Spezialchemie

Konsolidierung und der boomende asiatische Markt treiben die Spezialchemieunternehmen um

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Das Risiko streuen

Dank dieser Strategie verteilt sich zwar das Umsatzrisiko auf mehrere Wirtschaftszweige, was sich gerade in zyklischen Industrien, wie der Halbleiterbranche auszahlt. Andererseits steigt die Komplexität nicht nur was Produktionsflüsse und Kapazitätsplanung betrifft, auch das Portfolio muss ständig auf den Prüfstand, denn jede Branche tickt anders, und in den letzten Jahren hat es vor allem dort dramatische Verschiebungen gegeben, wo der Wettbewerb ausschließlich über den Preis geführt wird. Paradebeispiel sind Textilchemikalien. Seit die Textilindustrie ihre Kleidung in Asien fertigen lässt, sind nicht nur die Preise für die dazu nötigen Fasern in die Knie gegangen, sondern auch die Produktionen sind abgewandert. So hat Clariant nicht nur 500 Produkte nach Pakistan verlagert, auch das Hauptquartier der BU Textilchemikalien wird von Muttenz nach Singapur umziehen, um näher am Markt und den dort erstarkenden einheimischen Produzenten zu sein. „Asiatische Wettbewerber wachsen und werden zu einer ernsthaften Konkurrenz“, sagt der Chef der Einheit Dr. Mathias Lütgendorf. Neben dem Joint Venture Dystar/Kiri reden nämlich mittlerweile auch Unternehmen wie Long Chen oder CHT ein gewichtiges Wort auf dem Weltmarkt mit.

Trotzdem zeigen Absichtserklärungen und Investitionssummen, dass ein Ende des Asieninteresses für die Spezialchemie derzeit nicht in Sicht ist. BASF z.B. arbeitet gerade an einer Machbarkeitsstudie, um zu entscheiden, wieviel Geld der Konzern in Malaysia ausgeben will. Geplant ist die Produktion von Spezialchemikalien für industrielle Reinigungs- sowie Putz- und Waschmittel, die direkt an die asiatische Kundschaft geliefert werden sollen. Asienchef Dr. Martin Brudermüller hat nämlich das Ziel, bis 2020 rund 70 Prozent seines Asien-Umsatzes vor Ort zu produzieren, zurzeit liegt dieser Anteil bei 60 Prozent. Das ist der Erkenntnis geschuldet, dass ohne eine ausgefeilte Vorort-Strategie und Integration in die Wertschöpfungsketten im Spezialitätengeschäft auf Dauer kein Stich zu machen ist.

Evonik stellt mit einem weltweiten Netz an Produktionsstätten in Europa, Amerika und Asien die Kundennähe sicher. Beispielsweise ist 2009 im Shanghai Chemical Industry Park für 250 Millionen Euro eine Methylmethacrylat-Technologieplattform (MMA) in die Höhe gewachsen, die jährlich 100 000 Tonnen auswirft und mit einer weiterentwickelten Form des C4-Prozesses ausgerüstet wurde.

Energie und Ressourcen im Fokus

Da Rohstoff- und Energieeinsatz Kosten-faktoren auch bei der Herstellung von Spezialchemikalien sind, ist dies auch Grund für viele derzeitige Verfahrensentwicklungen, wie beispielsweise das Aveneer-Verfahren von Evonik. Wie beim bisherigen ACH-Sulfoprozess entsteht dabei Methylmethacrylat (MMA) aus Methan, Ammoniak, Aceton und Methanol. Jedoch entfällt die kostenintensive Aufarbeitung der Schwefelsäure vollständig, da der neue Prozess ohne die Säure auskommt.

Und Clariant weist mit einem Renewable-Projekt in die Richtung, die auch der Wettbewerb seit einiger Zeit geht. Auf Druck großer Kunden will das Unternehmen im Consumer Bereich vermehrt auf nachwachsende Rohstoffe setzen. Ganz im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung.

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