriebe und 3 % der Beschäftigten der Branche in Kurzarbeit.

BAVC-Präsident Kai Beckmann: „Mit schon jetzt über 80.000 Beschäftigten in Kurzarbeit trifft uns die Corona-Krise weitaus härter als die Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009.“ Damals waren in der Spitze etwa 50.000 Beschäftigte in der Chemiebranche in Kurzarbeit. Deshalb sei es so wichtig gewesen, dass Bund und Länder die Weichen zügig gestellt haben, so Beckmann weiter. Kurzarbeit könne in der Krise nun umfassender genutzt werden, um Beschäftigung zu erhalten und Einkommen zu sichern. Die Unternehmen könnten besser kalkulieren und längere Durststrecken gemeinsam mit ihren Beschäftigten durchstehen. Das sei die richtige Reaktion zur richtigen Zeit. Zugleich würden die Daten zeigen, dass 85 % der Beschäftigten ihrer Arbeit im üblichen Umfang nachgingen – wenn auch vielfach unter erschwerten Bedingungen.

So könne die Chemieindustrie die Produktion bisher weitgehend aufrechterhalten und einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. „Damit wir auch mittel- und langfristig weiter produzieren können, muss unter anderem die Versorgung mit Schutzausrüstung garantiert sein. Unternehmen und Beschäftigte machen das Unmögliche möglich – das Erwarten wir weiter auch von der Bundes- und den Länderregierungen,“ erklärte der BAVC-Präsident. Nötig sei zum Beispiel die Einrichtung einer zentralen Stelle für Beschaffung und Verteilung von PSA nach Priorität. Außerdem forderte er einen Plan mit nachvollziehbaren Kriterien, um das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben schrittweise und kontrolliert wieder hochzufahren – anderenfalls würden noch mehr Lieferketten reißen, noch mehr Nachfrage ginge verlieren und die Kurzarbeit müsse zusätzlich ausdehnt werden.

Ursache für Kurzarbeit ist in den allermeisten der betroffenen Betriebe mangelnde Nachfrage von Seiten der Kunden (76 % im April). Aber auch Personalengpässe durch hohen Krankenstand oder fehlende Kinderbetreuung tragen in fast einem Drittel (30 %) der betroffenen Betriebe zu Kurzarbeit bei. Jeder fünfte (20 %) der im April voraussichtlich Kurzarbeit nutzenden Betriebe erwartet dies als Folge fehlender Vorprodukte; meist wegen Lieferschwierigkeiten aus dem europäischen Ausland. Die Umfrage wurde Ende März 2020 durchgeführt und gibt den Kenntnis- bzw. Erwartungsstand zu diesem Zeitpunkt wieder. Beteiligt haben sich fast 250 Betriebe mit gut 240.000 Beschäftigten.

Nicht immer wird Kurzarbeit auch realisiert: Wenn sich zum Beispiel die Auftragslage kurzfristig verbessert oder behördliche Maßnahmen aufgehoben werden, kann der Betrieb möglicherweise wieder normal arbeiten. Dann wurde zwar Kurzarbeit angezeigt, aber nie realisiert. Damit ein Betrieb Anspruch auf Kurzarbeitergeld hat, muss er in jedem Fall zuerst Kurzarbeit anzeigen. Damit signalisiert der Betrieb, dass er Kurzarbeit plant.

Wenn ein Betrieb in einem Monat tatsächlich Kurzarbeit durchführt, zahlt er neben dem Lohn für geleistete Arbeit auch das Kurzarbeitergeld an die Beschäftigten aus. Er sendet anschließend eine Abrechnungsliste mit den Namen aller Kurzarbeitenden und dem konkreten Arbeitsausfall für jeden Beschäftigten an die Arbeitsagentur. Dafür hat er gesetzlich bis zu drei Monate Zeit. Nachdem die Unterlagen eingegangen sind, werden diese geprüft und das Kurzarbeitergeld an das Unternehmen ausgezahlt.

(ID:46501593)