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Spezialchemie

Konsolidierung und der boomende asiatische Markt treiben die Spezialchemieunternehmen um

| Redakteur: Anke Geipel-Kern

Das Geschäft mit den Chemiespezialitäten ist allen Zyklen zum Trotz immer noch hochrentabel. Zurzeit verdient manches Unternehmen so gut, dass es Lust auf eine Einkaufstour bekommt.

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Unternehmen der Spezialchemie definieren sich über ihre Endprodukte und über die Wirkung, die ihre Kunden damit erzielen. (Bild: Fotolia)
Unternehmen der Spezialchemie definieren sich über ihre Endprodukte und über die Wirkung, die ihre Kunden damit erzielen. (Bild: Fotolia)

In der Spezialchemie ist es wie im Fußball: Sieg und Niederlage liegen manchmal dicht beieinander, und wer gestern ein Formtief hatte, kann kurze Zeit später schon wieder ganz vorne mitspielen. Eindeutig auf der Gewinnerseite liegt derzeit Clariant. Nach den Konditionssschwächen der letzten Jahre konnte CEO Dr. Hariolf Kottmann auf der Analystenkonferenz im Juni den Beweis antreten, das Clariant wieder zum internationalen Wettbewerb aufgeschlossen hat. In fast allen Geschäftsbereichen erzielte der Konzern im letzten Jahr mit rund 18 Prozent ein Wachstum, das über dem der Vergleichsgruppe (13,9 Prozent) liegt.

Das 2008 selbstverordnete Restrukturierungsprogramm trägt offenbar Früchte, und einen ersten Etappensieg hat das Unternehmen mit der Übernahme des Katalysatorspezialisten Süd-Chemie jetzt eingefahren. 2,4 Milliarden US-Dollar haben die Schweizer auf den Tisch geblättert und damit das Ranking der Top-Unternehmen erneut durcheinander gewirbelt. Ob die Akquisition den von Clariant erträumten Einstieg in das profitable Katalysatorgeschäft mit umweltfreundlichen Verfahren und Renewables tatsächlich bringt, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall aber ist sie symptomatisch für die Branche, in der momentan die Kassen gut gefüllt sind und eine Kaufankündigung die nächste jagt.

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Firmen im Kaufrausch

2010 hat BASF den Reigen mit Cognis eröffnet, dann folgten Ashland, die International Speciality Products für 3,2 Millarden US-Dollar kauften, DSM hat beim Fettsäurespezialisten Martek zugeschlagen und hält nach weiteren Kandidaten Ausschau. Und in die Kategorie Liebeshochzeit fällt die jüngste Ankündigung der freundlichen Übernahme von Rhodia durch Solvay.

„Die Chemieindustrie profitiert als zyklische Branche stark vom Aufschwung. Das facht die Übernahmeaktivität an“, analysiert Dr. Werner Breuers, Vorstandsmitglied bei Lanxess, im Gespräch mit PROCESS die Lage. Auch Lanxess mischt fleißig mit und hat von DSM für 310 Millionen Euro kürzlich das Elastomergeschäft erworben. Davon profitiert vor allem der Geschäftsbereich Technical Rubbers, der damit Zugriff auf die unter der Marke Keltan produzierten Synthesekautschuke hat. Das dahinter stehende Umsatzvolumen beziffern Analysten mit 380 Millionen Euro. Und allen Ratingagenturen, die Lanxess selbst als Übernahmekandidat sehen, eröffnet Breuers, man prüfe größere Zukäufe in einem Umsatzbereich von 500 Millionen bis einer Milliarde Euro.

Lanxess erwirtschaftet mit Synthesekautschuk fast die Hälfte seines Umsatzes und ist damit eher eine Ausnahme im stark diversifizierten Spezialchemiegeschäft. Denn der Begriff Spezialchemikalien suggeriert zwar eine einheitliche Branche – das Spezialchemieunternehmen als solches gibt es aber nicht. Es finden sich Nischenanbieter wie Air Products oder Sachtleben mit seinen Weißpigmenten, aber auch die Chemieriesen BASF, Dow Chemical und DuPont bauen ihr Sortiment zunehmend von den Massechemikalien hin zu den margenstärkeren Spezialitäten um. Entsprechend groß ist die Bandbreite der unter dem Begriff summierten Chemikalien, die von Kunststoffmischungen über Textilfasern, und Bauchemikalien bis hin zu Pigmenten, Additiven für die Ölindustrie oder Emulgatoren für Hautcremes reicht. Allein Clariant versammelt 12 Business Units unter dem Konzerndach, deren beide größten Performance Chemicals und Industrial&Consumer Specialties lediglich 16 bzw. 18 Prozent des Verkaufsvolumens ausmachen.

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